Wanda, mein Wunder © Zodiac Pic. Ltd 2020
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Tragikomödie - "Wanda, mein Wunder"

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Nicht nur in der Schweiz boomt der Markt für ambulante Pflegekräfte aus den osteuropäischen Ländern, die monatsweise ihre eigene Familie gegen eine fremde eintauschen. Mit diesem Thema befasst sich die Schweizer Filmregisseurin Bettina Oberli in ihrem neuesten Film "Wanda, mein Wunder". Die Tragikomödie ist prominent mit Film- und Theatergrößen wie Marthe Keller, André Jung und Birgit Minichmayr besetzt.

Alle freuen sich auf Wanda, die polnische Pflegekraft, vor allem Josef (André Jung), der Familienpatriarch, der seit einem Schlaganfall bettlägerig ist, aber auch sein Sohn (Jacob Matschenz), der an der Raststation sehnsüchtig auf ihren aus Polen ankommenden Bus wartet, und Josefs Frau Elsa (Marthe Keller).

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Wohlhabend aber knausrig

Die Schweizer Bauunternehmer-Familie Wegmeister-Gloor lebt idyllisch in einer Villa mit weitläufigem Garten am Zürichsee, deren Räume Wanda mit ihrer unaufdringlichen Natürlichkeit erhellt.

Natürlich hätte die gut situierte Familie genug Geld, um eine Pflegekraft anständig zu bezahlen. Stattdessen wird um das karge Honorar gefeilscht: 200 Franken will die Hausherrin für zusätzliche Haushaltsarbeiten in den drei Monaten von Wandas Anwesenheit zahlen, 200 pro Monat fordert Wanda.

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Elsa, ich werde Vater!

Schon in ihrem Erfolgsfilm "Die Herbstzeitlosen" hat sich Bettina Oberli komödiantisch mit den Problemen und Möglichkeiten des Alters befasst. Zusammen mit Co-Autorin Cooky Ziesche, die sonst vor allem die Drehbücher für Andreas Dresen schreibt, macht sie Wanda zum Brennglas, unter dem die Risse in der scheinbar heilen Familie genauso sichtbar werden wie soziale und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten.

Denn während Wanda die fremde reiche Familie versorgt, muss sie ihre eigenen kleinen Kinder in Polen zurücklassen. Von ihr wird eine familiäre Hingabe erwartet, die ihr aber selber verweigert wird - schon beim runden Geburtstag des Patriarchen ist Wanda nicht erwünscht.

Gelegentlich ruft Josef Wanda nachts über das Babyfon in sein Zimmer, für einen kleinen Extra-Gefallen mit Sonderbezahlung. Den gewünschten Beischlaf erledigt sie dann genauso gleichmütig wie das Waschen seines Körpers am Tage.

Auf den alten Herrn wirkt Wanda wie ein Jungbrunnen. Tatsächlich kann er plötzlich wieder aufstehen und gehen. Aber das ist noch nicht alles: Freudig verkündet er seiner Frau: "Elsa! Ich werde Vater! Ich werde Vater!"

Lachen oder Weinen? Beides!

Die Familie ist weniger begeistert über diese Offenbarung. Alle wissen, was mit dem Ungeborenen zu tun sei, der ja schließlich ein potentieller Konkurrent ums Erbe ist. Also: abtreiben, zur Adoption freigeben oder vielleicht als eigenes Kind großziehen? Denn die von Birgit Minichmayr sensationell grantig und zugleich verletzlich gespielte Tochter des Patriarchen leidet unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch: "Wieso kriegen immer die anderen die Kinder?", fragt sie resigniert.

In rasantem Tempo werden alle Konstellationen durchgespielt, immer schneller dreht sich das Karussell der Möglichkeiten, immer neue aberwitzige Ideen werden ausgebrütet. Und jede neue Wendung lässt einen nach Luft schnappen, so egoistisch, übergriffig und gierig sind die Vorschläge.

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Das hätte das Zeug zur albernen Klamotte, ist hier aber so fein austariert zwischen ungenierter Boshaftigkeit und zutiefst menschlicher Not, dass man nie so recht weiß, ob man wirklich noch lachen kann oder doch schon längst weinen müsste.

Getragen wird diese zutiefst tragische und immer wieder sehr komische Familiengeschichte von einem wunderbaren Ensemble von Schauspieler:innen, die ähnlich wie am Theater viel geprobt, chronologisch gedreht und quasi zusammengelebt haben, so dass sie glaubhaft zur Familie zusammengewachsen sind:

"Überlass' mich nicht diesen Verrückten!" fleht Josef. "Sie sind nicht verrückt! Sie sind Familie", erwidert Wanda: "Das ist ein Beweis für Liebe!"

Anke Sterneborg, rbbKultur

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