Berlinale 2021:Fabian oder Der Gang vor die Hunde © © Hanno Lentz / Lupa Film
Hanno Lentz / Lupa Film
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Berlinale 2021 | Wettbewerb - "Fabian oder Der Gang vor die Hunde"

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Im gleichnamigen, 1931 veröffentlichten Roman von Erich Kästner, wird die Geschichte von Jakob Fabian (Tom Schilling) erzählt, der tags als Werbetexter in einer Zigarettenfabrik arbeitet und nachts durchs Berliner Nachtleben taumelt. Vor dem Hintergrund der unruhigen Zeiten vor Hitlers Machtergreifung geht es um seine Freundschaft zum Literaturwissenschaftler Labude (Albrecht Schuch) und seine Liebe zur jungen Schauspielerin Cornelia (Saskia Rosendahl).

Dabei geht es immer wieder auch um schwierige Entscheidungen. In einer Zeit des sittlichen und moralischen Verfalls folgt Fabian auf sehr idealistische Weise einem klaren Kompass für das Richtige und Gute, wird aber von den Verhältnissen auch zunehmend unter Druck gesetzt.

Zeitreisen

Strikt historisch wird heute nur noch selten erzählt, zumindest über die filmischen Mittel wird immer auch ein moderner Blick eingeschleust, das gilt nun auch für Dominik Grafs Verfilmung eines Romans, der in der Weimarer Republik spielt aber auch viele Parallelen zu den Zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts hat. Aus einer langen Fahrt durch einen historischen U-Bahnhof mit Passanten in modernen Kleidern, wird eine Zeitreise in die historischen Zwanziger, die einen hypnotischen Sog entwickelt. Die Spielszenen sind dynamisch mit historischen Archivaufnahmen versetzt. Jeder Satz, jedes Gefühl, jede Entscheidung hat immer einen modernen Bezug

Flirrende Liebesgeschichte und tiefgründige Lebensfragen

Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Jakob Fabian und Cornelia Battenberg entwickelt, wirkt ausgesprochen modern und flirrend. Im Zusammenspiel mit Fabians Freund Labude deutet sich eine verspielte Ménage à trois an, die entfernt an "Jules und Jim" von Truffaut erinnert.

Albrecht Schuch (deutscher Shooting Star dieses Jahr), Tom Schilling und Saskia Rosendahl tragen mit ihrem Spiel viel zur elektrisierenden Atmosphäre bei, zur Unmittelbarkeit und Frische des Films. Doch bei aller Romantik geht es dennoch immer wieder um die ganz großen Fragen des Lebens, um den Kompass, nach dem man sich in schwierigen Zeiten richten möchte.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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