Nightmare Alley © 20th Century Studios/The Walt Disney Company
20th Century Studios/The Walt Disney Company
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Thriller - "Nightmare Alley"

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Mit der Comicverfilmung "Hellboy" und seinem Oscar-Triumph "The Shape of Water" hat sich der Mexikaner Guillermo del Toro als Meister des düsteren Horrormärchens etabliert. Sein neustes Werk heißt "Nightmare Alley" und ist die Neuverfilmung eines Krimis der schwarzen Serie von William Lindsay Gresham. Der neue Film ist mit Bradley Cooper, Cate Blanchett, Rooney Mara und Willem Dafoe prominent besetzt - und das ist nur der Anfang einer langen Liste charismatischer Schauspieler:innen.

Zugleich vertraut und völlig anders: Das sind die widersprüchlichen ersten Eindrücke dieses Films. Wie gewohnt entführt Guillermo del Toro die Zuschauer:innen in düstere Zauberwelten.

Nightmare Alley © 20th Century Studios/The Walt Disney Company
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Schausteller-Magie statt Monstren, Märchen- und Fabelwesen

Doch dieses Mal gibt es keine Monstren, Märchen- und Fabelwesen, keine Fantasiefluchten aus einer schrecklichen Welt. Stattdessen eröffnet er mit der realen Magie der Schausteller auf dem Jahrmarkt. In der ersten Szene hat Stanton Carlisle (Bradley Cooper) die Brücken zu einer offenbar dunklen Vergangenheit abgebrannt, um danach mit ein paar Habseligkeiten beim fahrenden Volk unterzutauchen, wo niemand Fragen stellt.

Nightmare Alley © 20th Century Studios/The Walt Disney Company
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Er beginnt mit einem Aushilfsjob, wird bald Assistent und Liebhaber der Hellseherin Zeena (Toni Colette), doch er will mehr: Erfolg in der großen Stadt und die Liebe von Molly (Rooney Mara), die die Illusion erweckt, immense Stromstöße aushalten zu können.

Von dem Wahrsager-Pärchen lässt er sich die Tricks beibringen und von ihren Warnungen nicht abschrecken. Molly und er gehen nach New York und faszinieren ihr Publikum in mondänen Clubs.

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Die Therapeutin und der Hellseher

Doch dann kommt eine dritte Frau ins Spiel: Die Therapeutin Dr. Lilith Ritter schickt sich an, den faulen Trick zu entlarven - nur knapp kann Stanton die Situation retten.

Cate Blanchett spielt diese Frau als klassische Femme fatale wie man sie aus den Krimis der schwarzen Serie kennt: mit geschmeidig-katzenhaften Bewegungen, leuchtend roten Lippen und schimmernd blondem Haar, das ihr Alabaster-Gesicht mit einer seidigen Welle umrahmt. Noch stärker kommt die magnetische Wirkung ihres Auftretens im sehr zu empfehlenden englischen Original zur Geltung, wo sie Stanton mit ihrer rauchigen Stimme in den Abgrund lockt und zugleich warnt.

Nightmare Alley © 20th Century Studios/The Walt Disney Company
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Die Schauwerte des klassischen Hollywoods

"Nightmare Alley" ist ein visuelles Fest. In liebevoller Ausstattung mit vielen Art Deco-Details und elegant fließenden Kostümen lässt Guillermo del Toro die Zeit des klassischen Hollywoods wieder auferstehen. In einer Fülle von Spiegeln und Kreisformen setzen sich die Motive der Erzählung in die Tiefe des Raumes fort, mit vielen eingestreuten Zitaten aus der Filmgeschichte - von Alfred Hitchcock bis Otto Preminger.

Wie schon in seinen früheren Filmen schürt Guillermo del Toro auch hier wieder auf der Tonspur die unheimlichen Untertöne dieser Geschichte, in der der American Dream zum Albtraum wird.

Psychologische Abgründe ersetzen fantastische Kreaturen

Mehrmals hätte Stanton die Chance zum Glück, doch die Gier treibt ihn immer weiter in die Arme eines mächtigen und gefährlichen Mannes, mit dem nicht zu spaßen ist. "Manchmal sieht man Grenzen erst, wenn man sie überschritten hat", räumt Stanton ein.

Anders als in den bisherigen Filmen von Guillermo del Toro gibt es in "Nightmare Alley" keine fantastischen Kreaturen. Das Spektakel wird von den Abgründen der Psychologie verdrängt. Doch seinem großen Thema bleibt er dennoch treu, denn schon immer war in seinen Geschichten der Mensch selber das gefährlichste aller Biester. Dabei hat diese in den Dreißigerjahren angesiedelte Geschichte durchaus moderne Bezüge. Das raffinierte Spiel mit Lüge und Wahrheit, mit Manipulation und Selbstbetrug kennt man auch heute von den bösen, populistischen Magiern im Polit-Zirkus.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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