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Dokumentarfilm - "The Lost Leonardo"

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Mit 400 Millionen Dollar Kaufsumme war das mit 66 x 46 cm nicht sonderlich große Christus-Bild "Salvator Mundi" das teuerste Kunstwerk der Welt - 12 Jahre nachdem zwei amerikanische Kunsthändler es für lächerliche 1.175 Dollar als Werk "aus dem Umkreis von Leonardo" auf einer Auktion in New Orleans erworben hatten. Zum Vergleich: Als zweitteuerstes Kunstwerk wurden "Die Frauen von Algier" von Picasso für knapp 180 Millionen Dollar verkauft. Was in diesen 12 Jahren passiert ist, ist ein Kunstkrimi, den der dänische Regisseur Andreas Koefoed jetzt in dem Dokumentarfilm "The Lost Leonardo" aufrollt.

Erklären lässt sich die astronomische Wertsteigerung von etwas über 1.000 auf 450 Millionen Dollar inklusive der Auktionsgebühren damit, dass es im Kunstmarkt keine festgeschriebenen Kriterien für Werte und Preise gibt. Auf einem Markt, der ebenso schwer zu regulieren ist wie Drogengeschäft und Prostitution, entscheiden allein Angebot und Nachfrage. Das Angebot ist klein - nur 15 offiziell bestätigte Ölgemälde gibt es von Leonardo, alle in fester Museumshand. Schon die vage Aussicht auf ein neues Werk schürt da unweigerlich irrwitzige Hoffnungen und Begehrlichkeiten.

Echt oder falsch? Eine Frage der Interessen

Diese Aufregung macht der Film spürbar. Einerseits gibt es viele Expert:innen, die so eine Entdeckung für völlig absurd halten und die Echtheit des Bildes bis heute vehement anzweifeln. Andere sind unumstößlich von der Echtheit des Bildes überzeugt, so wie die berühmte Kunstrestauratorin Dianne Modestini, die mehrere Jahre an der Wiederherstellung des stark beschädigten Bildes gearbeitet hat. Wenn sie den Moment beschreibt, an dem sie eine Stelle an der Lippe der Christus-Figur entdeckt hat, die erstaunliche Übereinstimmungen mit derselben Stelle an der Mona Lisa aufweist, dann zittert ihre Stimme spürbar ergriffen.

Tatsächlich wird Salvator Mundi oft als männliche Mona Lisa bezeichnet, wobei es auch viele Experten gibt, die sagen, dass der Bildaufbau viel zu simpel sei - gerade im Vergleich mit der raffinierten Mona Lisa.

The Lost Leonardo: Salvator Mundi © Piece of Magic Entertainment
Bild: Piece of Magic Entertainment

Flirrendes Vexierspiel

Andreas Koeford rekonstruiert die Geschichte ausgehend von dem Moment, in dem der sogenannte "Sleeper hunter" – ein Kunsthändler, der sich auf Kunstwerke spezialisiert, die unter Wert angeboten werden – 2004 bei einer Auktion in New Orleans auf dieses stark beschädigte Bild stößt.

Aufgebaut ist der Film dann in drei Teilen: "The Art Game", "The Money Game" und "The Global Game". Es geht um Kunst, um Geld und um weltumspannende Verflechtungen.

Koeford hat viele Fakten und Interviewpassagen zu einem gigantischen Puzzle mit lauter sich widersprechenden und immer wieder auch aneinander hochschaukelnden Aussagen zusammengetragen.

"The Lost Leonardo" ist ein flirrendes Vexierspiel mit russischen Oligarchen und arabischen Prinzen, in dem jeder seine Motive und die dazu passenden Fakten hat. Und mittendrin der Regisseur, der sich wie ein Detektiv in diesem undurchdringlichen Dickicht auf die Suche nach einer schwer zufassenden Wahrheit begibt.

The Lost Leonardo: Dianne Modestini © Piece of Magic Entertainment
Bild: Piece of Magic Entertainment

Ein internationaler Kunstthriller

Auf keinen Fall ist "The Lost Leonardo" ein Film nur für Kunstkenner:innen und Leonardo-Liebhaber:innen. In den Sog der Erregung, das Wechselbad widerstreitender Aussagen und Gefühle, werden auch die Zuschauer:innen reingezogen. Der Film ist ein Kunstthriller mit Elementen von Wirtschafts- und Politkrimi, in denen nicht nur Kunsthistorikerinnen und Sammler auf der Suche nach der Wahrheit sind, sondern auch FBI und CIA, denn schließlich werden unhandliche 450 Millionen zum kompakten Objekt, das sich im kleinen Köfferchen unauffällig transportieren lässt.

Nach der Auktion im November 2017 war eine ganze Weile gar nicht klar, wer das Bild gekauft hat, erst später kam raus, dass es der Kronprinz von Saudi-Arabien war. Zur Erinnerung: Das ist der, der als Drahtzieher des Kashoggi-Journalistenmordes gilt. Bald gibt es Fotos, in denen er vom französischen Präsidenten Macron umworben wird, weil Frankreich das Bild gerne in der großen Leonardo-Ausstellung im Louvre gezeigt hätte.

Dazu kam es nicht, wohl weil der Prinz darauf bestand, es in den selben Raum und direkt gegenüber der Mona Lisa zu hängen, wodurch das zweifelhafte Werk international aufgewertet worden wäre: Jedes Detail ist hier spannend und vieldeutig.

Manchmal erinnert die Geschichte des verlorenen Leonardo an die aberwitzige Geschichte um die gefälschten Hitler-Tagebücher. Ob das nun ein echter Leonardo sein könnte, weiß man am Ende vielleicht nicht, aber man hat viel erfahren über die Mechanismen des Kunstmarktes und seine Verwicklungen mit Politik und Wirtschaft.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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