Promising young woman | Carey Mulligan als Cassandra und Bo Burnham als Ryan © dpa/Focus Features/ Merie Weismiller Wallace
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Thriller - "Promising Young Woman"

Bewertung:

Eine rabenschwarze Komödie hat die britische Schauspielerin Emerald Fennell mit ihrem Regiedebüt "Promising Young Woman" vorgelegt. Carey Mulligan spielt die Hauptrolle in diesem satirischen Rachethriller, der letztes Jahr auf dem Sundance Festival gefeiert wurde.

Möglicherweise kennen Sie Emerald Fennell aus "The Crown". In der Netflix-Kultserie um die familiären und politischen Turbulenzen in der langen Regentschaft von Königin Elizabeth II, spielte sie Camilla Parker Bowles, die zweite Frau von Prinz Charles. Vor ein paar Jahren hat die Schauspielerin angefangen, auch Drehbücher zu schreiben, unter anderem war sie Showrunnerin der Serie "Killing Eve" über eine soziopathische Auftragskillerin. Und für das Drehbuch zu ihrem Regiedebüt "Promising Young Woman", einer #metoo-Satire wurde sie im April mit dem Oscar ausgezeichnet. Jetzt kommt der Film endlich in unsere Kinos.

Honigfalle mit Twist

Cassandra war mal eine junge, attraktive Medizinstudentin mit einer vielversprechenden Zukunft. Doch mit etwa dreißig Jahren lebt sie heute wieder bei ihren Eltern und langweilt sich im anspruchslosen Job im Coffee-Shop. Was genau sie so nachhaltig aus der Bahn geworfen hat, belässt Emerald Fennell lange im Vagen. Stattdessen zeigt sie einen Racheengel in Aktion: Jede Woche geht Cassandra in immer neuen Verkleidungen, mal als braves Office Girl, mal als aufreizende Blondine in einen Club und vermittelt den Eindruck besinnungslos betrunken zu sein. Nie dauert es lange, bis sie die Aufmerksamkeit der umstehenden Männer auf sich zieht. Immer lässt sie sich scheinbar willenlos von einem scheinbar hilfreichen Mann abschleppen. Wenn sie dann mehrmals schläfrig lallend darum gebeten hat, er möge aufhören, erwartet den Mann eine herbe Überraschung, ihr gerade noch so schlaff erscheinender Körper spannt sich wie eine Bogensehne: "Hey! Ich sagte, was tust du da?" sagt sie mit schneidender Stimme.

Vom Opfer zur Täterin, aber mit weiblichen Waffen

Virtuos spielt Emerald Fennell mit den Motiven des Rape and Revenge-Genres, in dem eine vergewaltigte Frau den Spieß umdreht, sich vom Opfer zur Täterin wandelt, in der Regel mit brachialer Waffengewalt. In "Promising young Woman" dagegen kommen genuin weibliche Waffen zum Einsatz: Verführung, Verkleidung und Manipulation. Es ist, als würde Cassandra stellvertretend für alle Frauen handeln, mal mit blonden, mal mit braunen, mal mit schwarzen oder sogar knallbunten Haaren. Damit wird Cassandra zur Paraderolle für Carey Mulligan, die quasi auf widersprüchliche Gefühle spezialisiert ist und schon in vielen Filmen gezeigt hat, dass man sie besser nicht unterschätzen sollte. In einem Moment tritt sie als lieblich schmeichelndes Mädchen auf, nur um im nächsten mit einem Wimpernschlag als selbstbewusste Kämpferin in Angriffsstellung zu gehen.

Ein schauspielerisches Ereignis: Carey Mulligan

So wandelbar wie ihre Hauptdarstellerin ist auch der ganze Film von Emerald Fennell, mal ist er eine beschwingt romantische Screwball Komödie, mal eine bissige Me-Too Satire, dann wieder ein böser Rachethriller mit perfidem Twist. Mit großer Lust an Ausstattung und Kostüm wechselt er Stil und Tonfall, ist mal schillernd bonbonbunt und dann wieder sachlich düster und ernst, so wie auch die Musik mal schläfrig verführerisch, und mal enervierend unangenehm ist. Auf so vergnügliche wie scharfzüngige Weise hält der Film der Gesellschaft den Spiegel vor. Denn die Regisseurin begnügt sich nicht damit, nur den Prototyp des übergriffigen Machomannes aufs Korn zu nehmen. Vor allem stellt sie die Frauen zur Rede, die die Übergriffe der Männer ermöglichen.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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