Lieber Thomas © Zeitsprung Pictures/Wild Bunch Germany; Foto: Peter Hartwig
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Drama - "Lieber Thomas"

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Thomas Brasch war eine der interessantesten und widersprüchlichsten Figuren des deutschen Kulturbetriebs: Schriftsteller, Dramatiker, Filmemacher – und Wanderer zwischen den zwei Deutschlands: In seiner Filmbiografie "Lieber Thomas" zeigt Andreas Kleinert die ganze Zerrissenheit dieses Mannes und setzt ihm gleichzeitig ein Denkmal.

In der DDR wollten sie ihn nicht mehr haben, weil er immer wieder gegen die Autoritäten rebellierte, auch im Westen kam er nie richtig an - und so kehrte Thomas Brasch nach der Wende wieder nach Ost-Berlin zurück, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2001 gelebt hat. Das Leben des Schriftstellers hat bereits Stoff für mehrere Dokumentarfilme geliefert – nun hat Andreas Kleinert daraus einen Spielfilm gemacht.

Nostalgische Schwarzweiß-Bilder

In "Lieber Thomas" hat er sich der Berliner Regisseur viel Zeit gelassen für dessen wechselvolle Biografie. In nostalgischen Schwarzweiß-Bildern erzählt er zunächst von Braschs frühen Kindheitserfahrungen auf einer Kadettenschule der NVA, zeigt ihn als aufsässigen Studenten an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg und begleitet ihn anschließend in verschiedenen Phasen seines Lebens bis hin zu seinem Tod 2001 in Berlin.

Lieber Thomas © Zeitsprung Pictures/Wild Bunch Germany; Foto: Peter Hartwig
"Lieber Thomas": Albrecht Schuch (Thomas Brasch)Bild: Zeitsprung Pictures/Wild Bunch Germany; Foto: Peter Hartwig

"Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin"

Um über die reine Chronologie hinaus eine Struktur reinzubringen, hat Kleinert seinen Film in sieben Kapitel geteilt, deren Überschriften alle aus einem berühmten Gedicht von Thomas Brasch stammen. Das geht von "Was ich habe, das will ich nicht verlieren" bis hin zu "Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin" und in diesen Überschriften zeigt sich schon die ganze Widersprüchlichkeit dieses Mannes.

Konflikt mit dem Vater

Dabei kommt immer wieder seine Familie ins Spiel: Mutter Gerda (Anja Schneider), die Brüder Klaus (Joel Basman) und Peter (Lamer Warnoch) – und natürlich der Vater: Horst Brasch (Jörg Schüttauf), jüdischer Remigrant, überzeugter Sozialist und hoher Kulturfunktionär in der SED.

Als Thomas 1967 im Prager Frühling Flugblätter verteilt, die den Einmarsch der Sowjets in Prag verurteilen, liefert ihn der Vater den Behörden aus – und nimmt damit in Kauf, dass der eigene Sohn ins Gefängnis muss.

Lieber Thomas © Zeitsprung Pictures/Wild Bunch Germany; Foto: Peter Hartwig
"Lieber Thomas": Albrecht Schuch (Thomas Brasch) | Bild: Zeitsprung Pictures/Wild Bunch Germany; Foto: Peter Hartwig

Ambivalente Figuren

Dieser Verrat wird zu einem der Schlüsselmomente in Kleinerts Film. Doch zum Glück erliegt der Regisseur nicht der Versuchung, die Ambivalenz seiner Figuren preiszugeben. Jörg Schüttauf ist nicht nur der kleinkarierte Funktionär, der für die eigene Karriere über Leichen geht. Er kann durchaus auch liebevoller Vater und treusorgender Ehemann sein.

Auch Albrecht Schuch spielt seinen Thomas Brasch nicht nur als reine Lichtgestalt und genialen Großschriftsteller, sondern er zeigt auch dessen Schattenseiten: Die Erotomanie, die jede Beziehung über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt, Braschs Kokainsucht und seine daraus resultierende Unfähigkeit, seinen Schlüsselroman fertig zu schreiben.

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"Lieber Thomas": Thomas Brasch (Albrecht Schuch) u. Katarina Thalbach (Jella Haase) | Bild: Zeitsprung Pictures/Wild Bunch Germany; Foto: Peter Hartwig

Unglücklich im Westen

Nachdem die Publikation seiner Texte immer wieder von staatlicher Seite verhindert wird, geht Thomas Brasch 1976 mit seiner damaligen Lebensgefährtin Katharina Thalbach (Jella Haase) in den Westen – und wird dort auch nicht glücklich: Denn als "Dissident" und "der Diktatur Entronnener" will sich der überzeugte Sozialist nicht feiern lassen.

Gelungene Kino-Unterhaltung

Auch wenn das Tempo des Films an manchen Stellen atemlos wirkt: "Lieber Thomas" ist eine gute Gelegenheit, einem heute etwas in Vergessenheit geratenen Dichter näherzukommen. Darüber hinaus ist der Film aber auch gelungene Kino-Unterhaltung mit guten Schauspieler:innen, sehr schönen Bildern und einem abwechslungsreichen Soundtrack.

Carsten Beyer, rbbKultur

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