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Französische Komödie - "Online für Anfänger"

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Bisher waren es immer analoge Probleme, mit denen es die Helden der subversiven Komödien von Benoît Delépine und Gustave Kervern zu tun hatten, Firmen und Behörden, die einfach nicht zu fassen sind. In ihrem neuesten Werk "Online für Anfänger" nehmen die beiden Franzosen jetzt die Fallstricke der digitalen Kommunikation komödiantisch aufs Korn. Premiere feierte der Film im Wettbewerb der Berlinale 2020, wo er auch mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Jetzt kommt der Film endlich auch ganz regulär in die Kinos.

PIN, PUK, SIM, Passwort? Wer kennt sie nicht, die lästige Suche nach den Zugangsdaten für diese Website oder jenes Internetportal. Die Ohnmacht des kleinen Mannes und der kleinen Frau angesichts übermächtiger Systeme, das ist das große Thema der französischen Regisseure Benoît Delépine und Gustave Kervern.

Im Kampf gegen übermächtige Systeme

In Ihrem Spielfilmdebüt "Aaltra" war der Gegner eine finnische Landmaschinenfirma, in der niemand die Verantwortung für einen Arbeitsunfall mit einem ihrer Traktoranhänger übernehmen will. In "Mammut" war es die Staatsbürokratie, die dem von Gérard Depardieu gespielten Gelegenheitsjobber zu schaffen machte. Auf seinem alten Motorrad tuckerte er durch die ganze Republik, um Arbeitsbescheinigungen einzusammeln und Rentenansprüche geltend machen zu können.

In "Online für Anfänger" sind es die großen Digitalkonzerne, die schwer zu fassen sind, auch auf 42 Beschwerde-Einschreiben nicht reagieren.

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Die Absurditäten des Alltags

Ausgehend von eigenen misslichen Erfahrungen haben Delépine und Kervern die Absurditäten des ins Digitale verlagerten Alltags gesammelt und zu einem Film verarbeitet, der zwischen sanfter Satire und frotzelndem Politaktivismus changiert.

Sie schicken drei liebenswerte Loser, die sich bei den Gelbwestendemos kennengelernt haben, mit unterschiedlichen Netzproblemen in den aussichtlosen Kampf gegen Facebook, Cloud & Co.: Die arbeitslose und geschiedene Marie (Blanche Gardin) hält sich über Wasser, indem sie ihren Hausstand online verkauft. Nach einer langen Bar-Nacht - samt alkoholisiertem Filmriss - wird sie von ihrem jungen One-Night-Stand erpresst. Bertrand (Denis Podalydès) wiederum sorgt sich ums Seelenheil seiner Tochter, die auf Facebook mit einem Mobbingvideo bloßgestellt wird. Und Serienjunkie Christine (Corinne Masiero) verzweifelt daran, dass sie als Uber-Fahrerin immer nur geschäftsschädigende 1-Stern-Bewertungen bekommt.

Alle drei sind tief in der realen Welt verwurzelt und im Umgang mit dem Netz auf liebenswerte Weise verschusselt und naiv. Sie wundern sich, dass die Algorithmen alles wissen, und verzweifeln daran, dass das Netz nie vergisst. Und weil es immer schwerer wird, echt und falsch auseinanderzuhalten, verliebt sich Bertrand in die Frau, die er in irgendeinem fernen Callcenter wähnt, die aber in Wirklichkeit nur ein Algorithmus ist ...

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Underdogs gegen den digitalen Rest der Welt

Ganz bewusst haben Benoît Delépine und Gustave Kervern keine großen Stars mit bekannten Namen engagiert, sondern eher Schauspieler:innen mit vertrauten Gesichtern, die zu Stellvertreter:innen werden, für jeden und jede, der oder die mal Ärger hatte mit den unerreichbaren Digitalkonzernen.

So ähnlich wie schon in "Aaltra" verbünden sich auch hier wieder die Underdogs in einem rührenden Kampf gegen die übermächtigen Konzerne. Zuerst engagieren sie einen Hacker, der im Windrad thront und sich allen Ernstes "Gott" nennt. Und dann schwärmen sie aus, in die Google-Zentrale in Pasadena und zur Facebook Niederlassung in Irland, um sich ihre Daten zurückzuholen und herauszufinden, wie der Algorithmus gegen sie arbeitet.

Das ist alles in allem vielleicht nicht sonderlich tiefschürfend, aber doch treffend und amüsant, schon weil jeder schon mal am Passwort-Wahnsinn verzweifelt ist oder in der Dauerschleife der Hilfshotline hing:

"Aufgrund einer großen Anzahl von Anrufen beträgt Ihre Wartezeit 30 Minuten ..."

Anke Sterneborg, rbbKultur

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