George Méliès: Die Reise zum Mond, 1902 - Illustration; © dpa/Ronald Grant Archive/Mary Evan
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Retrospektive in der arte Mediathek - Georges Méliès – Zauberer, Filmpionier und Erfinder des Trickfilms

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Nicht Georges Méliès ist zum Film gekommen, das Kino ist zu Georges Méliès gekommen: In der arte Mediathek können Sie sich jetzt einige ausgewählte Filme von Georges Méliès ansehen - vorangestellt ist eine spannende Dokumentation über den Meister.

Georges Méliès wurde 1861 als Sohn eines Schhuhfabrikanten geboren und sollte das väterliche Unternehmen weiterführen. Zur Ausbildung schickten ihn die Eltern nach England. In London entdeckte Georges Méliès seine Leidenschaft für Zauberei. Zurück in Paris übernahm er das Theater des berühmten Zauberers Robert-Houdin und trat dort selbst als Zauberer auf. Und über diesem Theater hatten die Brüder Lumière, die Erfinder der Filmkamera, ihre Werkstatt.

Angeblich zeigte Louis Lumière am 27. Dezember 1895 Georges Méliès seinen ersten Film, einen Tag vor der allerersten öffentlichen Vorstellung. So erzählt das jedenfalls die spannende arte-Dokumentation, die den historischen Filmen vorangestellt ist.

Méliès verwandelte sein Zaubertheater in ein Kino und errichtete ein Studio neben seinem Elternhaus in Montreuil. Das sah aus wie ein Treibhaus, voll verglast mit einem hohen Giebel, weil Méliès es liebte Reisen in den Weltraum zu inszenieren. Später kam noch ein zweites Studio dazu, so dass Méliès gleichzeitig zwei Filme drehen konnte. Er arbeitete mit einem festen Ensemble, spielte aber selbst fast immer die Hauptrolle.

Die Zaubertricks von Georges Méliès

Die kürzesten und lustigsten Filme sind tatsächlich Zauberkunststücke. Da sitzt zum Beispiel ein Meister in seiner Werkstatt und stellt einen Gummikopf von sich selbst auf den Tisch. Der Kopf tanzt und scherzt und spricht, der Meister holt einen großen Blasebalg, bläst den Kopf zu enormer Größe auf und lässt dann die Luft an einem Ventil wieder ab. Experiment gelungen. Dann aber holt der Meister seinen Gehilfen und der bläst den Kopf auf, immer größer und größer und größer….

Das Ende kann man sich denken. Die längeren Filme erzählen oft fantastische Reisen, die an Jules Verne erinnern. Méliès ist nicht nur Zauberer, er ist auch Erfinder und liebt die Pyrotechnik. Da wird eine Expedition der "Gesellschaft für inkohärente Geografie" von der Sonne verschluckt. Die Sonne hat natürlich das verschmitzte Gesicht von Méliès. Im Inneren der Sonne herrscht glühende Hitze. Gut, dass die Expedition einen containergroßen Kühlschrank mitgenommen hat – alle Reisenden gefrieren darin und müssen mit Flammen losgeeist werden.

Die Geschichten von Georges Méliès sind Reisen zu immer neuen visuellen Tricks. Der Charme dieser Filme besteht in der mitreißenden Begeisterung für Verwandlungen, Versenkungen durch die Falltür, für exotische Kulissen und temporeiche Choreografien.

Bankrott und Vergessen

Georges Méliès musste mit seiner Firma Starfilm schon 1913 Konkurs anmelden. Den 1. Weltkrieg überstand er als Varietékünstler, hatte dann einen Spielzeugladen im Bahnhof Montparnasse. Hier spielt auch der Film "Hugo Cabret" mit dem Martin Scorsese dem Filmpionier ein Denkmal gesetzt hat.

Tragisch aber war: Georges Méliès hat in einem Anfall von Verzweiflung schon 1923 seine über 500 Filme verbrannt. Durch Zufall tauchte ein Original in der Library of Congress in Washington D.C. auf. Denn schon 1903 hatte Méliès mit seinem Bruder Gaston eine Niederlassung in den Vereinigten Staaten gegründet. Dafür hat er seine Filme immer mit zwei Kameras parallel gedreht, ein Original für den amerikanischen Markt, ein Original für den französischen Markt.

In der Library of Congress befanden sich insgesamt achtzig Filme von Georges Méliès. Einige werden jetzt koloriert gezeigt, mit einer Erzählstimme aus dem Off. Das macht es leichter, wenn das Material angegriffen ist. Andere sind noch in brillanter Qualität erhalten. Sie erinnern an das frühe Staunen über die Kunst, Bilder in Bewegung zu setzen. Über das Kino, das an Zauberei grenzt.

Simone Reber, rbbKultur

arte | "Die Reise durch das Unmögliche"

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