Gaza mon Amour © Alamode Film
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Drama - "Gaza mon Amour"

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Die zwischen Israel und Ägypten gelegenen und immer wieder umkämpften palästinensischen Autonomiegebiete im Gazastreifen werden seit 2007 rigide von der israelischen Hamas kontrolliert. Liebe, das ist vielleicht nicht das erste, was einem zum Leben im Kriegsgebiet einfallen würde. Aber genau darum ging es den palästinensischen Zwillingen Arab und Tarzan Nasser, die seit 2011 fern der Heimat im Exil in Paris leben. "Gaza mon Amour" ist ein Film über das ganz normale Leben ganz normaler Menschen im umkämpften Krisengebiet.

Die Idee zum Film entzündete sich an einer kleinen Zeitungsnachricht im britischen Guardian: 2014 hatte sich in den Netzen eines Fischers eine antike Apollostatue verfangen. Er nahm sie mit zu sich nach Hause, bis sie ihm von der Hamas wieder abgenommen wurde und verschwand.

Ein antike Apollostatue im Netz eines Fischers

Dieses kleine Ereignis hat das Zwillings-Regie-Duo Arab und Tarzan Nasser im Film zum Erweckungserlebnis für den etwa 60-jährigen Fischer Issa gemacht, der nie geheiratet hat. Seit längerer Zeit hat er aus der Ferne ein scheues Auge auf die verwitwete Näherin Siham (Hiam Abbass) gerichtet. Die Statue mit dem keck erigierten Penis verleiht ihm neuen Mut, der scheue, zurückhaltende Issa wagt einen Vorstoß: Könnte die Schneiderin nicht etwas für ihn flicken?

Ganz so leicht ist das im arabischen Raum allerdings nicht, denn eigentlich darf Siham nur Frauenkleider bearbeiten, doch für Issa macht sie eine Ausnahme. Als er das Werk dann abholt, stellt sich heraus, dass der Auftrag nur ein Vorwand war, denn die um 5 cm gekürzte Hose ist jetzt deutlich zu kurz: "Ist genauso, wie ich es mag", versichert der Kunde "nicht zu kurz, nicht zu lang. Ganz fantastisch!"

Alltag im Krisengebiet

Ganz normale Menschen mit ganz normalen Sorgen, Wünschen und Träumen an einem politisch aufgeladenen Ort. Davon erzählten die Zwillinge Arab und Tarzan Nasser schon in ihrem ersten Spielfilm "Dégradé". Da ging es um zwei Friseure und zehn Kundinnen unterschiedlicher Herkunft und Altersstufen, die sich über Männer, Sex und Ehe unterhalten, während draußen Straßenbanden von der Hamas bekämpft werden.

Auch in "Gaza mon Amour" läuft der Alltag im Hintergrund der Liebesgeschichte. Hüpfende Musik, und im Hintergrund Bombeneinschläge, das Tuckern eines Fischkutters, das Rasseln eines Mopeds. Ganz nebenbei erfährt man viel über die Lebensumstände im Krisengebiet, über Versorgungsengpässe und Stromausfälle, über Existenzangst und Grenzkontrollen und die sonstigen Schikanen der Hamas, die mit der Statue auch Issa aus seiner Wohnung abholt.

Eine Liebeserklärung an die ferne Heimat

So kommt die Bürokratie dem Liebeswerben in die Quere, doch die Liebe überstrahlt den Film mit sanft märchenhaftem Licht, ohne die Realität zu beschönigen. Mit feinem Humor wird die Absurdität des Lebens im Ausnahmezustand eher sanft umspielt als kämpferisch angeprangert. Und die wunderbare, längst auch international bekannte Hiam Abbass und der auf dem Festival in Antalya ausgezeichnete Salim Daw spielen diese Mischung aus linkischer Scheu und zarter Hoffnung auf eine späte Liebe ganz irdisch und gerade darum auf zauberhafte Art.

Kaum zu glauben, dass die 1988 in Gaza geborenen Zwillinge Arab und Tarzan, die eigentlich Ahmed und Mohamed Abu Nasser heißen, völlig ohne Kinoerlebnisse aufgewachsen sind und sich das Filmen autodidaktisch erschlossen haben. Auf den Festivals haben schon ihre Kurzfilme Aufmerksamkeit erregt und Preise gewonnen.

"Gaza mon Amour", der im letzten Jahr auf dem Festival in Venedig lief, ist auch eine Liebeserklärung an die Heimat, die das Regie-Duo verlassen musste. Gedreht wurde in Spanien und Jordanien.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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