Szene aus dem Film "Futur Drei" von Faraz Shariat
Salzgeber
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Film und Online-Festival - "Futur Drei"

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Der Film "Futur Drei" ist das Debüt des Regisseurs Faraz Shariat, der darin seine eigenen Erlebnisse als Exil-Iraner in Deutschland verarbeitet: Was bedeutet es, in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein? Seine Premiere feierte der Film im letzten Jahr auf der Berlinale in der Sektion 'Panorama' und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Parallel zum Video on Demand-Start findet ein begleitendes viertägiges Online-Festival statt.

Der Ausgangspunkt für den Film war eine ganz ähnliche Situation wie für Parvis (Benny Radjaipour) im Film: Er wurde beim Klauen in einem Luxus Department-Store erwischt und zu 120 Sozialstunden in einem Heim für Geflüchtete verurteilt.

Verarbeitung eigener Lebenserfahrungen

Während er selbst in Deutschland geboren, also Einwanderer in der zweiten Generation ist, trifft er dort auf Jugendliche in seinem Alter, die völlig andere Ausgangsbedingungen haben, die keinen deutschen Pass, keine gesicherte Zukunft und existenzielle Angst vor der Abschiebung haben, so wie jetzt die Geschwister Amon und Banafshe im Film.

Außerdem beschäftigt sich der Film damit, dass sich diese zweite Generation der in Deutschland geborenen Einwanderer, die fließend deutsch sprechen und sich eigentlich als deutsch empfinden, unablässig als anders und fremd wahrgenommen werden.

Nuancen der Identitätsfindung

"Futur Drei" will kein aufgeregtes Kultur-Clash oder Coming Out-Drama sein. Stattdessen geht es um Nuancen der Selbstwahrnehmung und Identitätsfindung mit dem besonderem Focus Migrationshintergrund und Schwulsein, was in Ländern wie Iran immer noch lebensgefährlich ist.

Auf behutsame, fast traumhaft schwebende und sehr sinnliche Art erforscht er seine Themen nicht als handlungsgetriebenes Drama, sondern eher in Form hingetupfter Momente, als kaleidoskopisches Puzzle verschiedener Lebenserfahrungen. So sind die Eltern von Parvis vor 30 Jahren nach Deutschland gekommen, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu geben. Sie sind enttäuscht, dass er die Möglichkeiten, die sie so hart erkämpft haben, nicht nutzt, sich stattdessen lieber planlos durchs Nachtleben treiben lässt. Umgekehrt versteht er nicht, dass es die Eltern zurückzieht in die frühere Heimat, die ihm fremd geworden ist.

Migration mal nicht als Drama oder Komödie

Auf beeindruckende Weise anders ist "Futur Drei" erzählt, als man es sonst von Migrationsgeschichten kenn - weder auf Drama gebürstet, noch komödiantisch entschärft, sondern vor allem sehr ehrlich und unmittelbar.

Dazu gehört auch, dass der Schauplatz nicht die hippe, multikulturelle Metropole Berlin ist, sondern die Kleinstadt Hildesheim, in der Regisseur Faraz Shariat studiert hat. Wenn das Trio nach einer durchgefeierten Nacht unter rosafarbenem Morgenhimmel durch eine leere, saubere Wohnstraße nach Hause wankt und schwankt, in kaum merklicher Zeitlupe, dann hat das etwas Schwereloses, fast Traumhaftes. Indem Kameramann Simon Wu immer wieder mit Unschärfen arbeitet und seine Bilder auch mal unaufdringlich kippen oder schaukeln lässt, nimmt er die leisen Vibrationen der Suche nach einem Platz in der Welt auf.

Begleitendes Online-Festival

Parallel zum Video on Demand-Start von "Futur Drei" veranstaltet das Filmkollektiv "Jünglinge" das viertägige Online-Festival "FUTUR 3.0".

Das Online-Filmticket für 9,90 Euro bietet freien Zugang zu digitalen Angeboten, die vier Tage lang auf der Festivalwebsite, auf Instagram, Facebook und auf YouTube laufen und thematisch an den Film anknüpfen. Dazu gehören Gespräche und Watchparties mit Schauspieler*innen, Filme­macher*innen und Gästen, Workshops und Videoessays und Diskurspanels.

Besonders freut sich die Festivalleiterin Simone Lechner auf die beiden Stream Watch-Parties mit den Macher*innen von "Futur Drei" am 15. und 18. April. Außerdem gibt es Diskurspanels zu Blackness & Feminismen und Queer Dating Hierarchies.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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