Schwarze Adler © picture alliance/dpa/BROADVIEW Pictures
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Dokumentation - "Schwarze Adler"

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Einmal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu tragen – mit dem Schwarzen Adler auf der Brust, das ist das Größte für jeden Fußballer und jede Fußballerin. So wird es zumindest oft behauptet. Wie aber sieht das für Menschen aus, die eine dunklere Hautfarbe haben oder einen Migrationshintergrund besitzen? Mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben, das zeigt Torsten Körners großartiger Dokumentarfilm.

Sie hießen früher Jimmy Hartwig, Erwin Kostedde und Gerald Asamoah oder heute Jérôme Boateng, Leroy Sané und Serge Gnabry: Dunkelhäutige Fußballer haben viel zum Erfolg der deutschen Nationalmannschaft beigetragen. Gedankt aber wurde es ihnen nur selten: Schiefe Blicke, Affenrufe und Beleidigungen – Rassismus ist im Fußball noch immer weit verbreitet.

Von den 50er Jahren bis in die Gegenwart

So integrativ und völkerverständigend der Sport auf dem Platz und in der Kabine sein mag, auf den Tribünen ergibt sich ein anderes Bild. Das zeigt der Film von Torsten Körner mit aller Deutlichkeit. Mit alten Reportage-Schnipseln, mit Ausschnitten aus Sportübertragungen und vielen, sehr sensibel geführten Interviews, schlägt "Schwarze Adler" einen Bogen von den 50er Jahren bis in die Gegenwart.

Der Traum wird zum Albtraum

Der Münsteraner Erwin Kostedde war Mitte der 70er Jahre der erste nichtweiße Fußballspieler, der in der Nationalmannschaft zum Einsatz kam: Der damalige Bundestrainer Helmut Schön bestellte den Stürmer, Sohn eines GIs und einer deutschen Mutter, ins Aufgebot für das Länderspiel gegen England im Londoner Wembley-Stadion. Doch, so zeigen es die alten Aufnahmen in Körners Film, aus dem lange erträumten Spiel wurde ein Albtraum: Entnervt über die Schmähungen der eigenen Fans, spielte Kostedde "wie ein Eimer Wasser" und wurde nach nur drei Partien im Nationaldress wieder aussortiert.

Schmierige Gönnerhaftigkeit

"Schwarze Adler" ist voll solcher Momente: in denen einem der Atem stockt und die Schamesröte ins Gesicht steigt. Die Geschichte des deutschen Fußballs, das macht der Film klar, ist auch eine Geschichte der rassistischen Stereotypisierung: Offen und unverhohlen im Stadion - oder versteckt hinter schmieriger Gönnerhaftigkeit beim Interview im Fernsehen, wenn Anthony Baffoe, damals Stürmer der Stuttgarter Kickers, gefragt wird, woher denn seine dunkle Hautfarbe komme. Das liege ja wohl nicht am "schönen Wetter" in der Region.

Rassismus im Fußball ist kein Relikt der Vergangenheit

Wie gerne möchte man glauben, dass solche Entgleisungen ein Relikt der Vergangenheit sind, dass heute – in Zeiten der Integrationsbeauftragten und der Image-Kampagnen, ein anderer Geist in den Stadien weht. Doch dazu ist der Fußball wohl zu populär - und die Versuchung, die Emotionalität dieses Sports für eigene, finstere Ziele zu nutzen, zu groß.

Das beste Beispiel: die unsägliche Behauptung des damaligen AfD-Vize Alexander Gauland, "die Leute wollten einen Boateng nicht zum Nachbarn haben."

Manchmal möchte man mitweinen

Nicht nur Männer kommen bei Torsten Körner zu Wort, sondern auch Angehörige der Frauennationalmannschaft wie Steffi Jones und Shary Reeves. Als die Kölnerin, Tochter eines kenianischen Philosophie-Professors und einer tansanischen Krankenschwester, kurz vor Ende des Films vor laufender Kamera in Tränen ausbricht, als sie über ihre Gefühle als dunkelhäutige Sportlerin in Deutschland spricht, möchte am liebsten mitweinen.

Ein Film für Fußballfans und Fußball-Laien

"Schwarze Adler" ist ein großartiger und wichtiger Film. Gleichermaßen zu empfehlen für leidenschaftliche Fußballfans wie für Menschen, die noch nie ein Stadion von innen gesehen haben.

Die Dokumentation ist bei Amazon Prime und am 18. Juni im ZDF zu sehen.

Carsten Beyer, rbbKultur

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