Rosas Hochzeit © Natxo Martinez
Natxo Martinez
Bild: Natxo Martinez Download (mp3, 3 MB)

Arthouse-Komödie - "Rosas Hochzeit"

Bewertung:

Neben den vielen liegengebliebenen Blockbustern gibt es auch viele Arthouse-Filme, die jetzt wieder ins Kino drängen. Die Konkurrenz ist groß, die Auswahl entsprechend. Wem der Sinn mehr nach einer beschwingten südländischen Geschichte steht, könnte bei diesem spanischen Film gut aufgehoben sein.

Schon in den ersten Minuten wird einem ganz schwindelig. Allein davon, dass man Rosa in ihrem Alltag erlebt. Rosa, eine 45-jährige Frau, Kostümbildnerin beim Film, Mutter einer erwachsenen Tochter, Tochter ihres verwitweten Vaters, Schwester eines in Trennung lebenden Bruders und einer dem Alkohol zugeneigten Schwester. Für sie alle ist Rosa der Mittelpunkt. Weil: Rosa ist immer ansprechbar, hilft immer aus, Rosa ist für alle da.

Man möchte Rosa in den Arm nehmen

Man beneidet Rosa nicht: ständig muss sie sich zur Wehr setzen, Grenzüberschreitungen abwehren. Man möchte sie in den Arm nehmen, retten vor den Ansprüchen ihrer Familie und Freund*innen. Candela Peña, die nicht zum ersten Mal die Hauptrolle in einem Film der spanischen Regisseurin Icíar Bollaín übernimmt, spielt sie so zögerlich wie zurückhaltend, mit unübersehbarer Sympathie für ihre Figur.

Rosa fasst einen Plan

Der Film beginnt in dem Moment, in dem Rosa alles zu viel wird, sie die Flucht nach vorne antritt. Rosa verlässt Valencia und geht zurück in ihren Geburtsort am Meer, wo die alte Schneiderei ihrer verstorbenen Mutter leer steht. Hier, so beschließt sie, wird sie sich noch einmal neu erfinden. Damit einher geht, dass Rosa beschließt, "nein" zu sagen. "Nein" zu all denen, die immer schon alles auf ihr abgeladen haben, für die sie ganz selbstverständlich einfach da war. Immer. Und darüber vergaß, was sie selbst will.

Das soll sich nun ändern. Rosa fasst einen Plan: sie wird heiraten. Sich selbst. Mit dieser sehr ernst gemeinten und keineswegs nur symbolisch zu verstehenden Ankündigung hofft sie, nach außen ein Zeichen zu setzen. Und vor allem hofft sie auf das Verständnis ihrer Familie.

Keine reine Emanzipationsgeschichte

Mit viel Humor und Sinn für Zwischentöne geht es Icíar Bollaín mit "Rosas Hochzeit" in erster Linie um den Alltag südländischer Frauen, denen die Verantwortung für alles aufgebrummt wird, was zwei oder auch vier Beine hat. Und weil es vielen Frauen so geht, denken alle, es sei normal. Diese spanische Tragik-Komödie aber als reine Emanzipationsgeschichte zu lesen, greift zu kurz.

Denn die anderen - der Bruder, der Vater, die Freundin oder die Schwester: sie sind nicht einfach die Bösen. Nein, auch sie sind haltlos überfordert von ihrem Leben und jeder tritt auf seine Weise die Flucht nach vorne an.

Die Geschichte bleibt ohne echte Überraschungen, ohne große Unbekannte – dass sie trotzdem großen Spaß macht, liegt an der chaotisch-liebevollen Familiendynamik und vor allem auch an der Lust, mit der jeder einzelne der Schauspieler*innen sich hier hineinwirft. Neben Candela Peña ist das vor allem Sergi López als dickbäuchiger Bruder, der in seinem Übereifer, alles richtig zu machen, gar nicht mitbekommt, dass die anderen schon ganz woanders sind.

Unterm Strich: "Rosas Hochzeit" kann man sich sehr gut ansehen, vergnüglich und schwungvoll bekommen wir den Spiegel vorgehalten: mal kurz innehalten und darüber nachdenken, was man wirklich will? Vielleicht nicht die schlechteste Idee.

Christine Deggau, rbbKultur