Borga: Eugene Boateng © Chromosom Film GmbH | Bild: Tobias von dem Borne
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Deutsch-ghanaisches Filmdrama - "Borga"

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Das ghanaische Wort "Borga" begründet sich in dem deutschen Städtenamen Hamburg und heißt so viel wie: der reiche Onkel aus dem Ausland. Wie schwierig es ist, ein "Borga" zu werden - und warum das trotz allem der große Traum vieler junger Ghanaer ist, die einzige Chance nämlich, sein Leben hinter sich zu lassen, davon erzählt der bei Festivals gefeierte Film "Borga", der am Donnerstag in die Kinos kommt.

Wenn die Sonne aufgeht über den afrikanischen Hütten, sie milde in sanftes Licht taucht, scheint die Welt in Ordnung. Doch das täuscht: Die Elektro-Schrotthalde vor den Toren von Ghanas Hauptstadt Accra gilt als einer der verseuchtesten Orte der Welt. Wer hier lebt, wühlt im Müll, um zu überleben. Schon kleine Kinder suchen im Elektroschrott westlicher Industrieländer nach verwertbaren Teilen, die sie dann kiloweise verkaufen.

Flucht nach vorne, um ein "Borga" zu werden

Wie auch die beiden Brüder Kojo und Kofi. Zwei ganz unterschiedliche Temperamente. Der ehrgeizige Kofi wid schon früh in die Fußstapfen des Vaters treten und ihn in seinem kleinen Elektrobetrieb zur Hand gehen, das Wohl der Familie im Auge haben. Während der eher verträumte Kojo zur Schule gehen soll, um lesen und schreiben zu lernen. Doch trotz seines Schulabschlusses verdingt Kojo sich auch als junger Mann weiterhin auf der Schrotthalde. Für ihn bietet sich in seiner Heimat keine Perspektive.

Borga: Emmanuel Affadzi © Chromosom Film GmbH | Bild: Tobias von dem Borne
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Er beschließt, die Flucht nach vorne anzutreten: Richtung Deutschland. Hier, so sein Plan, will er zu einem "Borga" werden: zu einem, der im Ausland Geld macht, und denen Zuhause ein besseres Leben ermöglicht. Ein "Borga" schickt Fotos an seine Familie: Fotos mit Haus und dickem Auto.

Dass die sich für ein paar Euro faken lassen und nichts mit der Realität zu haben, dass das Leben in Deutschland als Afrikaner nicht automatisch ein besseres Leben ist, ahnt Kojo da noch nicht.

Doch er hat Glück. In einer Bar lernt Kojo eine Frau kennen, die anders ist. Sich nicht mit Stereotypen begnügt. Ihm nicht glaubt, dass er aus New York kommt. Christiane Paul spielt sie.

Borga: Christiane Paul u. Eugene Boateng © Chromosom Film GmbH | Foto: Tobias von dem Borne
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Ankommen in der "neuen Welt"

Nicht zum ersten Mal erzählt Regisseur York-Fabian Raabe eine Geschichte aus Afrika, zum ersten Mal aber als Langspielfilm und – das ist das Besondere – aus konsequent schwarzer Perspektive.

Am Drehbuch beteiligt war auch Hauptdarsteller Eugene Boateng alias Koji, geboren in Düsseldorf als Sohn ghanaischer Eltern. "Borga", so sagt er, sei für ihn die Geschichte aller Schwarzen, die nach Deutschland kommen, um etwas für ihre Familien zu erreichen.

Seine Figur Kojo, die Boateng mit kraftvoller Intensität spielt, wird es schaffen, ein echter "Borga" zu werden: wird sich demütigen lassen, in die Kriminalität rutschen, seinen Körper ausbeuten - aber eines Tages wird er in einem schicken hellen Anzug durch den Ort seiner Kindheit laufen, allen zeigen, dass er angekommen ist: in der "neuen Welt". Nach dem "wie" fragt hier sowieso niemand.

Borga: Eugene Boateng © Chromosom Film GmbH | Bild: Tobias von dem Borne
Borga: Eugene BoatengBild: Chromosom Film GmbH | Bild: Tobias von dem Borne

Ausgezeichnet, aber nicht frei von Klischees

"Borga" gewann beim Max Ophüls-Festival 2021 - das wichtigste Festival für den deutschen Nachwuchs - den ersten Preis als Bester Film und auch den Publikumspreis. Eugene Boateng wurde als bester Schauspieler ausgezeichnet.

Kein Wunder: "Borga" trifft ins Herz eines neuen filmischen Selbstverständnisses: das allgegenwärtige Themas Diversität wird hier zur Selbstverständlichkeit. Viele schwarze Schauspieler:innen - unter anderem auch die als Comedian bekannte Deutsch-Ghanaerin Thelma Buabeng - stehen vor der Kamera, sprechen in ihrer Sprache, und es gibt keinen Zweifel daran, dass diese Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Eine Geschichte, die nicht nur die Ausbeutung Afrikas durch den reichen Westen zeigt, sondern auch den alltäglichen Rassismus in Deutschland.

Dass dabei wiederum neue Klischees bedient werden, manches etwas dick aufgetragen ist, dass die Geschichte etwas holpert und das naive Gutmenschentum der Hauptfigur bisweilen doch eindimensional wirkt - das soll zumindest erwähnt werden. Ansonsten aber macht "Borga" viel richtig.

Christine Deggau, rbbKultur

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