Márta Mészáros © imago images/ Pixsell
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Frühe Werke der ungarischen Regisseurin - Retrospektive: Márta Mészáros

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Sie war die erste Frau, die in Ungarn einen Spielfilm drehte: "Das Mädchen" entstand 1968. Und sie war die erste Frau, die bei den Berliner Filmfestspielen einen Goldenen Bären gewann. Das war 1975 mit dem Film "Adoption". In diesem September feiert die ungarische Filmregisseurin Márta Mészáros ihren 90. Geburtstag. Die Streaming Plattform Mubi ehrt sie jetzt mit einer kleinen Reihe von frühen Werken.

"Wir alle sind geprägt von unserer Kindheit, unserer Vergangenheit. Als Erwachsene müssen wir uns dieser Vergangenheit stellen", hat die Regisseurin einmal über ihre Arbeitsweise gesagt.

Geschichten der Emanzipation

In den Filmen von Márta Mészáros geht es fast immer um die Suche nach einem eigenen Leben, nach Unabhängigkeit von Konventionen oder ideologischen Vorgaben und natürlich sind es Geschichten der Emanzipation, der Loslösung aus patriarchalen Traditionen. In dem Film "Das Mädchen" von 1968 spielt die Pop-Sängerin Kati Kovács eine junge Frau, die in Budapest in einem Kinderheim groß geworden ist, weil ihre leibliche Mutter sie als uneheliches Kind nicht behalten wollte. Eines Tages nimmt sie Kontakt auf zu dieser fremden Frau und besucht sie in ihrem Dorf.

Begegnung zwischen Stadt und Land

Da trifft die modebewusste Städterin auf die rigide regulierte Welt des Landes. Die Mutter huscht in schwarzer Tracht, mit schwarzem Kopftuch über den Hof und setzt sich abends beim Fernsehen in die zweite Reihe. Sie wird verfolgt von der Angst vor der sozialen Kontrolle. Die junge Frau dagegen geht mit hellem, wachem Blick durchs Dorf und nimmt sich ihre Freiheit.

Köstlich zu beobachten, wie Márta Mészáros die verschiedenen Variationen des Balzens inszeniert, mit denen wildfremde Männer um Katis Aufmerksamkeit buhlen. Am Ende, als sie mehr über ihre Vergangenheit weiß, wählt sie ihren Partner selbst, der erste Kuss wird von einem Gongschlag begleitet.

Mischung aus Fiktion und Dokumentation

Márta Mészáros hat in Moskau Film studiert und dann zehn Jahre lang Dokumentarfilme gedreht. Das Gespür für Wirklichkeit fließt auch in ihre Spielfilme ein. Viele sind von ihrer eigenen Biografie geprägt. In dem Film "Neun Monate" von 1976 beginnt sie die Geschichte einer jungen Frau zwischen Kind, Liebe und Karriere mit Bildern aus einer Gießerei. Das Feuer lodert, die Funken sprühen, im Schein der Flammen sieht man das verwitterte Gesichte eines alten Arbeiters. Das sind klassische Dokumentaraufnahmen. In dieser Welt nimmt die junge Frau Juli einen Job an. Schwierig wird es für sie allerdings, als der Betriebsleiter sich Hals über Kopf in sie verliebt. Aber er kann nicht damit umgehen, dass Juli einen unehelichen Sohn hat und dass sie eine Karriere plant.

Geschichten in Gesichtern

Márta Mészáros liebt Gesichter, sie zeigt sie ganz nah, zeigt, wie sich im Mienenspiel Gefühl und Reflektion überlagern. In diesem Fall begegnet die Schauspielerin Lili Monori allen Vorurteilen mit ihrem beharrlichen Blick. Der polnische Schauspieler Jan Nowicki, der langjährige Partner der Regisseurin, kann blitzschnell vor Liebe entflammen und dann wieder diabolisch glimmen. Da nehmen die Großaufnahmen das Motiv der Dokumentarbilder wieder auf.

Frühe Kritik

Aus heutigem Abstand verblüffend ist, wie Márta Mészáros auch die Politik in das Mienenspiel verlagert. Ihr Vater war überzeugter Kommunist. Als Márta Mészáros fünf Jahre alt war, ging die Familie nach Kirgisistan, wo ihr Vater ein Kulturzentrum aufbauen sollte. Aber er wurde im Rahmen der stalinistischen "Säuberungen" verhaftet und hingerichtet. Ihre Mutter starb, als sie elf Jahre alt war. Sie wuchs in einem Waisenhaus und später bei einer Pflegemutter auf.

In dem Film "Zwei Frauen" demaskiert sie geradezu die linientreuen Funktionärinnen. Da prallen die weichen, fast verklärten Gesichtszüge der französischen Schauspielerin Marina Vlady an versteinerten Mienen ab. Mari leitet ein Wohnheim für Arbeiterinnen und nimmt eine junge Frau mit ihrer Tochter auf, obwohl Kinder in dem Heim verboten sind. Wir sehen ganz nah Maris lächelndes Gesicht, als sie mitfühlend die Ausnahme begründet und dann sehen wir ganz nah die gefrorene Reaktion der Kontrolleurin.

Das Besondere an diesen Filmen ist die entschiedene Unangepasstheit, sind die Zwischentöne, die Fragen, die unbeantwortet bleiben, die ganze Unklarheit der Realität als Gegenwelt zur Ideologie.

Simone Reber, rbbKultur

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