Filmstill "Bad Luck Banging or Loony Porn"" von Radu Jude, Wettbewerb Berlinale 2021 (Quelle: Silviu Gethie/MicroFilm)
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Berlinale 2021 | Wettbewerb - "Bad Luck Banging or Looney Porn"

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Der rumänische Regisseur Radu Jude ist fast schon Stammgast auf der Berlinale mit Auftritten in Forum und Wettbewerb, wo er 2015 mit "Aferim!" den Silbernen Bären gewonnen hat. Sein neuer Film heißt übersetzt "Kein Glück beim Vögeln oder Irrer Porno" - entsprechend derb geht es dann auch gleich in den ersten Szenen zur Sache.

Ein fröhlich aufgeheiztes Paar ist in allerlei verschwitzten Positionen im Bett zu sehen. Der kleine Privatporno ist das Corpus Delicti, denn er kommt im Netz in Umlauf, belustigt die Schüler und entsetzt Personal und Eltern an der Schule, an der die Frau als Lehrerin arbeitet.

Bittere Anklage

Das folgende Drama entfaltet sich in zwei Teilen. Im ersten läuft die Frau telefonierend durch die Stadt. Während sie von ihrem Problem erfährt, Maßnahmen bespricht, Rechtfertigungen formuliert und kleine Besorgungen tätigt, spult sich ein kleiner Dokumentarfilm über das heutige Bukarest ab: Verfallene und heruntergewirtschaftete Gebäude, Plakatwände mit sexistischer Werbung und politischen Parolen, hemmungsloses Wildparken auf Fußwegen und in Ampelzonen.

Im dritten Teil wird in der Schule mit Eltern, Hausmeister, Direktorin und so aufgebrachten wie selbstgerechten Eltern ein Tribunal abgehalten, bei dem entschieden werden soll, ob die fachlich herausragende Geschichtslehrerin gefeuert werden soll. Im Mittelteil schließlich versammelt Rado Jude ein kleines Alphabet politischer, historischer, gesellschaftlicher und religiöser Absurditäten.

Schrill überdrehte Satire

"Bad Luck Banging or Looney Porn" ist ein schriller, wilder, satirischer Ritt durch Geschichte und Gegenwart Rumäniens und Europas mit bunten Collagen, treibender Karnevalsmusik und knallpinken Zwischentiteln. Dabei erweist sich die Wirklcihkeit immer wieder als so absurd, dass sie von der Satire nur zu trennen ist. Der Regisseur macht sich sein ausgelassenens Späßchen, drückt mit viel Biss und Widerhaken den Finger in allerlei offene oder nur oberflächlich verheilte Wunden.

Der Film ist ein bunt gefülltes Füllhorn, in dem vieles wild durcheinanderpurzelt und dem ein kleines bisschen mehr Struktur gut getan hätte. Es ist auch der erste Film, der deutlich erkennbar in Pandemiezeiten spielt - überall werden Masken getragen, ihre korrekte Anwendung immer wieder angemahnt. Dem Tribunal, in dessen Verlauf mit sexistischen, rassistischen, antisemitischen und homophoben Argumenten nur so gefeuert wird, gibt das eine weitere sehr zeitgemäße Dimension. Denn so wie im Netz bleiben auch die Inquisitoren im Schultribunal hinter ihren Masken weitgehend anonym.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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