Plan A - Was würdest Du tun? © Camino Filmverleih
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Drama - "Plan A - Was würdest Du tun?"

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"Nakam" ist das biblische Wort für Rache. Nakam - so hieß auch eine jüdische Partisanen - Organisation, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Vergeltung üben wollte an der deutschen Bevölkerung. Ihr Plan: Durch vergiftetes Grundwasser in deutschen Großstädten sollten 6 Millionen Menschen sterben – genauso viele wie in den KZs der Nazis. In ihrem Film "Plan A – Was würdest Du tun?" haben die israelischen Filmemacher Doron und Yoav Paz die Geschichte von "Nakam" aufgegriffen – eine differenzierte Reflektion über Sinn und Unsinn von Rache.

Deutschland, im Sommer 1945: Max kommt als Auschwitz-Überlebender zurück in seine alte Heimat. Ausgemergelt ist er, traumatisiert von den Schrecken des Holocaust und auf der Suche nach seiner Frau und seinem Sohn, die er beim Abtransport ins Vernichtungslager zurücklassen musste. Doch helfen will ihm niemand. Die deutsche Bevölkerung begegnet den Juden noch immer mit Misstrauen und Hass. In seinem Haus wohnt nun ausgerechnet der Mann, der ihn einst denunziert hatte.

Der Wunsch nach Rache

Für ihren Film "Plan A – Was würdest Du tun?" haben die israelischen Filmemacher Doron und Yoav Paz die Geschichte der Nakam auf ein menschliches, greifbares Level gebracht. Die Geschichte des Auschwitz-Rückkehrers Max zeigt exemplarisch die Verzweiflung und die Wut der Überlebenden und ihren Wunsch nach Rache. Im eigenen Überleben liegt für Max eine Schuld und eine Verpflichtung gegenüber den sechs Millionen Menschen, die weniger glücklich waren als er.

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Auge um Auge, Zahn um Zahn

Die Handlung des Films führt Max zunächst ins italienische Tarvisio, wo eine jüdische Brigade der britischen Armee stationiert ist. Die Soldaten unter Führung des charismatischen Michail (Michael Aloni) sollen eigentlich den Transport von Auschwitz-Überlebenden nach Palästina organisieren. Nebenbei aber machen die Männer Jagd auf Nazi-Verbrecher. Max schließt sich ihnen an, doch die Verfolgung ehemaliger SSler ist ihm schon bald nicht mehr genug. Er will eine biblische Rache: Auge um Auge, Zahn um Zahn - vor allem nachdem er erfahren hat, dass seine Frau und sein kleiner Sohn nicht mehr leben.

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Sechs Millionen Deutsche sollen sterben

Michail bringt Max in Kontakt mit der Nakam und deren Führer Abba Kovner (Ishai Golan). Eigentlich soll er die Partisanen im Auge behalten und als Spitzel des Militärs fungieren, doch je mehr Zeit Max mit den Mitgliedern der Nakam verbringt, desto mehr lässt er sich von ihren Überzeugungen anstecken. Als er sich in die schöne Anna (Sylvia Hoeks) verliebt, die ebenfalls ihr Kind im Krieg verloren hat, beschließt Max die Nakam bei ihrem monströsen Plan zu unterstützen: Sechs Millionen Deutsche sollen durch vergiftetes Trinkwasser sterben.

Fragen von Schuld und Sühne

Fragen von Schuld, Sühne und Rache stehen im Mittelpunkt dieses Films. Anders als in den meisten Holocaust-Filmen, in denen Juden vor allem als wehrlose Opfer gezeigt werden, stellen Doron und Yoav Paz eine Gruppe von starken, wehrhaften Menschen in den Mittelpunkt ihres Films.

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Das hat zunächst etwas Kathartisches. Doch bald schon stellt sich die Frage, wem ein solche monumentale Rache wirklich genützt hätte. Dem Ansehen der Juden und ihrem Plan, in Palästina einen eigenen Staat zu errichten, sicherlich nicht.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen

Diese Ambivalenz merkt man dem Film an. Man kann sie ablesen am Gesicht von August Diehl. Die Kamera ist immer ganz nah dran und zeigt seinen Schmerz, seine Wut, aber auch seine Zweifel. Auch die Auseinandersetzungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft werden vom ständigen Abwägen geprägt. Anna setzt sich ab von Nakam und geht nach Palästina, Max und Michail werden von Freunden zu Gegenspielern. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen.

Sorgfältige und differenzierte Geschichtsschreibung

"Plan A – Was würdest Du tun?" ist definitiv kein Feelgood-Movie für die Adventszeit, aber auf jeden Fall ein spannender Film, der ein wenig bekanntes Kapitel der Nachkriegsgeschichte sorgfältig und differenziert aufbereitet. Sehenswert.

Carsten Beyer, rbbKultur

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