Respect © Andre D. Wagner / 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.
Andre D. Wagner / 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.
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Filmbiografie - "Respect"

Bewertung:

Aretha Franklin war weit mehr als nur eine Sängerin: Sie galt als "Queen of Soul", als Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung und als Vorbild für die Emanzipation der schwarzen Frauen in den USA. Die südafrikanische Regisseurin Liesl Tommy hat ihr mit "Respect" ein filmisches Denkmal gesetzt und profitiert dabei vor allem von der Wandlungsfähigkeit ihrer Hauptdarstellerin.

"Respect" hat Aretha Franklin wirklich verdient. Wie aber nähert man sich einer Frau, die schon zu Lebzeiten Legendenstatus besaß? Die südafrikanische Regisseurin Liesl Tommy versucht es mit einem Parforceritt durch Franklins Leben, der sich größtenteils an biografischen Fakten entlanghangelt. Beginnend mit Arethas Kindheit als Pfarrerstochter in Detroit führt ihr Film zweieinhalb Stunden lang durch die wichtigsten Stationen einer außergewöhnlichen Karriere – mit einem guten Blick für die Stärken und Schwächen der Sängerin, manchmal auch mit ein bisschen Pathos – und immer mit viel Musik.

Ein bisschen Pathos und viel Musik

Arethas umjubelte Auftritte in der Gemeinde ihres Vaters, der erste Platten-Deal in New York und ihr Weg zu einem weltweiten Superstar, all das findet Platz in diesem opulent fotografierten Drama – genauso wie die Tiefpunkte in ihrem Leben: der frühe Tod ihrer Mutter beispielsweise, ihre ungewollten Schwangerschaften als Teenager und ihr problematisches Verhältnis zum Alkohol, das sie mehr als einmal an den Rand des Zusammenbruchs führt. Doch egal in welcher Krise sich die Sängerin auch befindet – am Ende sind es immer ihre Songs, die sie retten.

Jennifer Hudson in "Respect" © Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.
Jennifer Hudson in "Respect"Bild: Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

Jennifer Hudson überzeugt als Schauspielerin und als Sängerin

Gespielt wird Aretha Franklin von Oscar-Preisträgerin Jennifer Hudson – und die beherrscht das ganze Spektrum der "Queen of Soul": Von der schüchternen Chorsängerin über das ehrgeizige Pop-Sternchen bis hin zur zickigen Diva beherrscht sie alle Schattierungen und ihre Gesangsstimme ist über jeden Zweifel erhaben. Überhaupt treiben die Lieder die Handlung immer wieder nach vorne, etwa wenn Aretha zu nächtlicher Stunde mit ihren Schwestern ihren ersten eigenen Hit schreibt oder wenn sie auf Betreiben ihres Produzenten Jerry Wexler (Marc Maron) im Muscle Shoal-Studio in Alabama an völlig neuen Sounds feilt.

Respect © Quantrell D. Colbert / 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.
Bild: Quantrell D. Colbert / 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

Die Songs treiben die Handlung voran

Doch nicht nur Jennifer Hudson macht diesen Film zu einem Ereignis, auch die anderen Schauspieler:innen können überzeugen - allen voran Forest Whitaker als Arethas Vater C.L. Franklin. Baptisten-Prediger ist er, Patriarch und ein Weggefährte von Martin Luther King, der die Karriere seiner Tochter vorantreibt und ihr den Weg in die amerikanische Bürgerrechtsbewegung vorgibt. Freiheit für die Schwarzen bedeutet für ihn allerdings nicht unbedingt Freiheit für die Frauen und schon gar nicht Freiheit für die eigene Tochter. Wenn Aretha also vor großem Publikum "Respect" für ihre Geschlechtsgenossinnen fordert, dann kann sich auch der Vater angesprochen fühlen - und all die anderen Männer in ihrem Leben.

Dramaturgisch klug aufgebaut

"Respect" ist das Porträt einer Frau, die Geschichte geschrieben hat: Eng an die historischen Fakten angelehnt, dramaturgisch klug aufgebaut, und mit großartigen musikalischen Zwischenspielen, die die unterschiedlichen Phasen in der Karriere der Sängerin abbilden. Aretha Franklin, so das Bild das Liesl Tommy zeichnet, war die erste Frau, die es geschafft hat, sich im US-amerikanischen Musikbusiness Respekt zu verschaffen. Nun hat sie endlich eine würdige Filmbiografie.

Carsten Beyer, rbbKultur

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