In den Uffizien © zero one film
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Dokumentation - "In den Uffizien"

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Die Kulturdokumentarist:innen Corinna Beltz und Enrique Sánchez Lansch gewähren in ihrem Dokumentarfilm Einblicke in den laufenden Betrieb der Uffizien - eines der ehrwürdigsten Museen Italiens und der Welt.

"Guten Morgen, Herr Direktor", wird Eike Schmidt begrüßt. Rund zwei Meter groß überragt der Deutsche die Mitglieder seines italienischen Teams und arbeitet doch auf Augenhöhe. Es war eine kulturelle Revolution: Der erste Nicht-Italiener als Leiter eines der ehrwürdigsten Museen Italiens und der Welt.

Eine Institution im Blick der Kamera

2015 ist er in Florenz angetreten, hat sich eingelebt, hat vieles bewegt. Ein guter Zeitpunkt also für die beiden renommierten Kulturdokumentarist:innen Corinna Beltz und Enrique Sánchez Lansch, mit der Kamera vorbeizuschauen. In der Tradition von Frederick Wiseman, dem berühmten Dokumentaristen amerikanischer und inzwischen auch französischer Institutionen, klinken sie sich mit viel Geduld in den laufenden Betrieb der Uffizien ein.

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In den UffizienBild: zero one film

Eine Passage durch Ausstellungsräume, Sammlung und Werkstätten

Man sieht Menschen in andächtiger Betrachtung versunken. Anderen ist das Fotografieren von Caravaggios Medusa wichtiger als sie zu betrachten. Eine Museumsführerin steht zwischen auf dem Boden sitzenden Schulkindern, macht ihnen Lust auf die Kunst:

"Was sind die Uffizien?" fragt sie in die Runde. "Eine Ausstellung alter Sachen", meint ein Junge. "Es ist nicht nur die Kultur der Italiener, es ist die Kultur der westlichen Welt", stellt eine amerikanische Kunstmäzenatin fest.

Eike Schmidt hat sie mit mehreren anderen wohlhabenden Amerikanerinnen in den dringend renovierungsbedürftigen Geografie-Saal geführt, zeigt die alten Karten an den Wänden und die gemalten Allegorien der Zeit an der Decke, in der Hoffnung, dass sie sich verlieben und die Restaurierung finanzieren.

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Bild: zero one film

Eine Kunsthistorikerin erklärt, dass wir die Kinder der Renaissance in der Zeit der Medici seien. Man sieht die Restauratoren bei der Arbeit an den Bildern, die 1993 beim Brandanschlag der Mafia fast völlig zerstört wurden, ist dabei, wenn Eike Schmidt den richtigen Grünton für die Neugestaltung eines Ausstellungsraums bestimmt, auf zwölf Farbschichten noch eine weitere fordert, bis es aussieht wie Stoff und nicht mehr wie Wandfarbe.

Im Fotoarchiv sind die Fotos zu entdecken, die auf die Spur der Nazi-Raubkunst führten.

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Distanz und Nähe

Eike Schmidt will die Kunst nicht nur bewahren, regt stattdessen den lebendigen Austausch an - zwischen alt und jung, zwischen Renaissance-Kunst und den modernen Skulpturen von Antony Gormley, für die ein Platz gesucht wird unter den antiken Exponaten.

Die Regisseure haben das Museum im Lauf von zwei Jahren immer wieder besucht, durften ganz nah ran an die großen Meisterwerke von Botticelli, Michelangelo, Raphael und Leonardo, zeigen die Gemälde und die umgebende Architektur im Wechsel von Distanz und Nähe, Totale und Detail.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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