Kids Run © Flare Film/ Falko Lachmund
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Drama - "Kids Run"

Bewertung:

"Kids Run" – Kinder rennen – so heißt der Debüt-Spielfilm der Regisseurin Barbara Ott. Barbara Ott, 1983 im bayerischen Tirschenreuth geboren, hat als Regieassistentin und Requisiteurin beim Film begonnen und dann Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg studiert. Schon in ihrer Abschlussarbeit, dem preisgekörten Kurzfilm "Sunny", ging es um einen jungen Vater zwischen Kind und Arbeit. Jetzt hat die Regisseurin diese Geschichte ausgebaut zu ihrem ersten Langfilm.

Der Film erzählt die Geschichte von einem jungen Vater, der für drei Kinder von zwei verschiedenen Müttern sorgt. Andi ist Bauarbeiter, morgens rennen er und seine Kinder zum Bus, damit die Älteren zur Schule kommen. Dann rennt Andi zu seiner zweiten Frau, um das Wickelkind, die kleine Fiou, abzugeben, von dort rennt er allein zum Fahrdienst seiner Firma, um auf das Abrissgrundstück zu gelangen, auf dem Andi Häuser zerlegt. Er reißt ihnen die Heizung raus als sei es das Herz. Aber bald schon rennen Andi und die Kinder auch weg. Weil er seine Miete nicht zahlen kann, hat er sich von seiner zweiten Frau Sonja Geld geliehen, sie will es zurückhaben und stellt ihm ein Ultimatum:

"Gib mir das Geld oder Du siehst Fiou nicht mehr."

Geniale Besetzung

Mädchenschwarm Jannis Niewöhner orientiert sich hier an Brad Pitt in David Finchers "Fight Club". Sein Andi beschließt, für seine Schuld zu boxen. Jannis Niewöhner mit stoppelkurzem Haar begegnet uns am Anfang übel zusammengeschlagen, so dass der Herzensbrecher-Charme gleich vom Tisch ist. Sein Andi ist planlos, sehr intuitiv, aber auch gefühlvoll. Noch immer hofft er Sonja zurückzugewinnen. Jannis Niewöhner geht mit sehr viel Verständnis und Solidarität an diese Figur, die viele Fehler macht und trotzdem eigensinnig versucht, seine Kinder zu behalten.

Überhaupt ist der Film genial besetzt. Die Schauspielerin Lena Tronina aus Kasachstan spielt die junge Mutter Sonja. Den Andeutungen kann man entnehmen, dass sie mit einem Zuhälter zusammenlebt und im Bordell arbeitet. Aber Lena Tronina leiht dieser verzweifelten Situation ihr ganz offenes, verletzliches Gesicht, jenseits von allen Klischees. Andis erste Frau ist Carol Schuler, die Schweizer Schauspielerin kann von einer Sekunde auf die andere eine herzliche Atmosphäre verbreiten und dann ihre Kinder in Angst und Schrecken versetzen.

Konsequente Bildgestaltung

Barbara Ott setzt immer wieder kleine Details in Nahaufnahmen ein, um die Atmosphäre des Untergangs zu verdichten. Ein vertrocknetes Blatt hängt an einem kahlen Ast und zittert im Wind, ein Bild für diese fragile Existenz. Das helle Gesicht eines bissigen Kampfhundes bewacht den Schrottplatz, auf dem Andi aufgewachsen ist und steht für die Aggressivität der Umgebung. Und dann ganz nah die kleine Fiou, wie sie auf dem Asphalt kniet und mit den Fingern eine Pfütze erkundet. Das Wunder Mensch, das die Welt entdeckt. Kameramann Falko Lachmund greift nicht die Aktion auf, sondern das Gefühl der Geschichte mit den Farben von welkem Laub, Asphalt und Pfütze. Diese Nähe zur Realität erinnert ein wenig an den Erfolgsfilm des letzten Jahres "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt.

Es ist die Zusammenarbeit aller, die diesen Film so intensiv werden lässt. Einziger Wermutstropfen: "Kids Run" gehört eigentlich auf die Leinwand, jetzt ist dieser dichte Film bei "alleskino" zu sehen, einem Streaming-Portal, das sich auf deutsche Kinofilme spezialisiert hat.

Simone Reber, rbbKultur

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