AEIOU - Das schnelle Alphabet der Liebe © Reinhold Vorschneider / Komplizen Film
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Drama | Berlinale Wettbewerb - "AEIOU - Das schnelle Alphabet der Liebe"

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Der zweite Berlinale-Wettbewerbsfilm aus Deutschland an diesem Wochenende ist "AEIOU – Das schnelle Alphabet der Liebe", der vierte Spielfilm der Schauspielerin Nicolette Krebitz. In ihrem letzten Film "Wild" erzählte sie eine extreme Liebesgeschichte zwischen einer jungen Frau und einem Wolf. Auch in "AEIOU" geht es um eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einem 17-jährigen Jungen und einer 60-jährigen Frau.

Die Theaterschauspielerin Anna (Sophie Rois) hat einen schlechten Tag. Nach einem blöden Synchronjob mit einem übergriffigen Spielpartner wird ihr in der Nähe der "Paris Bar" die Handtasche geklaut - von einem Mann, den sie flüchtig wahrnimmt. Ein paar Tage später steht dieser junge Mann auf Vermittlung eines befreundeten Arztes vor ihrer Tür, sie soll den Jungen aus schwierigen Verhältnissen für eine Schultheatervorführung coachen. Sie erkennt den Dieb, überspielt das aber.

AEIOU - Das schnelle Alphabet der Liebe © Reinhold Vorschneider / Komplizen Film
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Reine Liebe erhebt sich über die Konventionen

So beginnt eine wunderbar leichte und zugleich tiefgründige, sehr reale und ein bisschen märchenhafte Annäherung zwischen den beiden.

Als Realistin entzieht sich Anna zunächst entschieden, gerät aber doch langsam in den Sog dieser Anziehung. Nicolette Krebitz erzählt das zugleich sehr fein und sehr präzise, als reine Liebe, die den großen Altersunterschied vergessen lässt.

Tänzerischer Taschendiebstahl an der Côte d’Azur

Auf einem spontanen Trip an die Côte d’Azur streift sich der Film dann verschiedene Genre-Kleider über, flirtet mit amerikanischen High Society-Komödien und der Nouvelle Vague: Wie eine flirrende Version von "Bonnie and Clyde" rennen Anna und Adrian mit Masken aus Zeitungspapier durch die Straßen und zelebrieren Taschendiebstahl als tänzerische Choreografie.

Mühelos kann der Newcomer Milan Herms neben der großen Mimin Sophie Rois bestehen. Am Anfang wirkt er linkisch und unsicher, beginnt dann aber innerhalb der Rolle immer mehr Selbstbewusstsein, Charme und Format zu entwickeln. Die schwerelose Leichtigkeit der Bilder balanciert Sophie Rois' Anna mit einem selbstironischen Kommentar, in dem sie - ähnlich wie Emma Thompsons Autorenstimme in "Stranger than Fiction" - das eigene Leben literarisch überhöht.

Auf sehr leichte und luftige, aber auch klug-ironische Weise spielt Nicolette Krebitz mit Genrekonventionen. Ein erster Höhepunkt des Wettbewerbs.

Anke Sterneborg, rbbKultur

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