Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull © 2021 Bavaria Filmproduktion GmbH / Marco Nagel
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Komödie nach der Romanvorlage von Thomas Mann - "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"

Bewertung:

Er ist einer der charmantesten Hochstapler der Literaturgeschichte: Felix Krull, der Held aus Thomas Manns gleichnamigen Schelmen-Roman von 1954. Krulls "Bekenntnisse" sind bereits zwei Mal verfilmt worden. Nun hat sich auch Detlev Buck an den Stoff gewagt. Seine Version des "Felix Krull" mit Jannis Niewöhner und David Kross in den Hauptrollen bleibt allerdings zu sehr an der Oberfläche der Geschichte. Da helfen weder die opulente Ausstattung noch die dramaturgischen Kniffe von Drehbuchautor Daniel Kehlmann.

Paris, zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der reiche Marquis Louis de Venosta (David Kross) ist über beide Ohren in die Prostituierte Zaza (Liv Lisa Fries) verliebt. Dem Vater des Marquis jedoch passt diese Verbindung ganz und gar nicht: Er droht mit Enterbung und verlangt von seinem Filius den Antritt einer Weltreise in wenigen Tagen. Was also tun? Rettung naht in Person des Emporkömmlings Felix Krull (Jannis Niewöhner), der im Hotel des Marquis als Hotelkellner beschäftigt ist. Was der Marquis allerdings nicht weiß: Felix Krull und Zaza haben ebenfalls eine gemeinsame Geschichte …

Keine ganz einfach Aufgabe

Detlev Buck hat im Laufe seiner langen Karriere mit Komödien und Kinderfilmen große Erfolge gefeiert: Filme wie "Wir können auch anders", "Hände weg von Mississippi" oder zuletzt die "Bibi und Tina"-Reihe wurden von Publikum und Kritik gleichermaßen geschätzt. Dass Buck sich nun – unterstützt von Daniel Kehlmann – an einen Thomas Mann-Roman heranwagt, überrascht allerdings ein wenig. Denn die komplexe, manchmal etwas hochgestochene Sprache des Nobelpreisträgers auf einen zweistündigen Kinofilm herunter zu brechen, ist keine ganz einfache Aufgabe.

Das Grundgerüst bleibt erhalten

Thomas Mann erzählt in "Felix Krull" die Geschichte eines jungen Mannes, der nicht durch Tüchtigkeit und Tugend in der Welt vorankommt, sondern durch Täuschung und Schauspielerei. Er parodiert also den klassischen Bildungsroman, der die Ideale der bürgerlichen Gesellschaft verherrlicht.

Dieses Grundgerüst ist auch im Film erhalten. Detlev Buck und Daniel Kehlmann haben sich allerdings auf einen ganz bestimmten Ausschnitt des Romans konzentriert: Auf die Zeit in Paris, in der Felix Krull als Lift-Boy und Kellner in einem Luxus-Hotel arbeitet.

Schräge Charaktere im Luxus-Hotel

Wir lernen eine Menge schräger Charaktere kennen: Madame Houpflé (Maria Furtwängler) etwa, die liebestolle Gattin eines Kloschüssel-Fabrikanten, die sich bei Felix nicht nur Getränke aufs Zimmer bestellt, sondern ihn gleich mit dazu. Oder den schwulen Lord Kilmarnock (Anian Zollner), der es ebenfalls auf Felix abgesehen hat und der ihn gerne als Kammerdiener auf sein Schloss mitnehmen möchte. In dieser Figur hat sich Thomas Mann einst selbst parodiert.

Doch was in der Romanvorlage noch als Charakterstudie gedacht war, gerät bei Buck mitunter zum Klamauk. Manche Szenen seines Films erinnern eher an Louis de Funès als an Thomas Mann.

Eine Leere im Zentrum

Die "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" sind bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzt: Dominique Horwitz, Maria Furtwängler, Joachim Król, Martin Wuttke und Christian Friedel – sie alle dürfen brillieren. Auch Detlev Buck taucht – wie in den meisten seiner Filme – in einer kleinen Cameo-Rolle auf. Die Ausstattung ist opulent, die Kameraarbeit von Marc Achenbach großartig und auch der Soundtrack von Helmut Zerlett gut gewählt.

All das aber kann von einer gewissen Leere im Zentrum der Geschichte nicht ablenken.

Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull © 2021 Bavaria Filmproduktion GmbH / Marco Nagel
Bild: 2021 Bavaria Filmproduktion GmbH / Marco Nagel

Drei blasse Hauptfiguren

Denn gerade die Hauptfiguren bleiben farblos: Jannis Niewöhner sieht als charmanter Hochstapler zwar wie immer blendend aus und kann sehr schön lächeln. Krulls Abgründe jedoch, seine Schattenseiten, der Grund für seine Hochstaplerei, all das bleibt dem Zuschauer weitestgehend verborgen. Es gibt zwar immer wieder Rückblenden in seine Jugend, doch sind viel zu schnell und oberflächlich für einen tiefgründigen Roman.

Ähnlich ergeht es David Kross, der als Marquis de Venosta mit aufgeklebtem Schnurrbart reichlich gockelhaft durch die Szenerie spaziert und "Babylon Berlin"-Star Liv Lisa Fries als Zaza, die zwar im Vergleich zum Roman eine ungleich wichtigere Rolle bekommen hat, diese aber nie so recht mit Leben füllen kann.

Harmlose Komödie

Am Ende bleibt eine nette, aber weitgehend harmlose Komödie mit ein paar schauspielerischen Glanzpunkten am Rande. Wer eine wirklich gelungene Literaturverfilmung sehen will, die ihre Relevanz für die Gegenwart nicht nur aus prominenten Namen und üppigen Kostümen bezieht, ist mit Dominik Grafs "Fabian oder Der Gang vor die Hunde" deutlich besser beraten.

Carsten Beyer, rbbKultur

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