Titane: Alexia (Agathe Rousselle) © Carole Bethuel/Koch Films
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Thriller - "Titane"

Bewertung:

Es war ein ganz schöner Aufreger, als die diesjährige Jury des Filmfestivals in Cannes unter dem Vorsitz von Spike Lee ihre Entscheidung verkündete: Die Goldene Palme als bester Film ging an die französische Regisseurin Julia Ducourneau mit ihrem Film "Titane".

Und tatsächlich kam da eine Menge zusammen. "Titane" ist alles andere als Kino für feingeistige Cineasten, das auf der Croisette gerne bejubelt wird. Es ist auch alles andere als Wohlfühlkino. "Titane" ist ein Film, der uns zwingt, unsere Komfortzone zu verlassen.

Verwundete Seelen

Ein Horrorfilm! - das war zumindest eine Überraschung. Und es war erst das zweite Mal in der Geschichte des Festivals, dass eine Frau ausgezeichnet wurde. (Die erste war damals Jane Campion mit "The Piano" 1993!)

Regisseurin Julia Ducourneau ist eine Newcomerin, "Titane" ist erst ihr zweiter Langfilm - und ihre Hauptdarstellerin Agathe Rousselle kannte überhaupt niemand. Das Ungewöhnlichste aber ist die Geschichte des Films.

Titane: Alexia (Agathe Rousselle) © Carole Bethuel/Koch Films
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Sie erzählt von Alexia, einer jungen Frau: Unfähig zu menschlichen Beziehungen, getrieben von ihrem sexuellen Verlangen, das sie mit Autos auslebt. Sex mit Autos: ja, das geht. Ducourneau zeigt es.

Menschen sind Alexia nicht wichtig, im Gegenteil: wer ihr zu nahe kommt, wird sterben. Als sie nach einigen Morden polizeilich gesucht wird, nimmt sie eine andere Identität an und findet einen Mann, der sie aufnehmen wird. Dieser alternde Mann (Vincent Lindon) wartet seit Jahren darauf, dass sein verschollener Sohn zurückkehrt. Er will vor allem, dass der Schmerz um sein verlorenes Kind endlich aufhört. Darum nimmt er Alexia auf, fragt nicht, nimmt sie, wie sie ist. Und sie ihn.

Die langsam wachsende Beziehung ist der zarteste Strang der Geschichte, die Begegnung der beiden schwer verwundeten Seelen, ihr Kern. Der Weg dahin aber ist laut, brutal und vor allem ungeheuer körperlich.

Titane © Carole Bethuel/Koch Films
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Eine Frau, die man fürchten muss

Alexia ist eine Figur, die fremd bleibt. Sie spricht nicht, erklärt sich nie. Wir lernen sie kennen als sie noch ein Kind ist. Bei einer Autofahrt mit ihrem Vater buhlt sie verzweifelt um seine Aufmerksamkeit. Die Folge ist ein Unfall. Die kleine Alexia trägt eine schwere Kopfverletzung davon und bekommt eine Titan-Platte implantiert. Im Anschluss an die Operation würdigt sie ihren Vater keines Blickes, geht zu dem Auto, das vor dem Krankenhaus parkt und küsst es.

Dann gibt es einen Zeitsprung und wir begegnen Alexia als junge Frau, die auf Automessen zu dröhnender Musik Autos "betanzt". Unglaublich agil und sexy. Und ziemlich abgedreht. Alexia ist eine Frau, die ihr Ding durchzieht, die man fürchten muss.

Ein neues weibliches Narrativ

Natürlich stellt sich die Frage nach einer weiblichen Handschrift. Diese Gewaltorgien, die wir hier erleben, das Martialische, das dieser Film zeigt, das ist eher männliches Kino. Was anders ist: Alexia - so schön und begehrenswert sie ist – richtet ihr Handeln, ihr Erscheinen überhaupt nicht auf den männlichen Blick aus. Sie tut es für sich, sie steht für sich. Das ist ein neues weibliches Narrativ.

Klar ist, bei diesem Film lösen sich klassische Erwartungshaltungen auf. Wir werden aufgefordert, unsere Sehgewohnheiten und Denkräume in Frage zu stellen. Das muss man wollen, zugegeben! Denn dieser Film macht es einem nicht leicht.

Christine Deggau, rbbKultur

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