Abseits des Lebens © Focus Features/Courtesy Everet
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Drama - "Abseits des Lebens"

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Am bekanntesten ist Robin Wright wohl für ihre Darstellung der skrupellos-ehrgeizigen Präsidentengattin in der Serie "House of Cards". Weitgehend unbemerkt hat sie sich dort seit 2014 schon als Regisseurin profiliert, insgesamt zehn Folgen der Serie hat sie über die Jahre inszeniert und genug Erfahrung für ihren ersten eigenen Film gesammelt, in dem sie auch gleich die Hauptrolle übernommen hat. Sie spielt eine Frau, die sich nach einem Schicksalsschlag in die abgeschiedenen Berge von Wyoming zurückzieht - ihre Form der Trauerbewältigung.

"Land", einfach nur "Land" heißt der Film im Original. Schon der Titel ist ein Zeichen, dass es hier um eine radikale Reduktion aufs Wesentliche geht. Schnell ist klar, dass Edee mit einem schweren Schicksalsschlag ringt. Auf die Frage was sie fühle, antwortet sie: "Dass es mir schwer fällt mit Menschen zusammen zu sein, weil sie alle wollen, dass es mir besser geht."

Radikale Reduktion auf das Wesentliche

Was genau geschehen ist, klärt sich erst nach und nach, ohne je zerredet oder erklärt zu werden. Stattdessen packt Edee Vorräte, Werkzeuge und Ratgeber in einen Anhänger und fährt von Chicago nach Wyoming, in die Berge und Wälder der Rocky Mountains, in das einsam gelegene Haus ihres wohl schon vor vielen Jahren verstorbenen Vaters. Das Handy hat sie schon in der Stadt in einen Mülleimer geworfen, den Typen, der ihr den Weg zur Hütte gezeigt hat, bittet sie, jemanden zu organisieren, der ihr Auto samt Anhänger abholt.

Ein Stadtmensch auf dem Land: Schon beim Holzhacken hat Edee Probleme. Bald darauf überfällt ein Bär die Hütte und vernichtet einen Großteil der Vorräte. Und dann bricht der Winter herein.

Robinsonaden auch für Frauen

In den letzten Jahren häufen sich die Filme über kathartische Erfahrungen in der Wildnis, ein Zeichen der Sehnsucht nach unmittelbarem Kontakt mit der Natur als Ausgleich zum überzivilisierten Leben in den Städten. Radikale Zivilisationsflucht und profunde Selbstfindung greifen dabei ineinander. Meist sind es Männer, die sich im Überlebenskampf in wilden Landschaften erproben, so wie "Into the Wild" oder "The Revenant" mit Leonardo DiCaprio.

Frauen bleiben in diesem Genre eine Seltenheit, aber es gibt sie, zum Beispiel Reese Witherspoon, die in "Wild - der große Trip" ohne nennenswerte Erfahrung den unwegsamen Pacific Crest Trail erwandert.

Wie für sie ist die extreme Naturerfahrung auch für Edee eine Methode der Trauerbewältigung, eine Art Tabula Rasa, als Versuch, sich aus dem eigenen Leben zu löschen, mit dem einkalkulierten Risiko zu sterben.

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Die Wildnis wandelt sich vom Gegner zum Gefährten

Die Natur im Wandel der Jahreszeiten und Witterungsverhältnisse übernimmt dabei eine weitere Hauptrolle. In den langen, ruhigen Blicken der Kamera von Bobby Bukowski wandelt sich die Landschaft vom Gegner und zum Gefährten. Unterstützung bekommt Edee dabei von einem einsamen Jäger, der sie zuerst knapp vor dem Kältetod rettet und ihr dann ein paar Überlebenstechniken beibringt: Fallen stellen, jagen, einen Hirsch häuten.

"Wäre es möglich, mir nichts vom Leben da draußen zu berichten?", bittet Edee.

Wie in den sonst männlich dominierten Robinsonaden muss auch Edee lernen, jenseits der Zivilisation in der Natur zu leben. Obwohl sich der Film einer erlösenden Romanze verweigert, entstehen zwischen ihr und dem einsamen Jäger zarte Bande des gegenseitigen Verständnisses.

Selbstwiederfindungs-Abenteuer

Eigentlich hatte Robin Wright nicht vor, in ihrem Spielfilmregiedebüt auch die Hauptrolle zu übernehmen. Doch dann drängte die Zeit, weil im Herbst gedreht werden musste, vor dem großen Kälteeinbruch des Winters. Um zu verhindern, dass das Projekt auf unbestimmte Zeit verschoben wird, musste sie selber einspringen.

In Robin Wrights ruhigem, konzentrierten Spiel liegt viel von der Kraft dieses existenziellen Selbstwiederfindungs-Abenteuers, das mehr als sonst zur gelebten Rolle wurde. Denn für die Zeit des Drehs lebte das relativ kleine Team an den Drehorten in den kanadischen Wäldern, fern der Zivilisation in einem Wohnwagen-Camp, nahezu unter denselben Bedingungen wie Edee. Auch das trägt zur stillen Intensität dieses Films bei.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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