Mein Sohn © 2021 Warner Bros. Entertainment
2021 Warner Bros. Entertainment
Bild: 2021 Warner Bros. Entertainment Download (mp3, 8 MB)

Drama - "Mein Sohn"

Bewertung:

Ein schwerwiegender Unfall bringt das Leben von Jason (Jonas Dassler) und seiner Mutter Marlene (Anke Engelke) durcheinander. Gemeinsam reisen sie in die Schweiz zu einer speziellen Reha-Klinik. Das Filmdrama von Regisseurin Lena Stahl erzählt dabei vor allem von dem komplizierten Verhältnis von Mutter und Sohn.

Bei der Vorbereitung zu dem Kinofilm "Mein Sohn" haben sich die Berliner Regisseurin Lena Stahl und ihre Darsteller beim Spazierengehen und gemeinsamen Kochen aneinander angenähert. Eine sehr effektive Art der Vorbereitung, wenn man das Ergebnis sieht.

"Mein Sohn" ist ein ungewöhnliches Drama, nicht zuletzt wegen Anke Engelke in einer für sie ungewöhnlichen Rolle. Kennt man sie seit Jahrzehnten als Comedian - angefangen in den 1990er Jahren bei der "Wochenschow" oder "Ladykracher", zuletzt in "LOL", besetzt sie auch als Schauspielerin in Serien und Kinofilmen immer eher das komödiantische Fach.

Nun die Hauptrolle in einem Drama. Und Anke Engelke kann endlich zeigen, wie gekonnt sie auch das feine Spiel in Mimik und Ausdruck beherrscht.

Sie spielt eine Mutter, deren Sohn einen schweren Unfall beim Skaten hat. Sie weiß, dass er wohl nie mehr wird skaten können, er hingegen will es nicht begreifen. Er will auch nicht sehen, dass seine Mutter gerade dabei ist, sich ein Bein auszureißen, um ihm die beste aller möglichen Rehas zu ermöglichen.

Mein Sohn © 2021 Warner Bros. Entertainment
Bild: 2021 Warner Bros. Entertainment

Regisseurin Lena Stahl hat sich entschieden, diese Mutter-Sohn-Geschichte als Roadmovie zu erzählen - sozusagen das Synonym für die Bewegung in der sich die Figuren befinden, auf engem Raum mit mehr oder weniger gemeinsamen Ziel. Das Drehbuch stimmt, es gibt viele wunderbar situative Dialoge. Und Lena Stahl kann sich auf ihre auf ihre beiden Hauptdarsteller Anke Engelke und Jonas Dassler verlassen.

Auch die Nebenfiguren sind hervorragend besetzt von Hanna Herzsprung, Peter Jordan bis Golo Euler. Denn natürlich gibt es einen Berliner Alltag, den Mutter und Sohn auf ihrer Fahrt in die Schweiz zurücklassen, es gibt Begegnungen auf dieser Reise, witzige und traurige. Im Mittelpunkt aber steht dieses fragile Mutter-Sohn-Gefüge. Dieses sich langsame „wieder Kennenlernen“.

Mein Sohn © 2021 Warner Bros. Entertainment
Bild: 2021 Warner Bros. Entertainment

Jonas Dassler als Sohn war der Wunschkandidat der Regisseurin. Mit wildem blondgefärbtem Schopf und seinen riesigen Augen ist er der Inbegriff von Wildheit und Jugend: vom Leben auf der Überholspur. Er kommt vom Theater, Anke Engelke ist mit der Kamera großgeworden Für sie hat Stahl das Drehbuch geschrieben. Der Wilde und die Zarte, Zähe - die Chemie zwischen den beiden stimmt.

Und so verkörpern die beiden mit unglaublicher Leichtigkeit, ohne je oberflächlich zu werden, eine Beziehung zwischen Mutter und erwachsenem Kind in all seinen Tiefen.

Es ist die Geschichte einer – seitens des Sohnes - widerwilligen Annährung. Er will keine Hilfe, schon gar nicht von seiner Mutter, er will auch nicht mit ihr in einem großen Hotelbett schlafen, übernachtet lieber im Auto. Ganz anders seine Mutter: sie sucht seine Nähe, will ihn beschützen, bei ihm sein. Was er als Übergriffigkeit empfindet.

Es geht um gegenseitige Erwartungen, eine Art Sprachlosigkeit, weil man so wenig voneinander weiß. Aber jeder hier hat seine Geschichte, auch die Mutter – die auch ein Leben hatte, bevor sie Mutter wurde. Es geht um unterschiedliche Lebensentwürfe, die Kunst achtsam beieinander zu sein. "Mein Sohn" ist kein Film nur für Eltern, jeder kann aus dieser Geschichte etwas mitnehmen. Eine Geschichte, die vielleicht erst beginnt, wenn der Abspann läuft.

Christine Deggau, rbbKultur

weitere rezensionen

Respect © Andre D. Wagner / 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.
Andre D. Wagner / 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

Filmbiografie - "Respect"

Aretha Franklin war weit mehr als nur eine Sängerin: Sie galt als "Queen of Soul", als Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung und als Vorbild für die Emanzipation der schwarzen Frauen in den USA. Die südafrikanische Regisseurin Liesl Tommy hat ihr mit "Respect" ein filmisches Denkmal gesetzt und profitiert dabei vor allem von der Wandlungsfähigkeit ihrer Hauptdarstellerin.

Bewertung:
Eine Handvoll Wasser © Daniel Dornhoefer/jip film
Daniel Dornhoefer/jip film

Drama - "Eine Handvoll Wasser"

Vielleicht erinnern Sie sich noch: Seinen ersten großen Triumph hatte der deutsche Schauspieler Jürgen Prochnow 1977 unter der Regie von Wolfgang Petersen in dem Schwulendrama "Die Konsequenz". Ihren gemeinsamen Erfolg toppten Regisseur und Hauptdarsteller vier Jahre später mit dem für sechs Oscars nominierten U-Boot-Kriegsdrama "Das Boot", dessen Kapitän er im Jahr 1981 verkörperte. Auch mit über 80 Jahren ist Jürgen Prochnow noch fit und drahtig. Unter der Regie von Jakob Zapf ist er jetzt in "Ein Handvoll Wasser" als griesgrämiger, einsamer Witwer zu sehen, dessen ruhiges Leben durch ein kleines Mädchen aus dem Jemen durcheinandergewirbelt wird.

Bewertung:
Lieber Thomas © Zeitsprung Pictures/Wild Bunch Germany; Foto: Peter Hartwig
Zeitsprung Pictures/Wild Bunch Germany; Foto: Peter Hartwig

Drama - "Lieber Thomas"

Thomas Brasch war eine der interessantesten und widersprüchlichsten Figuren des deutschen Kulturbetriebs: Schriftsteller, Dramatiker, Filmemacher – und Wanderer zwischen den zwei Deutschlands: In seiner Filmbiografie "Lieber Thomas" zeigt Andreas Kleinert die ganze Zerrissenheit dieses Mannes und setzt ihm gleichzeitig ein Denkmal.

Bewertung: