Zaya (Enerel Tumen, li) mit ihrer kleinen Tochter Altaa; Quelle: Talal Khoury
Talal Khoury
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Spielfilm - "Die Adern der Welt"

Bewertung:

Der Dokumentarfilm "Die Geschichte vom weinenden Kamel" der mongolischen Regisseurin Byambasuren Davaa wurde zu einem überraschenden Publikumsliebling und war sogar für den Oscar nominiert. Byambasuren Davaa hat an der renommierten Hochschule für Film und Fernsehen in München studiert und seither weitere Dokumentarfilme über das Leben der mongolischen Nomaden gedreht. Jetzt kommt ihr erster Spielfilm ins Kino: "Die Adern der Welt".

Im Mittelpunkt des Film steht der Junge Amra, der auf der einen Seite mit seinen Eltern in einer Jurte lebt und den Käse verkauft, den seine Mutter aus der Milch ihrer Ziegen herstellt. Auf der anderen Seite träumt Amra von einem Fernsehauftritt bei der Show "Mongolia’s got Talent" in der Hauptstadt Ulan Bator. Und Byambasuren Davaa beobachtet, wie sich mit der modernen Technik langsam das traditionelle Leben verändert.

Eine Nomaden-Familie und ihr Leben zwischen Tradition und Moderne

Amras Vater reitet nicht mehr, sondern fährt in einem selbstgebauten Auto. Aber das Lenkrad hat er mit Lederzügeln umwickelt und auf den Sitzen liegen Satteldecken. Bagger fressen sich durch das Weideland, denn internationale Konzerne schürfen nach Gold und die Minen senken den Grundwasserspiegel. Die Brunnen trocknen aus, die Tiere haben nicht genug zu trinken. Alle Nomaden stehen vor der Frage, ob sie auf das Angebot der Firmen eingehen sollen und ihre Landrechte für wenig Geld abgeben.

Amra (Bat-Ireedui Batmunkh, re) mit seinem Vater Erdene (Yalalt Namsrai, li); Quelle: Tarek Tabet
Bild: Tarek Tabet

Die Nomaden sind gespalten

Amras Vater wird zum Sprecher der Nomaden gewählt, die weit verstreuten Familien kommen zum Rat zusammen und bei der Besprechung wird klar, dass sie unterschiedliche Interessen haben. Amras Mutter will nicht aufgeben, aber es gibt auch Krisengewinnler in der Gemeinschaft. Einer schürft selbst illegal Gold. Da treffen die unterschiedlichen Meinungen aufeinander.

"Unser Land ist unsere Lebensgrundlage. Aber auch immer mehr von uns beuten unser Land aus. Wie kann das passieren. Dazu sage ich nur, bevor uns die Ausländer ausrauben, nehmen wir das Gold doch lieber selbst, oder nicht? Was nützt Dir aber das ganze Gold? Isst Du es, oder trinkst Du es? Es macht reich und deshalb sind die Menschen glücklich, wenn Sie es besitzen, so ist das.“

Byambasuren Davaa erzählt das ohne Pathos und Folklore, sondern mit aufrichtigem Ernst und würdiger Einfachheit, so dass man dieser Geschichte mit Anteilnahme und Respekt folgt, zumal die Bilder von der Weite der Steppe betörend sind.

Amra (Bat-Ireedui Batmunkh, li) mit seiner Mutter Zaya (Enerel Tumen, re) im Auto; Quelle: Talal Khoury
Bild: Talal Khoury

Amra wird erwachsen

Amra bewirbt sich für den Wettbewerb, der vergleichbar ist mit "Deutschland sucht den Superstar". Aber das Tragische ist: sein Vater holt ihn vom Vorsingen mit dem Auto ab, gerät in ein Baggerloch und verunglückt. Amra wird von Schuldgefühlen geplagt, muss den Tod des Vater verarbeiten und dessen Platz einnehmen. Nicht einfach, denn der Vater war unter den Nomaden eine Legende:

"Weißt Du eigentlich, wie er zu seinem Mercedes-Stern gekommen ist? Ein paar Touristen waren in der Gobi gestrandet. Ohne Wasser. Wenn Dein Vater nicht gewesen wäre, wären sie alle verdurstet. Diese Stadtmenschen haben doch keine Ahnung. Sie haben einen Benz gefahren. Dann haben sie den Stern von der Haube genommen und meinem Vater als Geschenk überreicht. Er war so verdammt stolz auf den Stern, er hat ihn gleich mal um den Hals seines Pferdes gehangen. Und ist immer mit seinem Benz-Pferd zur Schule geritten."

Byambasuren Davaa zeigt in ihren Filmen immer sehr erwachsene Kinder, die Verantwortung tragen. Amra versucht, seine Familie zu ernähren und leistet heimlich Widerstand gegen die Goldsucher.

Am Ende wird der Film doch zu einem Dokumentarfilm

Am Ende wird der Film "Die Adern der Welt" doch noch ein Dokumentarfilm. Da fliegt die Kamera über die Landschaft. Die grüne Steppe wird entlang der Flussufer lehmig braun und vom Tagebau zerstört. Kilometer über Kilometer haben sich die Bagger in die Erde gewühlt auf der Suche nach Gold. "Die Adern der Welt" sind in diesen Bildern nicht die Goldadern, sondern die Flüsse, die das Leben erst möglich machen und zu verschlammen drohen.

Simone Reber, rbbKultur

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