West Side Story © Niko Tavernise/20th Century Studios
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Musical-Neuverfilmung - "West Side Story"

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Eine Romeo und Julia-Geschichte, in der statt der beiden verfeindeten Familien die rivalisierenden Jugendgangs der Puertorikanischen Sharks und der ethnisch weißen Jets in den Fünfziger Jahren auf den Straßen von New York aufeinandertreffen. Aus dem berühmten Broadway-Stück mit der Musik von Leonard Bernstein und den Texten von Steven Sondheim wurde unter der Regie von Robert Wise ein Musicalfilm-Klassiker. Jetzt wagt sich Steven Spielberg, dreifacher Oscar-Preisträger und Regisseur von Film-Erfolgen wie "Schindlers Liste", "Der weiße Hai", "ET" und der "Indiana Jones"-Trilogie an eine Neuauflage der "West Side Story".

Zunächst ist alles ganz vertraut: die Musik, die Choreografie der im Tanz ausgetragenen Kämpfe, der Retro-Look der 50er Jahre, mit den schnittigen Heckflossen der Vintage Autos. Und fast könnte man sich fragen, warum es eigentlich eine neue Version dieses Klassikers braucht.

Retro-Nostalgie und aktuelle Konflikte

"West Side Story" war Steven Spielbergs Lieblings-Musical, seit er sich die Platte mit zehn Jahren vom Taschengeld gekauft hatte. In seinen Augen ist die Geschichte, die ihrer Zeit in den Fünfzigerjahren weit voraus war, heute noch relevanter als damals: "Das Musical hat mich als Kind inspiriert und ich dachte, dass nach mehr als 60 Jahren die Zeit wieder dafür gekommen ist, denn das ist ein Stoff, der über die Generationen hinweg vermittelt werden sollte"

West Side Story © Niko Tavernise/20th Century Studios
Bild: Niko Tavernise/20th Century Studios

Eine neue Version für die Generationen von heute: Tatsächlich gleichen sich die Konflikte von damals und jetzt. So wie im heutigen Amerika geht auch in den Fünfzigern schon um die Rivalität zwischen Einwanderern und ethnisch weißen Bewohnern. "… if you’ re white in America" heißt es mit den Texten von Sondheim zur Musik von Bernstein.

Aber es geht auch um finanzkräftige Bauspekulanten, die die ärmeren Bevölkerungsschichten aus der Innenstadt an die Stadtränder drängen, wie Riff, der Anführer der weißen Jets, frotzelt: "Ich hab begriffen, dass alles, was ich kenne, entweder verkauft, abgerissen oder von Leuten übernommen wird, die ich nicht leiden kann."

Romeo und Julia nicht auf dem Balkon, sondern auf der Feuertreppe

Die Schuldigen sind da schnell in den puertorikanischen Einwanderern gefunden. Die Kämpfe werden zuerst dynamisch in der Tanzhalle ausgetragen und später mit Fäusten und Messern in einer riesigen Lagerhalle. Während die Jungs Kriegspläne schmieden, entsteht aus dem Blickkontakt zwischen Tony von den Jets und Maria von den Sharks eine Amour Fou, die den Hass überwindet: "Ich hab dich noch nie gesehen. Du bist kein Puertorikaner", sagt Maria. "Ist das ein Problem?", erwidert Tony.

Die Liebe über die Grenzen der verfeindeten Lager hinweg bringt sowohl Tony wie Maria zuhause in Schwierigkeiten: "Wer bist du? Freund oder Feind?", fragt Riff Tony. "Du hältst dich von ihm fern, so lange du in meinem Haus wohnst!", fordert Bernardo von Maria, die sich widersetzt: "Ich bin jetzt erwachsen, Bernardo, ich mache was ich will!"

Nicht nur ein Film über, sondern auch mit Latinas und Latinos!

Auf den ersten Blick wirkt der Film vor allem kunstvoll und traditionsbewusst, die jungen Darsteller:innen singen und tanzen in vertrauten Choreografien durch die Straßen und Baustellen, Tanzhallen und Garagen und auf den Dächern von New York.

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"West Side Story": Ariana DeBose als Anita u. David Alvarez als Bernardo | Bild: Niko Tavernise/20th Century Studios

Doch ganz schnell wird man dann als Zuschauer:in von der Energie und dem Schwung der jungen Darsteller:innen und von der Dynamik der Inszenierung mitgerissen und überschwemmt von den leuchtenden Farbkontrasten der flatternd gelben Tellerröcke mit feuerroten Unterröcken, dem Farbrausch aus fliederlila, rot und pink.

Abenteuer, Science-Fiction, Biopic, Südstaatendrama: Steven Spielberg hat schon viele Genres ausprobiert, doch mit 75 Jahren wagt er sich zum ersten Mal an ein Musical - und ist völlig in seinem Element! Während Robert Wise in den 50er Jahren auch die meisten Puertorikaner:innen mit weißen Darsteller:innen wie etwa Natalie Wood als Maria besetzt hat und ihren Teint mit Make-up einheitlich dunkel tönen ließ, hat Steven Spielberg jetzt ausschließlich Latinas und Latinos besetzt.

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"West Side Story": Rita Moreno als Valentina | Bild: Niko Tavernise/20th Century Studios

Ein ganz besonderer Coup ist ihm mit der Besetzung von Rita Moreno gelungen. Für die Darstellerin, die vor rund sechzig Jahren als Anita Oscar-Geschichte geschrieben hat, ließ er eigens eine neue Rolle ins Stück schreiben. Als Witwe des Süßwarenladenbesitzers Doc steht sie den Kids mit Rat und Tat vermittelnd bei, wie zum Beispiel Tony, der ein paar wichtige Sätze Spanisch lernen möchte.

Mitreißendes Update der "West Side Story"

1961 war es revolutionär, dass ein Hollywoodfilm vom Leben der puertorikanischen Einwanderer erzählte. Doch erst heute dürfen sie sich wirklich alle selber repräsentieren. Allein deshalb lohnt sich dieses in jeder Hinsicht mitreißende Update der "West Side Story".

Anke Sterneborg, rbbKultur

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