Nicht dein Mädchen © W-film / Indie Film
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Drama - "Nicht dein Mädchen"

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Seit 1983 gilt der 25. Mai als offizieller Tag der vermissten Kinder. 2002 wurde der Gedenktag auch in Europa eingeführt. Aus diesem Anlass bietet der Filmverleih W-Film heute Abend eine besondere Online-Kinopremiere an: Der Film "Nicht dein Mädchen" von Isabella Sandri über einen fiktiven Fall von Cyberkriminalitä wird kostenfrei und ohne Anmeldung auf der Website des Verleihs zu sehen sein.

Ein kleines Mädchen und ein junger Mann reisen im Wohnmobil durch Deutschland. Große Freiheit, wildes Abenteuer, sie toben und tanzen, verkleiden sich und spielen in einer Waldlichtung, tauchen im Dampfbad ab, kehren in einer Raststätte ein.

Große Freiheit, wildes Abenteuer

Eigentlich müsste das Kind in der Schule sein, sie sieht mager und verwahrlost aus, mit ungepflegt zerzausten Haaren und verlorenem Blick. Der Mann könnte ihr Vater, ihr Bruder, ihr Onkel sein, die Verhältnisse sind unklar, und doch wird schnell deutlich: hier stimmt etwas nicht. Der Mann, der Richi heißt, wirkt kindisch und ist doch gefährlich …

Undercover im Chat eines Pädophilenrings

Bald lässt er das junge Mädchen im Bikini posieren, auf der Bank des Wohnmobils, vor einer Fototapete, neben einer Zimmerpalme. Den Film wird er kurz darauf im Pädophilen-Chat posten, wo ihn die Polizeiermittlerin Milia, zuständig für Cyberkriminalität, sieht. Sie bewegt sich undercover auf den Seiten der Pädophilen, unter der Identität eines gefassten Täters. Sie sieht die Bilder des Mädchens, ihr Gesicht, eine kleine Hand, die gespenstisch durch Plastikfolie zu greifen versucht, ganz nah und doch unerreichbar weit entfernt, durch den Bildschirm, wie hinter einem Schleier, den sie durchdringen muss.

Ein Gespür für Kinder in Not

Die Regisseurin Isabella Sandri macht diese Abgründe eindringlich spürbar, ohne dafür reißerische Bilder zeigen zu müssen. In den letzten 15 Jahren hat sie sich in ihrer filmischen Arbeit auf Kinder und Teenager aus der ganzen Welt konzentriert, hat Filme gedreht über palästinensische Flüchtlinge im Libanon, über Kriegswaisen in Afghanistan, Kinderarbeiter in mexikanischen Fabriken und junge Überlebende des Bürgerkriegs in Ruanda.

Obwohl sie sich in "Nicht dein Mädchen", der im Original "Il Confine incerto", die unsichere Grenze, heißt, bewusst für das Spielfilmformat entschieden hat, spürt man ihre dokumentarische Sensibilität. Viele Jahre hat sie für ihr Drehbuch recherchiert, in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung Cyberkriminalität der römischen Polizei und der Kinderrechtsorganisation "Save the Children".

Im Film sitzt die Ermittlerin im bläulichen Schein des Bildschirms, dem Grauen ausgesetzt, das dort lauert. In den ernsten Zügen der Schauspielerin Cosmina Stratan spiegelt sich die schmutzige Welt der Kindesentführer und Kinderschänder. "Die Art wie sie ihn ansieht, während er seinen Film macht. Man sollte doch meinen, dass sie Angst hat, aber sie sieht diese Person so vertrauensvoll an. Sie kapiert gar nicht, was derjenige ihr eigentlich antut."

Geduldige Ermittlungsarbeit

Der Film spannt ein Netz über mehrere Länder hinweg. Im Film wird deutsch, italienisch, ladinisch – die Sprache einiger norditalienischer Alpenregionen - und rumänisch gesprochen, auch das ein Zeichen für die Schwierigkeiten bei der grenzüberschreitenden Fahndung. Aus Bergen von Fotos vermisster Kinder in allen Altersstufen fischt Milia ein Foto eines Mädchens heraus, das vor vielen Jahren aus der idyllischen Abgeschiedenheit eines Bergdorfes verschwunden ist. Könnte sie das Mädchen in den Videos sein?

Behutsam kontaktiert sie die Eltern ohne Erwartungen zu schüren, macht Fotos des Kinderzimmers in der Hoffnung, auf irgendeinen Hinweis - eine Puppe, ein Kleid, ein Tuch -, das eine Verbindung herstellen könnte zwischen dem Leben mit den Eltern und der Gefangenschaft beim Entführer.

Schleichender Krimi

"Nicht dein Mädchen" ist die behutsame Studie einer Entführung, im Wechsel der Perspektiven von Täter, Opfer und Ermittlerin. Schleichend entwickelt sich daraus ein Krimi über die geduldige Fahndung nach einem Pädophilen und über die Rückführung des Opfers, die auch eine Ablösung vom einzigen Vertrauten der letzten Jahre bedeutet.

Dem Wirt einer Raststätte fällt das merkwürdige Gespann auf, er gibt den entscheidenden Hinweis, immer enger zieht sich das Netz um das Wohnmobil. Und dann wird irgendwann klar, dass es noch viel schlimmere Verbrecher gibt als Richi. Mit der Polizei auf seinen Fersen fühlt er sich wie ein Tier in die Enge getrieben. Er verkauft das Mädchen an einen Ring von Pädophilen, die ihre Gesichter mit kleinen Kinder-T-Shirts maskieren.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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