In Liebe lassen © Studiocanal GmbH/Laurent Champoussin
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Drama - "In Liebe lassen"

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Mitten in einer Pandemie einen Film übers Sterben in die Kinos zu bringen, ist mutig. Doch "In Liebe lassen", der neue Film der französischen Regisseurin Emmanuelle Bercot, ist mehr als nur die Leidensgeschichte eines jungen Mann, der von seiner Mutter in den Tod begleitet wird. Dafür sorgt neben den beiden Hauptdarsteller:innen Benoît Magimel und Catherine Deneuve auch der Onkologe Gabriel Sara, der sich hier selbst spielt.

In Liebe lassen © Studiocanal GmbH/Laurent Champoussin
Crystal (Catherine Deneuve) und ihr Sohn Benjamin (Benôit Magimel) | Bild: Studiocanal GmbH/Laurent Champoussin

Benjamin (Benoît Magimel) ist unheilbar an Krebs erkrankt. Maximal ein Jahr bleibt ihm noch, so die unerbittliche Diagnose seines Arztes Dr. Eddé (Gabriel Sara). Ein Schock für den Enddreißiger, der als Schauspiellehrer an der Uni arbeitet, ein Schock aber auch für seine Mutter Crystal (Catherine Deneuve), die ihren Sohn auf seinem Leidensweg begleitet. Lohnt sich eine Chemotherapie überhaupt noch? Wie werden die letzten Monate aussehen? Und: Kann man sich auf den Tod wirklich vorbereiten?

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Benjamin (Benôit Magimel) und Dr. Eddé (Dr. Gabriel Sara) | Bild: Studiocanal GmbH/Laurent Champoussin

Brutal ehrlich

Regisseurin Emmanuelle Bercot ("Die Frau aus Brest", "Madame empfiehlt sich") hat glücklicherweise weitestgehend auf Kitsch und Gefühlsduselei verzichtet: "In Liebe lassen" ist ein sehr ehrlicher Film, der wehtut, der nichts beschönigt, der aber gerade deshalb ein Ereignis ist.

Das liegt vor allem an Gabriel Sara. Der New Yorker Onkologe, den Emmanuelle Bercot vor Jahren zufällig kennengelernt hat, fungiert in diesem Film nicht nur als Berater, sondern er spielt sich quasi selbst – einen unkonventionellen, etwas schrägen, aber immer warmherzigen Sterbebegleiter.

Ein Arzt mit Gitarre

Ob er im Kreise seiner Pfleger:innen Gitarre spielt und alte Rocksongs singt oder mit immer neuen Krawatten für etwas bunte Abwechslung im tristen Krankenhausalltag sorgt – Dr. Eddé ist ein Original. Sein Credo ist die absolute Ehrlichkeit – auch die der Patient:innen ihrem Schicksal gegenüber.

Die Szenen zwischen ihm und Benjamin sind manchmal fast schon zu intim, aber sie sind sehr authentisch. Da ist wenig gekünstelt und das ist wohltuend – inmitten einer ausweglosen Situation.

Die letzten Dinge regeln

Ein paar letzte Dinge müssen noch erledigt werden: Benjamin muss sich von seinen Schauspielschüler:innen verabschieden, er muss das Verhältnis zu seiner Mutter klären und er will sein Testament machen und dabei endlich die Vaterschaft für seinen lange verleugneten Sohn Léandre (Oscar Morgan) anerkennen. Der wiederum kommt extra aus dem ferenen Amerika angereist, kann sich aber nicht durchringen, dem unbekannten Vater auf dem Sterbebett gegenüberzutreten.

All das ist fast schon zu viel für das Drehbuch, vor allem da Emmanuelle Bercot überflüssigerweise auch noch eine letzte Liebelei mit einer Krankenschwester (Cécile de France) untergebracht hat.

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Crystal (Catherine Deneuve) | Bild: Studiocanal GmbH/Laurent Champoussin

Eine Meisterleistung der Diva

Am stärksten ist "In Liebe lassen" immer dann, wenn sich der Film auf das Dreieck Benjamin – Dr. Eddé – Crystal konzentriert. Der Kranke, der Arzt und seine Mutter. In ihren Gesprächen liegt viel Wahrheit und die eigentliche Botschaft des Films. "Sterben bedeutet loszulassen", sagt Dr. Eddé an einer Stelle. "Von den Kranken genauso wie von den Angehörigen". Für Benjamin ist das nicht leicht, für seine Mutter fast unmöglich.

Wie sie es am Ende dennoch schafft, das ist großes Kino – und eine weitere Meisterleistung der Diva Catherine Deneuve.

Carsten Beyer, rbbKultur

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