Lamb © Koch Films
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Drama - "Lamb"

Bewertung:

Eine Einladung zum Festival in Cannes, einen Europäischen Filmpreis und eine Oscar-Nominierung: Nicht schlecht für einen Debüt-Film. "Lamb" von Valdimar Jóhannsson ist ein merkwürdiges Hybrid aus Ehedrama, Fantasy-Film und Horrorstory – erzählt vor der fantastischen Kulisse des isländischen Hochlands.

Ingvar (Hilmir Snær Guðnason) und Maria (Noomi Rapace) betreiben in einem abgelegenen Tal im Norden Islands eine Schaffarm. Die beiden sind verheiratet, aber kinderlos, denn Maria kann nach einer Fehlgeburt keine Kinder mehr bekommen.

Lamb © Koch Films
"Lamb": Noomi Rapace | Bild: Koch Films

Geschenk des Himmels?

Eines Tages gebiert eines ihrer Schafe ein seltsames Zwitterwesen – halb Mensch, halb Schaf, mit einem menschlichen Körper und einem Schafskopf. "Ein Geschenk des Himmels" – da sind sich die beiden einig – und beschließen, das Lamm an Kindes statt anzunehmen. Sie füttern es mit dem Fläschchen, lassen es in einem Kinderbettchen in ihrem Schlafzimmer schlafen und lesen ihm abends mit größter Selbstverständlichkeit Geschichten vor.

Familien-Idyll mit Hindernissen

Als Maria mit einem Gewehr das Mutterschaf aus dem Weg geräumt hat, scheint dem Familien- Idyll nichts mehr im Weg zu stehen: Doch da taucht Pétur (Björn Hlynur Haraldsson) auf, Ingvars Bruder, den seine Freundin vor die Tür gesetzt hat. Der ehemalige Rockmusiker tut sich schwer, das neue Glück seines Bruders zu akzeptieren – und, was noch schwerer wiegt: Er macht sich ziemlich unverhohlen an seine Schwägerin ran. Schließlich verbindet die beiden eine alte Geschichte aus der Vergangenheit.

Minimalistisches Kammerspiel

Nur drei Darsteller:innen, eine sehr begrenzte Bühne und dazu kurze, aufs Äußerste verknappte Dialoge: "Lamb" ist ein minimalistisches Kammerspiel und damit eine große Herausforderung für alle Schauspieler:innen. Dabei ist die grimmige Entschlossenheit der Eheleute, um jeden Preis ihr Eheglück zu retten genauso überzeugend wie das stumme Entsetzen Péturs über das merkwürdige Szenario, das sich ihm auf der Farm seines Bruders bietet.

Hybrid aus Familiendrama, Horrorstory und schwarzer Komödie

Genauso wie das titelgebende Lamm ist auch Valdimar Jóhnannssons Debutfilm ein Hybrid – aus Familiensrama, Horrorstory und schwarzer Komödie. Dabei lässt sich der isländische Regisseur viel Zeit und legt seine Fährten mit größter Vorsicht: Während Eli Arensons Kamera durch Natur, Berge und Nebel mäandert, hinterlässt die Musik von Þórarinn Guðnason ein dunkel dräuendes Unbehagen. Irgend etwas Unheimliches wird hier noch passieren, aber was?

Der Vergleich mit den Filmen von Andrej Tarkowski drängt sich auf, auch mit dem Ungarn Béla Tarr, der bei "Lamb" als Ko-Produzent beteiligt war.

Lamb © Koch Films
"Lamb": Noomi Rapace u. Björn Hlynur Haraldsson | Bild: Koch Films

Ein Kurzfilm hätte gereicht

Mit der Zeit fragt man sich aber dann doch: Was soll das alles? Dass hier der Kampf des Menschen gegen die Natur verhandelt wird, hat man irgendwann verstanden. Auch dass die Hybris der Menschheit, sich alles untertan zu machen, zu keinem guten Ende führen kann, versteht sich von selbst. Für die knapp zwei Stunden, die dieser Film dauert, ist das zu wenig. Mehr Tiefgang, ein bisschen mehr Handlung und eine klare Botschaft hätten "Lamb" nicht geschadet.

So bleibt am Ende der Eindruck, dass man die Geschichte auch in einem Kurzfilm hätte erzählen können.

Carsten Beyer, rbbKultur

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