"Dune": TIMOTHÉE CHALAMET as Paul Atreides and REBECCA FERGUSON as Lady Jessica Atreides © Warner Bros. Entertainment Inc.
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Science Fiction-Abenteuer - "Dune"

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David Lean sollte es tun, Ridley Scott fing an und sprang wieder ab, Alejandro Jodorowsky plante jahrelang, drehte aber nie, David Lynch tat es – und landete in den Achtzigerjahren einen gewaltigen Flop. Jetzt hat sich der Franco-Kanadier Denis Villeneuve noch einmal an die Verfilmung von Frank Herberts Kultroman "Dune" herangewagt. Nach einem Jahr Corona-Verzögerung kommt der Film jetzt endlich in unsere Kinos.

Im Kern ist "Dune" ein Shakespeare’sches Königsdrama und eine Erlöser-Geschichte. In der fernen Zukunft des Jahres 10.191 herrscht ein despotischer Imperator über die Galaxie, Planeten werden von Fürstenhäusern verwaltet. Zwei von ihnen, die Atreides und die Harkonnen, kämpfen um die Vorherrschaft auf dem Wüstenplaneten Dune und damit um die Macht über den wichtigen Rohstoff Spice, eine bewusstseinserweiternde Droge, die unter anderem den intergalaktischen Verkehr ermöglicht und nur an diesem unwirtlichen, heißen und trockenen Ort vorkommt.

Messias in der Galaxis

Nachdem die Harkonnen den Anführer der Atreides ermordet haben, soll dessen Sohn Paul (Timothée Chalamet) den Aufstand der Fremen anführen, der nomadischen Ureinwohner des titelgebenden Wüstenplaneten. Frank Herbert lässt diese Erzählung über sechs Romane wuchern und hat sie schon in den Sechziger Jahren außerordentlich visionär mit Themen angereichert, die heute brandaktuell sind: Flucht und Vertreibung, die Ausbeutung der Natur und Religionskriege.

Kulminationspunkt einer Karriere

Für Denis Villeneuve ist die Verfilmung von "Dune" die Erfüllung eines Lebenstraums: Schon als Teenager war er fasziniert von den Romanen über das Coming of Age eines Jungen, der zu früh erwachsen werden und sich in einer fremden, feindlichen Welt zurechtfinden muss. Schon mit 13 oder 14 hat er zusammen mit einem Freund die ersten Storyboards für eine Verfilmung gezeichnet. Dazu kommt seine große Leidenschaft für die Wüste und dafür, wie Landschaften die Seele der Menschen berühren und prägen.

Von den kleinen, versponnenen Autorenfilmen in Kanada über den ersten Wüstenfilm "Die Frau, die singt" und den Drogenkrieg in "Sicario" bis hin zu den beiden Hollywood-Science Fiction-Filmen "Arrival" und "Blade Runner 2049" läuft eine logische Entwicklungslinie bis zu "Dune", in dem alle Fäden von Villeneuves Werk zusammenlaufen.

"Dune": TIMOTHÉE CHALAMET as Paul Atreides © Courtesy of Warner Bros. Picture
Bild: Courtesy of Warner Bros. Pictures

"Star Wars" für Erwachsene

Wie "Arrival", in dem die Ankunft der Aliens eher philosophische und linguistische Fragen aufwarf als kriegerische, setzt auch "Dune" in starkem Maße auf die ruhigeren, introspektiveren Momente. Statt mit atemloser Action zu überrumpeln, versetzt er die Zuschauer*innen ins Staunen über die atemraubende Schönheit und faszinierende Abgründigkeit der Welt, die sich vor ihm ausbreitet:

Angefangen mit den grandiosen Wüstenlandschaften, die im berühmten Wadi Rum in Jordanien gedreht wurden über die imposanten Architekturen, die kühle Eleganz des Fürstensitzes Atreides, die düsteren Katakomben der Imperatoren-Residenz, die gigantomane Förderfabrik für das Spice bis hin zu den wundersamen Maschinen und Geräten, den Thoptern, die wie eine Kreuzung aus Helikopter und Libelle wirken oder den Spice-Erntemaschinen, die wie gigantische metallische Käfer aussehen.

Dazu gibt es irrwitzige Kreaturen, allen voran der gigantische Sandwurm, mit seinem riesigen Schlund, der wie eine Turbine aussieht, die mit langen Reihen spitzer Zähne gefüllt ist.

Der ganze Film ist ein audiovisuelles Fest, zu dem alle Departments ihr Bestes beisteuern. Das gilt auch für die Kostüme, zu denen die von den Fremen entwickelten Stillsuits gehören, die alle Körperflüssigkeiten recyceln, um ein Leben in dieser glühenden Wüste zu ermöglichen, die strengen brokatgesäumten Gewänder des Frauenordens Bene Gesserit oder der bizarre Ballonanzug des Baron Harkonnen.

Verwoben sind all diese Eindrücke durch den Soundtrack von Hans Zimmer. Statt die Handlung vor sich herzutreiben, arbeitet er hier stärker als sonst mit Geräuschen und Stimmungen und den Klängen arabischer Kulturen.

"Dune": JOSH BROLIN as Gurney Halleck and TIMOTHÉE CHALAMET as Paul Atreides © Chiabella James/Warner Bros. Entertainment Inc
Bild: Chiabella James/Warner Bros. Entertainment Inc

Schauspieler als Spezialeffekt

Dabei ist "Dune" mehr als nur schöne Oberfläche. Im Innern zusammengehalten wird der Film durch eine beeindruckende Riege charismatischer Darsteller*innen aus aller Herren Ländern - unter anderem dabei: Timothée Chalamet, Oscar Isaac, Josh Brolin, Rebecca Ferguson, Javier Bardem, Charlotte Rampling, Dave Bautista, Stellan Skarsgård und und und …

Die Schauspieler*innen sind der wahre Spezialeffekt des Films, allen voran Timothée Chalamet, der als "alte Seele in einem jungen Körper" mit seiner messianischen Rolle hadert. Villeneuve bereitet ihnen allen einen Raum, in dem sie sich entfalten können - im übertragenen Sinne, aber auch ganz konkret, indem er die Sets zum größten Teil wirklich gebaut hat, statt sie nur abstrakt vor Greenscreens agieren zu lassen.

Bleibt nur zu hoffen, dass "Dune" in den Kinos den Erfolg hat, den er verdient, damit Denis Villeneuve die Geschichte in einem bereits geplanten zweiten Teil weiterschreiben kann.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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