The Movies; © Studio Hamburg Enterprises
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12-teilige Chronik des amerikanischen Kinos - "The Movies. Die Geschichte Hollywoods"

Bewertung:

Die Geschichte der Traumfabrik Hollywood in 12 mal 45 Minuten zu erzählen – das versucht die Serie "The Movies", die zunächst bei CNN zu sehen war und nun als DVD und Blu-ray auf den Markt kommt. Ein ehrgeiziges Unterfangen, meint unser Kritiker, bei dem man viel lernen kann, das einen mit einer Vielzahl an Informationen und Eindrücken manchmal aber auch erschlägt.

Die Geschichte des US-amerikanischen Kinos von ihren Anfängen bis in die Gegenwart – mit Ausschnitten aus über 500 Filmen, mit Kommentaren von Fachleuten und mit Interviews, bei denen Hollywood-Stars wie Steven Spielberg, Martin Scorsese, Robert De Niro und Julia Roberts zu Wort kommen. Das verspricht die Serie "The Movies. Die Geschichte Hollywoods", die der Schauspieler Tom Hanks für CNN produziert hat.

Im Schnelldurchlauf durch die US-Filmgeschichte

Im Schnelldurchlauf geht es dabei durch die US-amerikanische Filmgeschichte: Von der sogenannten Goldenen Ära Hollywoods in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts bis fast in die Gegenwart. (2019 ist die Serie produziert worden, das heißt, die allerneuesten Filme sind nicht mehr mit dabei).

Um in der Fülle der Filme nicht komplett den Überblick zu verlieren, haben die Macher der Serie einzelne Epochen zusammengefasst. Es gibt immer mal wieder kleine Exkurse, über "New Hollywood" beispielsweise, das Autorenkino der 70er Jahre, über Musicals oder über die Screwball- Comedy. Auch der Einfluss einzelner berühmter Regisseure oder bestimmter Schauspieler und Schauspielerinnen wird getrennt behandelt.

Vier Minuten für Orson Welles

Manche Filme werden einfach nur genannt und man sieht eine kurze Szene - während andere, die ganz besonders wichtig waren für die Filmgeschichte, eingehender analysiert werden. "Citizen Kane" etwa, der berühmte Debüt-Film von Orson Welles, in dem dieser 1941 das Leben des Medienmoguls William Randolph Hearst auf die Leinwand brachte, bekommt dann auch mal 3 oder 4 Minuten – und es kommen unterschiedliche Experten zu Wort, die ihre persönliche Sicht auf das Meisterwerk schildern.

Lerneffekt für Schauspielfans

Manchmal bleibt es bei einer Aneinanderreihung von talking heads, oft jedoch kann man auch etwas lernen, vor allem dann, wenn Filmausschnitte und Kommentare in Kombination gezeigt werden oder wenn ein bestimmter Schauspieler oder eine bestimmte Schauspielerin kurz hintereinander geschnitten in verschiedenen Filmen zu sehen ist. Die Konzentration auf die Filmhandlung entfällt, stattdessen kann man darstellerische Eigenheiten und Finessen der Regie besser würdigen.

Fokus auf den Mainstream

Der Fokus liegt dabei klar auf dem Mainstream: Während etwa von Steven Spielberg und Martin Scorsese praktisch jeder einzelne Film vorgestellt wird, fällt das amerikanische Independent-Kino bis auf wenige Ausnahmen unter den Tisch. Auch der Einfluss des europäischen und des asiatischen Kinos wird höchstens mal in einem Nebensatz erwähnt, obwohl Hollywood dem Einfluss ausländischer Filmemacher eine Menge zu verdanken hat.

Das größte Problem ist die Zeitknappheit

Das größte Problem von "The Movies" aber ist die Zeitknappheit: Geradezu atemlos wirkt das Tempo der Serie in den letzten Folgen. In dem Bemühen, auch wirklich keinen Blockbuster auszulassen, geht die Orientierung verloren und die Zuschauer*innen werden von der Vielfalt der Eindrücke und Informationen fast erschlagen.

Weniger wäre mehr gewesen

Wenn sich die Serie auf 100 (oder auch nur 50) exemplarische Filme konzentriert und diese dafür etwas eingehender analysiert hätte, wäre es vermutlich besser gewesen. Trotzdem ist es gut, hier mal ein umfassendes Kompendium der US-Filmgeschichte auf DVD zu haben.

Und einen Effekt hat die Serie auf jeden Fall: Am Ende bleibt man mit einem langen Zettel an Filmen zurück, die man unbedingt noch mal sehen möchte.

Die Serie "The Movies. Die Geschichte Hollywoods" ist beim Filmverlag Studio Hamburg Enterprises als DVD und Blu-ray erschienen.

Carsten Beyer, rbbKultur