Der Spion: Greville Wynne (Benedict Cumberbatch); © Liam Daniel / Telepool
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Spionagethriller - "Der Spion"

Bewertung:

Es ist eine wahre Geschichte, die der Film "Der Spion" von Dominic Cooke erzählt und sie stammt aus der Zeit des Kalten Krieges. Ein britischer Geschäftsmann wird vom MI 6 angeheuert, um die Informationen eines sowjetischen Geheimdienstlers über die Stationierung russischer Mittelstreckenraketen auf Kuba von Moskau nach London zu bringen. Der Kurier Greville Wynne wird von Benedict Cumberbatch gespielt, der georgische Schauspieler Merab Ninidze hat den Part des sowjetischen Agenten.

"Und wenn ich erwischt werde?" - "Werden Sie nicht." - "Das können Sie nicht wissen. Sie würden mich hinrichten, oder?" - "Nicht, wenn sie Sie für einen Kurier halten, der Päckchen annahm, ohne deren Inhalt zu kennen. Sie würden inhaftiert und dann irgendwann einmal ausgetauscht." - "Wie lange?" - "Ein paar Jahre." - "Oh, nur ein paar Jahre in einem russischen Gulag verrotten."

Die atomare Bedrohung im Kalten Krieg

Der Film "Der Spion" erinnert daran, dass die Politik der atomaren Abschreckung und die Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Kalten Krieg als extrem gefährlich empfunden wurde, auch wenn wir heute wissen, dass alles noch einmal gut gegangen ist. Aber vielleicht ist es auch deshalb nur noch einmal gut gegangen, weil Menschen wie der sowjetische Agent Oleg Penkowski die Gefahr so hoch eingeschätzt haben.

Penkowski traute Chruschtschow so wenig, dass er Kontakt zum britischen Geheimdienst MI 6 aufnahm. Um seine Informationen über die Stationierung russischer Raketen auf Kuba zu schicken – also in unmittelbarer Nähe zu den Vereinigten Staaten – suchte der MI 6 einen Kurier. Die Wahl fiel auf den britischen Geschäftsmann Greville Wynne, der Penkowskis Mikrofilme nach London bringen sollte. Und weil die Geschichte auf den Memoiren von Greville Wynne basiert, und weil wir wissen, dass sie tragisch ausgeht, ist sie wirklich ungewöhnlich spannend.

Zwei ungewöhnliche Schauspieler

Man kann in dem Film zwei verschiedene Methoden des Schauspiels studieren. Benedict Cumberbatch als der einfältige Greville Wynne zieht mit seinem schrägen Gesicht die Aufmerksamkeit ganz auf sich. Historisch ist nicht ganz klar, ob Wynne nicht eigentlich ein abgebrühter Agentenführer war, der den Einfaltspinsel nur spielte. Die Ambiguität wäre natürlich ein fantastischer Stoff für ein doppelbödiges Spiel, aber Benedict Cumberbatch verpasst diese Chance.

Der georgische Schauspieler Merab Ninidze als Oleg Penkowski geht umgekehrt vor. Seine ganze Aufmerksamkeit gilt den anderen, das gibt ihm die Möglichkeit in feinsten Nuancen zu spielen. Die Motive seiner Figur bleiben bis zum Ende undurchsichtig, vor allem angesichts der extremen Gefahr. Mit seiner großen Aufmerksamkeit erreicht Ninidze eine extreme Präsenz und Intensität. Dazu kommt, dass Merab Ninidze dieses altmodische Kinogesicht hat, und damit gut in das Genre des Spionagethrillers passt.

Komplexer als das klassische Genre

In seiner Ästhetik folgt der Film dem Genre. Das braun-graue Moskau, wo übellaunigen Hausmeisterinnen alles im Blick haben. In seiner Geschichte ist der Film deutlich komplexer als das Genre, aber doch noch übersichtlicher als die aktuelle Cyberwirklichkeit.

Schade ist, dass der Regisseur Dominic Cooke so wenig aus der letzten Begegnung zwischen den beiden Männer macht, die sich schätzen gelernt haben. Das Wiedersehen am Ende soll emotional aufgeladen sein. Es hat aber in dieser Inszenierung etwas Operettenhaftes, wenn die Gesichter kaum wahrnehmbar aus dem Dunkel hervortreten.

Spannend ist "Der Spion", wenn es um die historischen Umstände der atomaren Bedrohung geht. Bei der Entwicklung der beiden Figuren hätte sich das Drehbuch ruhig von der Darstellung Greville Wynnes entfernen können.

Simone Reber, rbbKultur