The Father mit Olivia Colman (Anne) und Anthony Hopkins (Anthony); © Tobis
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Drama - "The Father"

Bewertung:

Immer wieder finden Theaterstücke auch den Weg auf die große Leinwand. Wie jetzt das Filmdebüt von Florian Zeller, das bei den diesjährigen Oscars der gefeierte Sieger war: "The Father". Mit dem großartigen Sir Anthony Hopkins in der Hauptrolle, für den es nach dem "Schweigen der Lämmer" 1992 der zweite Oscar war.

Was für ein Titel: "The Father". Der Vater. Da rührt sich in jedem etwas. Umso mehr noch, wenn man das Thema des Films hört: Demenz. Der demente Vater. Darum geht es in diesem preisgekrönten Drama, eigentlich ein Theaterstück, jetzt auch ein Film. Der französische Autor selbst hat Regie geführt: Florian Zeller: Literaturprofessor und einer der meistgespielten Dramatiker unserer Zeit. So gesehen kein Wunder, dass er die besten der besten Schauspieler für sein Debüt als Regisseur hat gewinnen können. In der Rolle des Vaters: Anthony Hopkins, seine Tochter Anne spielt Olivia Colman.

Ein Kunstgriff in der Erzählperspektive sorgt für Irritationen

Zu Beginn glauben wir noch, dass hier vielleicht ein Missverständnis vorliegt: der alte Mann, der abgeschoben werden soll, ein bisschen schusselig vielleicht, aber doch besonders, liebenswert, charmant.

Es gehört zu den Finessen dieses Films, dass er seine Zuschauer aufs Glatteis führt. Und das mit einem schlichten Kunstgriff: Zeller erzählt die Geschichte aus der Perspektive des dementen Vaters. Das führt zunächst zu großen Irritationen, man versteht nicht, denkt, man habe etwas nicht mitbekommen.

Zum Beispiel, wenn Anne auf einmal nicht mehr von Olivia Colman gespielt, wird, sondern die Schauspielerin Olivia Williams den Raum betritt – eine in diesem Moment für uns und auch für den Vater völlig fremde Person. Fremd ist auch der Mann, der auf einmal in Anthonys Wohnung sitzt.

Wir sehen einem Mann zu, wie er "all seine Blätter verliert", wie er selbst einmal sagt. Wie er sich auflöst, sein Ich verliert.

Ein Kammerspiel wird zum Thriller

Mit ihm sind auch wir Zuschauende orientierungslos und auf uns gestellt. Die Zusammenhänge fehlen. Zeller spielt bewusst damit, beschreibt seinen Film als "Puzzle", das es zusammenzusetzen gilt, ohne dass er Hilfestellung anbietet. Und es fühlt sich schrecklich an - doch bekommen wir eine leise Ahnung von dem, was Menschen, die an Demenz erkranken, erleiden müssen. So wird dieses Kammerspiel zum Thriller: fremde Menschen in der Wohnung, die Armbanduhr verschwindet immer wieder, Möbel stehen nicht mehr an ihrem Platz, Bilder an der Wand fehlen. Und immer wieder schlagen Türen zu, eine nach der anderen.

Große Schauspielkunst

Anthony Hopkins spielt diesen Mann, der in den wenigen hellen Momenten erkennt, dass sich nicht die Welt gegen ihn verschworen hat, sondern dass er krank ist, mit großer Würde und unvergleichlichem Charme. Auch seine Tochter - großartig gespielt von Olivia Colman -, die er immer wieder demütigt, sie als "nicht helle" bezeichnet, mit der er nie warm geworden sei, verzeiht ihm. Muss ihm verzeihen: ist es doch die Krankheit und nicht ihr Vater, der da spricht.

Es ist bewundernswert, mit welcher Leichtigkeit Anthony Hopkins mit seinen 83 Jahren in die Rolle des Demenzkranken schlüpft: Von einer Sekunde auf die andere umswitcht: von großer Verlorenheit zu dem jovial berechnenden Grandseigneur.

Wenn er pfeifend in der Küche steht und auf einmal nicht mehr weiß, wohin mit den Einkaufstüten. Wenn er einfach nicht mehr weiß, wie er seinen Pullover anziehen soll. Wenn er sich immer mehr verliert und nach seiner Mutter ruft. Das ist große Schauspielkunst, die zu Tränen rührt. In einem Film, der die tückische Krankheit Demenz in ihrer ganzen Dimension greifbar macht.

Teil einer Trilogie

"The Father" ist Teil einer Trilogie, die Zeller schon vor Jahren konzipiert und auf die Bühne gebracht hat. Den zweiten Teil "The Son" hat der Regisseur gerade in Angriff genommen. Laura Dern und Hugh Jackman spielen die Hauptrollen. Wie sehr Zellers Geschichten die Kamera suchen, zeigt "The Father". Jede Großaufnahme erzählt eine eigene Geschichte, die man nur ahnen kann.

Christine Deggau, rbbKultur

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