Quo Vadis, Aida © picture alliance / ASSOCIATED PRESS
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Drama - "Quo Vadis, Aida?"

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Vor 21 Jahren, im Juli 1995, fand während des Krieges im damals zerfallenden Jugoslawien ein grausames Massaker statt. In dem kleinen Ort Srebrenica tötete die Serbische Miliz über 8.000 muslimische Männer. Bis heute gilt dieses Verbrechen als eines der schwersten in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Die bosnische Regisseurin Jasmila Žbanić erzählt in ihrem neuen Film - übrigens der erste Spielfilm, der sich mit diesem Genozid auseinandersetzt, von diesen Tagen in Srebrenica - ein Kapitel europäischer Geschichte, das noch lange nicht aufgearbeitet ist.

Erst im Juni dieses Jahres wurde der Militärchef, Ratko Mladić, definitiv zu lebenslanger Haft verurteilt. Gerade erst wurde das Leugnen des Genozids in Srebrenica unter Strafe gestellt. Eine Motivation für Jasmila Žbanić diesen Film zu machen war, dass sie das Gefühl hat, Europa habe gar nicht mitbekommen hat, was damals in Bosnien passiert ist.

Aida ahnt, dass die Befehle, die sie übersetzen muss, die falschen sind

So erzählt sie in "Quo Vadis, Aida?" von diesen Tagen im Juli 1995 aus der Perspektive einer Frau: Aida, Mitte 50, von Beruf Englischlehrerin, arbeitet jetzt im Krieg als Übersetzerin für die Holländer. Srebrenica ist da schon seit zwei Jahren UN-Schutzzone. Aida übersetzt alles, auch Gespräche zwischen dem holländischen UN-Kommandeur Thom Karremans und dem serbischen Militärchef Mladić.

Sie ahnt, dass die Befehle, die sie übersetzen muss, die falschen sind, begreift, dass die Lügen von Mladić von den Blauhelmen nicht als Lügen verstanden werden. So sagt Mladić, für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr, um kurz darauf 8.732 Männer vor den Augen der UN-Soldaten abzuführen und zu ermorden.

"I am only the pianoplayer"

Jasmila Žbanić schildert die realen Geschehnisse und personalisiert sie, in dem sie die Geschichte der Übersetzerin Aida und ihrer Familie schildert. Grundlage sind ihr unter anderem die Gespräche zwischen Mladić und der UN, die aufgezeichnet wurden. Legendär ist Karremans Satz "I am only the pianoplayer". Was so viel heißt wie: Ich befolge nur meine Anweisungen.

Auch diesen Satz zitiert die Regisseurin.

Im völlig unsentimentalen Spiel von Jasna Ðuriči lieben der Schmerz und die Hoffnung

Aida ist als Frau alleine in einer Männerwelt, als Übersetzerin ist sie privilegiert, ist in Sicherheit, ihr wird man nichts tun. Doch ist Aida krank vor Angst um ihre Familie. Sie zu retten, die größte Herausforderung. Es gibt diesen Moment, in dem sie vor die Tore der UN-Schutzhalle tritt, um ihre Söhne und ihren Mann zu finden. Ein gigantischer überwältigender Anblick tut sich da auf: über 20.000 Menschen haben sich versammelt. Alle suchen Zuflucht.

Gespielt wird Aida, diese Kämpferin, von der serbischen Schauspielerin Jasna Ðuriči. Sie leistet Unglaubliches. In ihrem völlig unsentimentalen Spiel liegen der Schmerz und die Hoffnung, hier spiegelt sich der ganze grausame Konflikt.

Ein Film, der schwer zu ertragen, aber unbedingt notwendig ist

Die Gräueltaten selbst zeigt die Regisseurin nicht, sie überlässt sie unserer Phantasie. Was es nicht einfacher macht. Sie, die den Krieg überlebt hat, findet große Bilder für den Schrecken und auch für die Liebe, die sich in ganz kleinen Gesten und Blicken zeigt.

"Quo Vadis, Aida?" ist ein Film wider das Vergessen, ein Film, der wütend macht, schwer zu ertragen ist und dabei doch so unbedingt notwendig.

Christine Deggau, rbbKultur

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