Die Königin des Nordens © Dušan Martinček / SF Studios / Splendid Film GmbH
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Historiendrama - "Die Königin des Nordens"

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Die heutige Königin Margrethe II. von Dänemark ist die zweite Frau auf dem dänischen Thron. Ihrer berühmten Vorgängerin Margrethe I. gelang es vor rund 700 Jahren Dänemark, Norwegen und Schweden in der Kalmarer Union zu einen und die nordischen Länder in eine Phase des Friedens zu führen. "Königin des Nordens" heißt jetzt das Historiendrama der dänischen Regisseurin Charlotte Sieling, in dem die vielfach ausgezeichnete Schauspielerin Trine Dyrholm die Königin spielt.

Die Königin des Nordens © Ramus Videbaek/DFF/SF Studios / Splendid Film GmbH
Bild: Ramus Videbaek/DFF/SF Studios / Splendid Film GmbH

"Ich habe vor nichts Angst," sagt Trine Dyrholm als Margrete I. einmal in dem großartigen Film "Königin des Nordens" von Charlotte Sieling.

Die historische Margrete wurde 1353 in Kopenhagen geboren und im Alter von zehn Jahren mit dem norwegischen König Hakan VI. verheiratet. Mit siebzehn bekam sie einen Sohn Olof, der in dem Film eine Schlüsselrolle spielt.

Eine Frau, die daran gewöhnt ist, ihre Macht auszuüben

Nach dem Tod ihres Vaters regierte Margrete erst Dänemark, nach dem Tod ihres Mannes auch Norwegen und nach dem Sieg über den schwedischen König gehörte schließlich Schweden zu der Union. "Königin des Nordens" zeigt sie auf dem Höhepunkt ihrer Macht.

Die Königin des Nordens © Ramus Videbaek/DFF/SF Studios / Splendid Film GmbH
Bild: Ramus Videbaek/DFF/SF Studios / Splendid Film GmbH

Eine Geschichte von Intrigen und Verrat

Margrete hat gerade die Zustimmung der Fürsten erreicht, ein gemeinsames Heer aufzustellen zur Verteidigung gegen den Deutschen Orden. Weil ihr Sohn Olof gestorben ist, hat sie ihren Großneffen Erik als Erben an ihren Hof geholt, dieser soll nun mit der zehnjährigen Philippa von England verlobt werden, um die Allianz zu stärken. Da taucht wie aus dem Nichts ein Mann auf, der behauptet, der Olof zu sein, der totgeglaubte Sohn.

Und die Frage ist: handelt es sich hier um eine List der Deutschen, die mit dem Streit um den Thron Margretes Macht unterminieren wollen oder ist der schwer traumatisierte und verwahrloste junge Mann tatsächlich der wahre Thronfolger? Denn Margretes Gefolgsleute gestehen: keiner hat den Jungen im Sterben begleitet, weil alle Angst hatten, sich mit der Pest anzustecken.

Der Film beruft sich auf eine wahre Begebenheit und diese Story ist natürlich eine tolle Ausgangsposition für das Historiendrama.

Trine Dyrholm spielt die Königin selbstbewusst und mitfühlend

Trine Dyrholm spielt Margrete zunächst sehr monolithisch, sehr geschlossen, in sich ruhend wie eine gotische Skulptur. Unerschütterlich hält sie an ihrer Idee der Allianz fest. Sie hat den geraden steten Trine-Dyrholm-Blick, der immer etwas zu lang auf dem Gegenüber ruht und der keine Diskussion erlaubt.

Aber sie ist auch die nachsichtige Herrscherin. Einmal befreit sie auf einem Piratenschiff eine junge Frau mit der Begründung, sie dulde keine Vergewaltigung in ihrem Land. Der Pirat lässt die Gefangene frei. Er solle sich lieber eine Freu suchen, die freiwillig bei ihm bleibe, sagt die Königin milde, als würde sie zu einem Kind sprechen.

Und dann kommt diese geradlinige Person doch ins Schleudern. Als der Unbekannte auftritt und behauptet, ihr Sohn zu sein, wird sie zerrissen zwischen strategischem Denken und Emotionen.

Für ein paar Augenblicke lässt Trine Dyrholm das Machtgesicht der Königin verrutschen, ihre Selbstgewissheit erschüttern, lässt Trauer über Taktik siegen. Und man merkt, wieviel Spaß ihr der Auftritt in diesem feministischen Mittelalterdrama macht.

Die Königin des Nordens © Ramus Videbaek/DFF/SF Studios / Splendid Film GmbH
Bild: Ramus Videbaek/DFF/SF Studios / Splendid Film GmbH

Charlotte Sieling zeigt das Mittelalter aus Frauensicht

Der emotionale Konflikt ist vielschichtiger, es geht nicht um den einsamen Helden, der irgendwo in der Fremde gegen tausend Gegner kämpfen muss. Es geht um Allianzen, Verbündete, langfristige Ziele.

Aber Charlotte Sieling, die gemeinsam mit Jesper Fink auch das Drehbuch geschrieben hat, kennt natürlich ihren Ridley Scott aus dem ff. "Königin des Nordens" wartet mit allen visuellen Zutaten des Historiendramas auf: Die dampfenden Schlachtfelder, die nächtlichen Reite, die Burgen auf Klippen, das alles in unheilvollem Anthrazit gehalten, die Gesichter der Männer sind von Narben entstellt - nur das lange blonde Haar und die goldene Krone der Königin glänzen.

Denn in dem Film werden die Frauen des Mittelalters sichtbar. Charlotte Sieling schaut anders hin: Sie zeigt die kleine Philippa von England, die Verlobte von Erik, als das Kind, das sie ist. Brav sagt sie ein Gedicht auf Französisch auf und schläft bei der Verlobungsfeier ein. Ganz nebenbei ist der Jagdvogel von Margrete weiblich. Vor allem aber geht es im Kern der Geschichte um die Definition von Stärke.

"Ich war zu stark", sagt Margrete am Ende. Die Interpretation dieses Satzes überlässt der grandiose Film jedem einzelnen Zuschauer und jeder einzelnen Zuschauerin.

Simone Reber, rbbKultur

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