Sommer 85; © Diaphana Distribution
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Coming-of-Age-Drama - "Sommer 85"

Bewertung:

Der französische Regisseur François Ozon ist bekannt als Vielarbeiter: 17 Spielfilme hat er in den letzten 20 Jahren gedreht. Nun, mit der Verfilmung des Romans "Dancing on my grave", hat er sich einen lange gehegten Traum erfüllt. Die Geschichte des britischen Schriftstellers Aidan Chambers erzählt von einem zugleich magischen und tragischen Sommer – und von einem jungen Mann, der die Liebe entdeckt.

Alexis (Félix Lefebvre) verbringt seine Tage am Strand des Badeortes Tréport in der Normandie. Der 16-Jährige hat gerade erst die Schule beendet und weiß nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Soll er sich einen Job suchen, wie es seine Eltern gerne sehen würden? Oder soll er dem Rat seines Französischlehrers (Melvil Poupaud) folgen, eine weiterführende Schule besuchen und vielleicht sogar Schriftsteller werden?

Eine stürmische Beziehung

Doch dann tritt David (Benjamin Voisin) in sein Leben. Der ist nicht nur zwei Jahre älter, sondern auch sehr viel selbstbewusster als Alexis. Nach dem Tod seines Vaters lebt David mit seiner Mutter (Valeria Bruni Tedeschi) in einer Villa am Ortsrand und arbeitet tagsüber im Sportgeschäft der Familie. Schon bei der ersten Begegnung der beiden jungen Männer ist klar, dass es eine stürmische Beziehung werden wird: Alexis kentert bei einem Unwetter mit seinem Segelboot und wird von David gerettet – und weil David grundsätzlich in seinem Leben keine Zeit verliert, beginnt er sofort mit der Verführung des naiven Jünglings.

Aus dem Liebestraum wird ein Albtraum

Dass der Film kein gutes Ende nehmen wird, macht uns François Ozon sehr schnell klar. Er erzählt die Geschichte dieses Sommers in Rückblenden, aus der Perspektive eines gereiften Alexis, der eine tiefe Krise durchschritten hat. Was diese Krise mit David zu tun hat, dass erfährt man aber erst nach und nach – in Rückblenden, die zeigen, wie aus dem sommerlichen Liebestraum ein Albtraum wird – mit tödlichen Folgen …

Tanz auf dem Grab

"Sommer 85" ist kein Film über Homosexualität, über die Schwierigkeiten des Coming Out oder die Stigmatisierung von Minderheiten in der Provinz. Hier geht es um die Liebe an sich – wie sie mit Macht über das Leben eines jungen Menschen hereinbricht und ihn für immer verändert.

Das Drehbuch des Films beruht auf dem Roman "Dancing on my grave" des britischen Schriftstellers Aidan Chambers. Das Buch hatte François Ozon mit 17 gelesen, in eben jenem Sommer ‘85, der nun zum Titel des Films geworden ist. Dabei hat sich François Ozon eng an die Romanvorlage gehalten, hat nur aus dem britischen Southend-on-Sea das französische Tréport gemacht, weil er hier das perfekte 80er Jahre-Flair vorfand.

Eine Mischung aus "La Boum" und "Swimming Pool"

"Sommer 85" reicht nicht an die größten Meisterwerke von François Ozon heran, ist aber doch ein gut gemachter, stellenweise dramatischer und stellenweise auch sehr romantischer Film mit zwei talentierten, unverbrauchten Hauptdarstellern – eine Mischung aus "La Boum" und "Swimming Pool". Ein sommerlicher Ausflug an eine der schönsten Küsten Europas mit einem Soundtrack, der einen direkt in die 80er Jahre führt - mit Musik von Rod Stewart, Lloyd Cole und The Cure.

Carsten Beyer, rbbKultur