Serie Hausboot © Netflix
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Doku-Serie auf Netflix - "Das Hausboot"

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Gunter Gabriel galt als der "deutsche Johnny Cash". Songs wie "Hey Boss, ich brauch‘ mehr Geld" sind Ohrwürmer. Gabriel starb 2017 und hinterließ ein Hausboot. Das erstanden die beiden Musiker Olli Schulz und Fynn Kliemann auf eBay – was sie damit machten, davon erzählt die vierteilige Doku-Serie "Das Hausboot" bei Netflix.

Als die beiden begreifen, dass es sich um "einen Haufen Schrott" handelt, ist es zu spät. Das Hausboot ist gekauft. Und eine Menge Arbeit liegt vor ihnen. Olli Schulz, der Hamburger Singer-Songwriter, hatte die Idee: ein Boot als Rückzugsort für Musiker. Mit Studio, Übernachtungsmöglichkeit und Bühne. Um das zu stemmen, braucht er Hilfe und fragt den Influencer Fynn Kliemann. Der ist sofort dabei. Allerdings es dauert nicht lange und die beiden liegen sich in den Haaren.

Verkalkuliert

Sie haben sich verkalkuliert. Und sie haben komplett unterschiedliche Herangehensweisen, den Schock zu verdauen. Olli Schulz zieht sich zurück, verschwindet von der Baustelle, während Fynn sich reinkniet, vom Abriss bis zur Planung oder Schweißarbeiten: alles will er selbst machen, nichts dem Zufall überlassen. Und redet. Ohne Punkt und Komma. Für die Kamera. Für uns. Und dann gibt es immer wieder Situationen, in denen die beiden sich gegenübersitzen und ihre Probleme besprechen. Auch für uns.

Eine "Männlichkeit der zu tief sitzenden Jeans"

Man will gar nicht so genau wissen, wie der Sänger Gunter Gabriel hier gehaust hat. Es stapeln sich die Erinnerungen, vieles ist vermodert, schmutzig. Die Kamera hält genussvoll drauf, wenn Fynn Planken herunterreißt und ihm die braune Suppe entgegenschwappt. Das ist ziemlich eklig. Und hat eine befremdliche, voyeuristische Anmutung. Das ist das eine Problem dieser Serie.

Das andere: hier wird eine Männlichkeit der zu tief sitzenden Jeans und selbstgefälligen Machosprüche zelebriert, die längst überholt ist und schlicht langweilt. Man feiert sich selbst. Zum Beispiel wenn Fynn eine Naht schweißt.

Zwei norddeutsche Jungs ohne Plan

Bis auf die - wirklich bewundernswert zupackende Entkernung - eines "Schrotthaufens", wie Ollis Freund, der Schauspieler Bjarne Mädel nüchtern konstatiert, passiert in "Das Hausboot" nichts. Das mag interessant sein: entweder für handwerklich interessierte Menschen, die planen, sich ein Hausboot zuzulegen. Doch wer kauft sich schon ein Hausboot? Oder - ganz sicher - die Fans von Schulz und Kliemann: die können hier ihre Idole hautnah feiern: Zwei norddeutsche Jungs ohne Plan.

Zwei Plaudertaschen, denen diese Doku-Serie eine einmalige Plattform für ihr manchmal charmantes, meist aber unsortiertes Geplapper bietet, vor allem aber für eine kalkulierte Selbstinszenierung und Selbstvermarktung. Die eigentlichen Helden von "Das Hautboot" sind die Handwerker. Die können eine Menge. Zum Beispiel auch schweigen.

Christine Deggau, rbbKultur

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