Paul (Winfried Glatzeder) und Paula (Angelica Domröse); Logo "DEFA 75"(Quelle: rbb/PROGRESS Film-Verleih/Norbert Kuhröber)
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Im rbb Fernsehen und in der Mediathek - DEFA 75 - Werkschau zum Jubiläum

Die Deutsche Film AG – kurz DEFA – war das kulturelle Aushängeschild der DDR. Von ihrer Gründung im Jahr 1946 bis zur Auflösung 1992 wurden hier über 4.000 Filme gedreht: Komödien und Dramen, Dokumentarfilme und Propagandastreifen, Durchschnittsware und große Meisterwerke, die Filmgeschichte geschrieben haben. Zum 75. Geburtstag der DEFA zeigt das rbb Fernsehen ab heute eine große Werkschau.

Wenn man heute Menschen auf der Straße fragen würde, an welche DEFA- Filme sie sich noch erinnern, "Die Legende von Paul und Paula" wäre bestimmt dabei: Anfang der 70er Jahre von Ulrich Plenzdorf aufgeschrieben und von Heiner Carow kongenial verfilmt, ist dieser Film auch nach fast 50 Jahren noch immer eine Wucht: Herzschmerz, großes Drama und sozialrealistische Milieustudie in Einem. Der Durchbruch nicht nur für die beiden Hauptdarsteller Angelika Domröse und Winfried Glatzeder, sondern auch für die Puhdys und ihre wunderbare Filmmusik.

Herzschmerz und großes Drama

"Die Legende von Paul und Paula" ist genauso dabei in der rbb Filmreihe wie viele andere DEFA- Klassiker: Konrad Wolfs Historien-Drama "Goya" etwa oder die Teenager-Komödie "Heißer Sommer" mit Schlagerstar Frank Schöbel in der Hauptrolle. Noch spannender aber wird es da, wo die Programm-Macher ein bisschen tiefer ins Archiv hinabgestiegen sind ...

Bild zum Film: Die Taube auf dem Dach, Quelle: rbb/©DEFA-Stiftung/Klaus Goldmann
Bild: rbb/©DEFA-Stiftung/Klaus Goldmann

Filme aus dem Giftschrank

"Die Taube auf dem Dach", 1973 von Iris Gusner gedreht und gleich nach seiner Fertigstellung verboten, ist eine späte Offenbarung: Der Film zeigt Linda Hinrichs (Heidemarie Wenzel), eine junge Bauleiterin, hin- und hergerissen zwischen zwei Männern: Daniel (Andreas Gripp), ein junger, anarchischer Student auf der einen, Hans (Günter Naumann), ein erfahrener Baubrigadier auf der anderen. Dass dieser am Ende einen Korb bekommt und sich frustriert in den Alkohol flüchtet, war für die SED-Kulturfunktionäre ein Affront: Gusner zeichne hier "ein verzerrtes Bild der DDR – Realität" und "spucke der Arbeiterklasse ins Gesicht" hieß es.

Das Film verschwand im Giftschrank und wurde erst 1990 durch einen Zufall wiederentdeckt.

Bild zum Film: Sterne, Quelle: rbb/©DEFA-Stiftung/Lotte Michailowa
Bild: rbb/©DEFA-Stiftung/Lotte Michailowa

Auseinandersetzung mit dem Holocaust

Ebenfalls etwas in Vergessenheit geraten ist "Sterne", Konrad Wolfs Kriegsdrama aus dem Jahr 1959. Die Geschichte über einen jungen Wehrmachtsoffizier (Jürgen Frohriep), der sich in Bulgarien in eine Jüdin (Sacha Kruscharska) verliebt und dieser zur Flucht verhelfen will, sorgte für Aufsehen, weil sich hier erstmals ein deutscher Regisseur mit der Verantwortung seines Landes für den Holocaust auseinandersetzt. Obwohl der Film in Ost und West gleichermaßen gelobt wurde und Konrad Wolf sogar in Cannes den Großen Preis der Jury zugesprochen bekam - ein Publikumserfolg wurde "Sterne" nicht.

Trucker mit Proll-Charme

Und auch das gibt es zu sehen: "Wie füttert man einen Esel?". Publikumsliebling Manfred Krug in einem flotten Roadmovie aus dem Jahr 1974. Er spielt Fred, einen schnauzbärtigen Trucker mit Proll-Charme, der sich mit seinem Lastwagen auf Odyssee kreuz und quer durchs sozialistische Ausland begibt und dabei allerlei zumeist amouröse Abenteuer erlebt.

Bild zum Film: Wie füttert man einen Esel, Quelle: rbb/©DEFA-Stiftung/Klaus Groch
Bild: rbb/©DEFA-Stiftung/Klaus Groch

Großen Tiefgang sollte man hier eher nicht erwarten, dafür bietet der Film eine Menge schöner Bilder und Musik von schrägen 70er Jahre- Bands aus ganz Osteuropa.

Entdeckungsreise in ein immer weniger bekanntes Land

75 Jahre DEFA – das ist nicht nur ein Kinovergnügen und ein Wiedersehen mit beliebten Stars der DDR-Filmgeschichte, die Filmreihe des rbb Fernsehens ist auch eine Entdeckungsreise in ein heute immer weniger bekanntes Land. Egal, ob sie jung sind oder alt, ob sie im Osten oder im Westen Deutschlands geboren wurden – oder vielleicht auch ganz woanders, das sollten sie sich nicht entgehen lassen!

Die Filme und Dokumentationen zum DEFA-Jubiläum werdem vom 11. bis 17. Mai im rbb Fernsehen und anschließend in der ARD Mediathek gezeigt.

Carsten Beyer, rbbKultur