Filmstill: "Una Película de Policías" von Alonso Ruizpalacios, Wettbewerb Berlinale 2021. (Quelle: No Ficcion)
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Berlinale 2021 | Wettbewerb - "Una película de policías"

Bewertung:

Mexiko hat eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt. Das liegt nicht zuletzt an der schlechten Ausbildung der mexikanischen Polizei und der omnipräsenten Korruption, die das System von oben nach unten durchzieht. In seiner Doku-Fiktion "Una pelicula de policías" versucht der mexikanische Regisseur Alonso Ruizpalacios den Ursachen der Misere auf den Grund zu gehen, scheitert aber an einem überladenen Drehbuch.

Teresa (Mónica del Carmen) und Montoya (Raúl Briones), die beiden Hauptfiguren von "Una pelicula de policías", sind ein Paar. Bei gemeinsamen Patrouillen-Fahrten haben sich die beiden kennen- und liebengelernt. "Love Patrol" werden sie von ihren Kollegen genannt. Beide sind sie Mitte 30, haben schon mehr als 15 Dienstjahre hinter sich und sind noch immer stolz auf ihren Beruf, auch wenn ihnen der Stress und die tägliche Belastung anzumerken sind.

Love Patrol

Bei ihren Fahrten durch die endlosen Vorstädte der mexikanischen Hauptstadt werden Teresa und Montoya mit der ganzen Vielfalt des Großstadtlebens konfrontiert: Verkehrsdelikte, betrunkene Randalierer, kleinere Diebstähle oder Überfälle – das meiste ist Routine. Doch hin und wieder gibt es auch unvorhergesehene Zwischenfälle: Gleich zu Beginn des Films muss Teresa bei einer Hausgeburt assistieren, weil der Krankenwagen nicht rechtzeitig kommt.

Der Alltag mexikanischer Polizisten

Alonso Ruizpalacios (Silberner Bär für das Beste Drehbuch für "Museum", 2018) zeigt in "Una pelicula de policías" den Alltag mexikanischer Polizisten. In einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion beschreibt er ihre Ausbildung, ihren sozialen Hintergrund und ihre Leidenschaften: Und er versucht der Frage nachzugehen, warum Menschen diesen Beruf überhaupt ergreifen – trotz der alltäglichen Gefahren, der schlechten Bezahlung und des niedrigen Sozialprestiges.

Korruption als Teil des Systems

Teresa ist Polizistin geworden, weil auch ihr Vater Polizist war und sie sich ihm gegenüber beweisen wollte. Bei Montoya war es der große Bruder, Angehöriger einer Polizei-Spezialeinheit, der ihn mit seiner Uniform und seinem Maschinengewehr beeindruckt hat. Ist man dann einmal Teil des Systems, hinterfragt man es nicht mehr - auch wenn man irgendwann merkt, dass bei der Polizei vieles nicht stimmt, dass Korruption und Vetternwirtschaft zum Alltag gehören. Ganz selbstverständlich halten auch Teresa und Montoya ihre Hand auf, ob es sich nun um einen Verkehrssünder handelt, der ungestraft davonkommen will oder um eine nächtliche Ruhestörung.

Ständige Perspektivwechsel

Um das Innenleben der mexikanischen Polizei zu dokumentieren, hat Alonso Ruizpalacios einen ungewöhnlichen Weg gewählt: Er lässt zwei Schauspieler in die Rollen realer Cops schlüpfen. Gleichzeitig dokumentieren die beiden ihre eigenen Gedanken und Gefühle während einer 3-monatigen Ausbildung auf der Polizeiakademie mit Handykameras. Das soll wohl größtmögliche Nähe suggerieren, ist aber auf Dauer eher verwirrend als erhellend. Bald schon hat man das Gefühl, dass auch die Protagonisten nicht mehr so genau wissen, ob sie nun gerade eine Szene spielen oder dokumentieren sollen.

Die Konfusion ist perfekt

Als Ruizpalacios gegen Ende seines Films auch noch die echten Teresa und Montoya ins Bild rückt, ist die Konfusion perfekt: Die beiden, so erfahren wir im Abspann, haben ihren Dienst quittiert, nachdem sie wegen Korruption angeklagt wurden. Ihnen wurde zum Verhängnis, dass sie sich mit einem Politiker angelegt hatten, der wiederum ihren Vorgesetzen bestochen hatte.

"Polizisten sind wie Schauspieler" sagt Teresa. "Sie müssen eine Rolle spielen, um hart zu wirken. Sonst sind sie schwach."

Immerhin ein kleiner Erkenntnisgewinn in einem ansonsten eher belanglosen Film.

Carsten Beyer, rbbKultur

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