The Jesus Rolls – mit John Turturro; Screen Media Films/Atsushi Nishijima
Screen Media Films/Atsushi Nishijima
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Gangster-Komödie - "Jesus Rolls"

Bewertung:

Jesus Quintana war eine Figur aus dem Kultfilm "The Big Lebowski", gespielt von John Turturro. Der US-Schauspieler hatte offenbar so viel Spaß an seiner Rolle als extrovertierter Latino-Bowler, dass er sie 20 Jahre später noch einmal aufgewärmt hat, diesmal als Hauptfigur eines eigenen Films: "Jesus Rolls" ist eine überdrehte Mischung aus Gangster-Klamotte, Roadmovie und Erotikfilm.

The Jesus Rolls – mit Christopher Walken; Screen Media Films/Atsushi Nishijima
Bild: Screen Media Films/Seacia Pavao

Dunkle, durchdringende Augen, die langen Haare zu schmalen Zöpfen geflochten und ein wippender, fast schon aufreizender Gang: Jesus Quintana (John Turturro) gibt eine schillernde Figur ab. Ganz am Anfang des Films sind wir dabei, wie er sich im Gefängnis von Sing Sing auf seine Entlassung vorbereitet. Schnell noch die violetten Bowlingschuhe angelegt, die dicken Strassringe über die Finger gestreift und ab geht’s zum Gefängnisdirektor (Christopher Walken), um Lebewohl zu sagen.

Die guten Vorsätze sind schnell vergessen

An der Gefängnispforte wird Jesus von seinem alten Kumpel Petey (Bobby Cannavale) erwartet. Die beiden Männer verbindet nicht nur die Liebe zum Bowlen, sie haben auch noch andere gemeinsame Vorlieben: schöne Frauen, schnelle Autos und teure Restaurants – und das Ganze möglichst umsonst. Die guten Vorsätze aus der Knastzeit sind da schnell vergessen und bald schon sitzen die beiden in einer gestohlenen Nobelkarosse und fahren den Highway entlang.

The Jesus Rolls – mit Audrey Tautou; Screen Media Films/Atsushi Nishijima
Bild: Screen Media Films/Linda Kallerus

Ménage à Trois

In "Jesus Rolls" werden eine Menge Autos geklaut, es wird ein bisschen gebowlt und gelegentlich durch die Gegend geschossen – und es wird viel über Sex philosophiert. Schließlich hat der den beiden Ex-Häftlingen im Gefängnis am Meisten gefehlt. Marie (Audrey Tatou) könnte da Abhilfe schaffen, eine charmante Französin, die das Gangster-Duo nach einem misslungenen Autodiebstahl zum Trio ergänzt.

Doch auch wenn die sich sexuell durchaus offen zeigt, steht die Ménage à Trois zunächst unter keinem guten Stern. Marie kann nämlich nicht zum Orgasmus kommen, so sehr sie es auch versucht – auch ihre beiden Freunde sind da zunächst keine große Hilfe. Erst nach vielen weiteren Verwicklungen, bei denen die mysteriöse Jean (Susan Sarandon) und ihr Sohn Jack (Pete Davidson) eine Rolle spielen, steuert das Trio einem Happy End entgegen.

Verheddert im eigenen Drehbuch

"Jesus Rolls" ist nicht nur eine Hommage an einen schrägen Bowler, der vor 20 Jahren mal einen Kurzauftritt in "The Big Lebowski" hatte. "Jesus Rolls" ist auch ein Remake der "Ausgebufften", einer französischen Erotik-Komödie von Bertrand Blier aus den 70er-Jahren. In dem Versuch aber, gleich zwei Kultfilme in einem 80-Minüter zu verwursten, verheddert sicht Turturro zusehends in seinem Drehbuch. Bald schon weiß man nicht mehr, ob man einem Gangsterfilm zuschaut, einem anarchischen Roadmovie oder einer albernen Sexklamotte mit Chauvi-Humor von anno Tobak.

Die Musik der Gipsy Kings als ironischer Kommentar

Immerhin, ein paar Dinge muss man "Jesus Rolls" lassen: Die 70er-Jahre-Atmosphäre ist gut getroffen, die Kurzauftritte von Hollywoodstars wie Susan Sarandon und Christopher Walken sorgen für Abwechslung und die Musik der Gipsy Kings liegt jederzeit passgenau als ironischer Kommentar über dem Film. Vielleicht hätte John Turturro einfach nur die Dialoge weglassen sollen – oder seinen Film 50 Jahre früher drehen.

Carsten Beyer, rbbKultur

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