Berlinale 2021 | Tina © Rhonda Graam
Rhonda Graam
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Berlinale 2021| Berlinale Special - "Tina"

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Viel hat man schon erfahren über Tina Turners Leben - im Spielfilm, in ihrer Autobiografie, in Interviews und Artikeln, doch dieser Dokumentarfilm ist durch die Vielfalt an Archivmaterial, Fotos, Konzertmitschnitten und privaten Videoaufnahmen ein Erlebnis.

Fast zwei Stunden lang führen die Regisseure Dan Lindsay und T.J. Martin die Zuschauer durch Tina Turners Leben - ein Bilderfeuerwerk, aufgeteilt in fünf Kapiteln, wovon die ersten beiden, vor allem ihre Ehe mit Ike Turner, eher unerfreulich sind.

Schlimme Zeiten mit Ehemann Ike Turner

Wie sie, die junge begabte Sängerin mit Namen Anna Mae Bullock ihn kennenlernt, sich in ihn verliebt und von ihm ausgebeutet wird. Den Namen Tina Turner hat er ihr verpasst, ohne sie zu fragen. Schlimmer noch: er schlägt sie, missbraucht sie und sie schafft es nicht, sich von ihm zu lösen.

Solche Szenen, in denen sie im O-Ton über diese Zeit spricht, bebildern die Regisseure sensibel mit dem Bild des leeren Schlafzimmers ihres früheren Wohnhauses in Los Angeles. Doch Tina Turner befreit sich schließlich von diesem gewalttätigen Ehemann, nimmt ihren Namen mit und sonst nichts, landet erst in Las Vegas in billigen Fernsehshows, bis sie es schließlich schafft, die erste erfolgreiche schwarze Rocksängerin zu werden.

Umjubelte Konzertauftritte und leise, persönliche Momente

Der Dokumentarfilm "Tina" begleitet die Sängerin durch die Jahrzehnte. Dazu gibt es viele Interviews mit ihr selbst, aber auch mit ihren Wegbegleitern, Managern, Freundinnen. Der Film zeigt Tina Turner bei ihren energiegeladenen Auftritten vor zehntausenden jubelnden Menschen und in leisen, sehr persönlichen Momenten. Sie spricht darüber, wie ihre Mutter sie als Kind verlassen hat und wie sie Zeit ihres Lebens auf der Suche nach Liebe war. Äußerst charmant muten die alten, teils sehr verpixelten Superachtsequenzen und Kontaktbildstreifen an, die die Regisseure zu poppigen Kunstwerken überblendet haben.

Happy End

Dass Tina Turner über ihre schlimme Ehe geredet und auch in ihrem Buch geschrieben hat, hat viele Frauen und Mädchen ermutigt. Jetzt hat sie damit abgeschlossen, denn am Ende steht ein Happy End. Sie hat die Liebe gefunden bei dem deutschen Musikmanager Erwin Bach, ihrem zweiten Ehemann, und bei ihrem Publikum. Das letzte Kapitel des Films heißt dann auch: LOVE.

Andrea Handels, rbbKultur

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