James Bond: No Time To Die © 2021 DANJAQ, LLC AND MGM. ALL RIGHTS RESERVED.
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Der 25. "James Bond"-Film - "Keine Zeit zu sterben"

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"Bond. James Bond": Noch nie mussten die Fans so lange auf das nächste Abenteuer warten. Dreimal wurde der Start des 25. Bond-Films pandemiebedingt verschoben, jetzt kommt "Keine Zeit zu sterben" endlich in die deutschen Kinos. Unter der Regie des Amerikaners Cary Fukunaga tritt Daniel Craig zum fünften und letzten Mal an – als Agent 007 mit der Lizenz zum Töten.

Die Erwartungen sind groß. Nachdem das Franchise mit Daniel Craig als James Bond sehr furios und schlüssig in die komplizierte Welt der Gegenwart geholt und zeitgemäß mit menschlichen Abgründen versehen wurde, schließt sich nun zum allerersten Mal in der Geschichte des berühmten Agenten ein inhaltlicher Bogen zwischen den fünf Filmen, in denen er von Daniel Craig verkörpert wurde – mit alten Bekannten wie dem Bösewicht Blofeld und der Verbrecherorganisation Spectre.

Echte Gefühle

Spektakuläre Verfolgungsjagden und grandiose Landschaften in aller Welt werden in einen Erzählbogen eingebunden, in dem der Held eine Entwicklung durchmacht. Statt der legendären One-Night-Stands, darf Bond zum ersten Mal eine echte Liebesgeschichte – zu Madeleine Swann (Léa Seydoux) – vom letzten in diesen Film mitnehmen. Das ist nicht unkompliziert, denn auch diese Liebesgeschichte wird von Verrat und Geheimnissen vergiftet.

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Gott spielen

Wie immer bei Bond, ist nicht weniger als die ganze Welt vom Untergang bedroht. Zu viel sollte man da nicht verraten, aber James Bond hat seine Lizenz zum Töten im Auftrag des britischen Geheimdienstes abgegeben. Er genießt den luxuriösen Ruhestand auf Jamaica, unternimmt einen romantischen Liebestrip ans Mittelmeer, in die idyllischen Felsensiedlungen von Matera.

Doch lange währt das Glück nicht: Aus heiterem Himmel wird Bond in der italienischen Altstadt von einem Schwarm Bösewichten angegriffen. Es kommt zur ersten von mehreren furios inszenierten Verfolgungsjagden, in der nicht nur Bond physisch durch die Mangel genommen, sondern auch der wunderschöne silberne Aston Martin geschrottet wird. Und dann bittet Bonds CIA-Kollege und Fastbruder Felix Leiter (Jeffrey Wright) um Unterstützung.

Der britische MI6 hat eine aus Nanobots bestehende biochemische Waffe entwickelt, die ganz gezielt genetisch auf einzelne Gegner zugeschnitten wird. Kollateralschäden sollten minimiert werden, doch in den Händen des Superschurken Lyutsifer Safin (Rami Malek) wird sie zur Massenvernichtungswaffe.

Das größte Problem aber ist, dass Gut und Böse in der komplizierten, modernen Welt nicht mehr so sauber getrennt sind wie einst in den Zeiten des Kalten Krieges, sondern undurchsichtig ineinander verwoben:

"Ich könnte mit meinem eigenen Spiegelbild sprechen", sagt Lyutsifer Safin zu Bond. "Nur sterben deine Fähigkeiten mit deinem Körper. Meine überleben noch lange, nachdem ich gestorben bin."

"Die Geschichte hat kein Nachsehen mit Männern, die Gott spielen", kontert 007 finster.

Wilder Balanceakt

"Keine Zeit zu sterben" ist der erste James Bond-Film, der – nach künstlerischen Differenzen mit Danny Boyle – von einem Amerikaner inszeniert wurde. Cary Fukunaga steht in einer Reihe mit Regisseuren wie Sam Mendes und Marc Forster, die eine eigenständige erzählerische Vision ins langlebigste Franchise der Filmgeschichte brachten. Schon im Flüchtlingsdrama "Sin Nombre", in der Charlotte Brontë-Verfilmung "Jane Eyre" und in der grandiosen ersten Staffel der Antologieserie "True Detective" hat Fukunaga Landschaften mit Lebensgeschichten verschmolzen.

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Statt wie in den letzten Bond-Filmen mit Roger Moore exotische Schauplätze wie in einer Schnitzeljagd aneinanderzureihen, verzahnt er die Orte mit der Geschichte. Besonders spektakulär gelingt das im labyrinthisch in den Felsen gebauten Bunkerklotz, der – ähnlich wie einst Goldfingers Domizil – jetzt die Machtzentrale des von Rami Malek ein bisschen steif und maskenhaft gespielten Bösewichts darstellt.

Der neue Bond-Film ist ein wilder Balanceakt – einerseits Spiegel der komplexen realen Welt, andererseits aber auch Luxus, Eleganz, Exotik, Schlagfertigkeit, Akrobatik und Kampfchoreografie. Daniel Craigs Bond hatte von Anfang an stärkere Wurzeln in der Wirklichkeit und ist trotzdem auch larger than life. Und noch eine gute Nachricht: Es gibt wieder mehr Gadgets – Uhren und Autos mit Sonderfunktionen!

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Der erste Bond nach #MeToo

Berühmt ist James Bond auch für seine kurzlebigen Frauengeschichten. Die schönsten Frauen der Welt waren für ihn bisher nur Accessoires für kurze Momente. Im ersten Bond-Film nach #MeToo ist Bonds Nachfolger als 007-Agent eine schwarze Frau. Bizarrerweise haben die Produzentin Barbara Broccoli und der Star Daniel Craig den wilden Spekulationen über die Besetzung von Bond nach Craig Einhalt geboten und sich entschieden gegen einen weiblichen Bond ausgesprochen: Man solle es bei der Ikone Bond bei einem Mann belassen und besser neue, gute Rollen für Frauen schreiben.

Fukunaga ist ein Regisseur, der schon mehrfach starke Frauenfiguren ins Zentrum seiner Filme gestellt hat. Kein Wunder also, dass sie auch an der Seite von Bond mehr sind, als nur hübsches Accessoire. Zum ersten Mal wurde neben den alt eingespielten, männlichen Autoren der Serie, Neal Purvis und Robert Wade, auch eine Frau ins Autorenteam geholt: Phoebe Waller-Bridge, berühmt vor allem für die von ihr geschriebene Nabelschau-Comedy-Serie "Fleabag", hat ihren besonderen Humor vor allem in die Dialoge einfließen lassen.

Am Ende des 25. Bond-Abenteuers ist die Palette gereinigt für einen Neuanfang mit einem neuen Darsteller.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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