One Night in Miami © Amazon / Courtesy Everett Collection / dpa
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Drama | Black History Month - "One Night in Miami"

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Am 25. Februar 1964 trat Cassius Clay, der sich später Muhammad Ali nannte, im Convention Center in Miami gegen Sonny Liston an und wurde zum ersten Mal Weltmeister im Schwergewichtsboxen. Was wäre, wenn er sich in dieser Nacht mit drei weiteren schwarzafrikanischen Legenden zum Feiern getroffen hätte, mit dem Bürgerrechts-Aktivisten Malcolm X, dem Soul-Sänger Sam Cooke und dem Football-Star Jim Brown? Regina King hat daraus ihr Regiedebüt gemacht.

 

Das Szenario, was sich die drei Männer zu sagen gehabt hätten, hat Kemp Powers in seinem Theaterstück "One Night in Miami" schon 2013 fiktiv durchgespielt. Regina King, Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin ("If Beale Street Could Talk"), legt mit "One Night in Miami" nun die Verfilmung vor, die besonders gut in den Black History Month passt.

Die ersten afroamerikanischen Superstars

In der Nacht, von der der Film erzählt, strotzt Muhammad Ali, damals noch unter seinem Geburtsnamen Cassius Clay, nur so vor Sieger-Adrenalin und Selbstbewusstsein: "I am Champion of the World, I’m the Greatest! I am great!". Auch der Football-Star Jim Brown und der Soul-Sänger Sam Cooke gehören in den frühen Sechziger Jahren zu den ersten afroamerikanischen Superstars, die mit ihrem Ruhm in Sport und Musik an den Mauern der Apartheid rütteln.

Während sich die drei erfolgreichen Stars in ihrem Ruhm sonnen und die damit einhergehenden Privilegien genießen, wird der Bürgerrechtsaktivist Malcolm X mit seinem kämpferischen Ton schnell zum Spielverderber: "Was um uns herum vorgeht, sollte uns alle wütend machen!", wettert er "Ihr bourgeoisen Neger", sagt Malcolm X "seid viel zu glücklich über die kleinen Krümel, die man Euch überlässt, um zu begreifen, was hier auf dem Spiel steht!"

Idole am Wendepunkt

1964 stehen die vier Ikonen alle vor einem Wendepunkt in ihrem Leben. Cassius Clay ringt damit, ob er Muslim werden und der Nation of Islam beitreten soll. Malcolm X wiederum beabsichtigt auszutreten. Jim Brown beginnt eine Karriere als Schauspieler und Sam Cooke muss entscheiden, ob er vor einem weißen Publikum harmlos romantische Lieder über die Liebe trällern oder seinen musikalischen Einfluss für echte Veränderungen einsetzen will.

Zu der Zeit ist die Apartheid noch so tief verwurzelt, dass einem beim Zuschauen schon mal der Atem stockt. Beispielsweise, wenn ein weißer Nachbar den Footballstar Jim Brown zwar überfreundlich auf der Veranda empfängt, kurz darauf aber das hilfsbereite Angebot beim Möbelrücken zu helfen, mit größter Beiläufigkeit ablehnt, "denn, du weißt ja, wir lassen Nigger nicht ins Haus…".

Für die Regisseurin Regina King ist es wichtig, dass sie ihren Film nicht auf eine einzige Perspektive verdichtet, sondern viele verschiedene gleichberechtigt nebeneinander stehenlässt. Jedes der zum Teil widersprüchlichen Argumente habe seine Gültigkeit.

Wortreich und argumentationsstark

In weiten Teilen ist "One Night in Miami" ein Kammerspiel um vier schwarze Legenden, die nachts in einem Hotelzimmer darüber diskutieren, was ihr Ruhm gesellschaftlich bedeutet und wie er sich bestmöglich für die Bürgerrechtsbewegung nutzen lässt. Das ist sehr wortreich und erfordert Konzentration.

Wie auch bei der thematisch ähnlich gelagerten Netflix-Produktion "Ma Rainey’s Black Bottom" ist auch hier die Herkunft des Stoffes aus dem Theater spürbar. Trotzdem funktioniert das erstaunlich gut und lebendig, weil die Schauspieler durchwegs grandios sind. Weil die Stimmung der Sechzigerjahre sinnlich eingefangen ist. Weil die bewegliche Kamera die vier hitzig Argumentierenden elegant umkreist. Und weil das Kammerspiel genug Luft zum Atmen bekommt - auf der Konzertbühne, im Ring, auf dem Footballfeld, auf der Dachterrasse des Hotels und dem Parkplatz vor einer Tankstelle.

Historie und Gegenwart

Und natürlich ist das sehr viel mehr als eine Geschichte, die von einer lang vergangenen Zeit in den Sechzigern erzählt. Sie hat eine Strahlkraft, die bis in die heutige Black Lives Matter-Bewegung wirkt. Denn der Wandel, den Sam Cooke in den 60ern in seinem Song "A Change is gonna come" besungen hat, ist noch längst nicht vollzogen.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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