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Berlinale 2021 | Perspektive Deutsches Kino - "Die Saat"

Bewertung:

In der Sektion "Perspektiven Deutsches Kino“" läuft der Film "Die Saat" von Mia Maariel Meyer mit prominenter Besetzung: Hanno Kofler, Robert Stadlober und einer großartigen Entdeckung: Dora Zygouri, die ein junges Mädchen spielt, das von ganz anderen Dingen träumt als denen, die sie in diesem Sommer erleben wird.

Eine Familie zieht um, aufs Land. Es ist ein heißer Sommer, die Mutter erwartet das zweite Kind, der Vater hat gerade die Bauleitung für ein Großprojekt übernommen und die 13-jährige Doreen freundet sich mit dem Nachbarsmädchen an, tanzt mit ihr im Garten. Allein diese Szene, wie Hanno Kofler als Vater Rainer hier seine Moves zeigt, während seine Tochter vor Scham über ihren peinlichen Vater fast im Boden versinkt, ist wunderbar.

Es könnte alles so schön sein ...

Es könnte alles so schön sein. Doch da ist ein Druck spürbar, ein diffuses Unbehagen, das sich zunächst nicht benennen lässt. Sich dann langsam konkretisiert: Die neue Freundin ist so falsch wie ihre angeklebten Wimpern. So falsch auch wie Rainers alter Freund für den er arbeitet, der ihn ohne Vorankündigung vom Bauleiter zum Bauarbeiter degradiert.

Drei Geschichten

Sechs Jahre haben der Schauspieler Hanno Kofler und Regisseurin Mia Maariel Meyer an dem Drehbuch geschrieben. Es ist eine komplexe Geschichte - nein, eigentlich sind es sogar drei Geschichten: die des Vaters, die der Tochter. Und die der Bauarbeiter, schlecht bezahlt unter unwürdigen Bedingungen.

Dieses Leben macht es fast unmöglich, ein guter Mensch zu bleiben. Wider Willen befinden sich Vater und Tochter in einer fast unerträglichen moralischen Abwärtsspirale.

Hanno Kofler in der Rolle des Rainer zeigt einen Mann, der mit den Ansprüchen, die qua Geschlecht an ihn herangetragen werden, permanent zu kämpfen hat. Er spielt ihn leise, dabei fast berstend vor unterdrückter Wut.

Ein nachdenkliches Drama

Spannend inszeniert, wissen wir Zuschauer lange nicht, wohin diese Geschichte in diesem heißen Sommer in Deutschland 2020 führen soll. Es ist ein starkes Drehbuch, das Mia Meyer mit sicherer Hand feinfühlig umsetzt. Über ihrem Schreibtisch hängt ein Zettel, erzählt sie, auf dem steht "Berlinale 21". Hier dabei zu sein, war ihr Ziel.

Es hat sich ausgezahlt. "Die Saat" ist ein nachdenkliches Drama, in dem Regisseurin Mia Meyer ihr Team zu Hochleistungen antreibt: es scheint, als habe sich der Druck, von dem das Drehbuch erzählt, auf die Schauspieler übertragen. Die wiederum geben ihn an uns Zuschauer weiter. Was nicht das Schlechteste ist. Am Ende der Abspann und man weiß: nichts ist gut.

Christine Deggau, rbbKultur

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