Der Mann, der seine Haut verkaufte © eksystent Filmverleih
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Drama - "Der Mann, der seine Haut verkaufte"

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Es ist das erste Mal, dass Tunesien einen Film ins Rennen um den Oscar schickt: "Der Mann, der seine Haut verkaufte". Bei diversen Festivals gelaufen, kommt diese schwarzhumorige Satire jetzt bei uns in die Kinos. Fassungslos folgt man der Geschichte, in der zwei einander vollkommen fremde Welten aufeinanderprallen.

Als er seiner Freundin in einem öffentlichen Bus einen Heiratsantrag macht und sie einwilligt, hält Sam nichts mehr auf seinem Platz: Überglücklich steht er auf, ruft nach der Revolution, nach der Freiheit: frei will er sein, um diese Frau zu heiraten. Wegen dieser Episode aber wird Sam wenig später von der Polizei festgenommen ...

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Flucht aus Syrien nach Europa

Seine Freundin sieht er erst wieder, als ihm die Flucht aus dem Gefängnis gelingt – da aber ist sie schon vergeben: An einen anderen mit Schlips und Anzug, den die Eltern für ihre Tochter Abeer ausgesucht haben. Die Hochzeit ist geplant, und auch die Übersiedlung nach Europa. Abeer wehrt sich nicht, sie wird tun, was man von ihr verlangt.

Anders Sam: ein wilder, stolzer Mann, der die Freiheit sucht und nicht bereit ist, auf Abeer zu verzichten. Auch darum flieht er aus Syrien in den Libanon. Von hier aus will er weiter – nach Europa. Wird zu einem Flüchtling, dem man seine Armut ansieht, und auch, dass er nicht auf die Kunstausstellungen gehört, die er besucht.

Ein teuflischer Deal

Wie die Ausstellung eines belgischen Konzeptkünstlers. Entdeckt von dessen Assistentin Soraya, die ihm höhnisch anbietet, ihm ein "Doggy Bag" mit den Resten des Buffets zusammenstellen zu lassen, stellt er sich entgegen: Sam ist niemand, der sich demütigen lässt.

Vielleicht auch darum wird der Künstler selbst auf ihn aufmerksam. Er, dessen Bilder auf dem internationalen Kunstmarkt zu Höchstpreisen gehandelt werden sind, ist auf der Suche nach Neuem, noch nie da Gewesenem. Und schlägt Sam einen teuflischen Deal vor: Er will ihm ein Schengen-Visum auf den Rücken tätowieren - als Kunstwerk, das um die Welt gehen soll.

Sam willigt ein - es ist seine Chance, nach Belgien zu kommen und Abeer wiederzusehen.

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Alles für die Kunst

Ganz nahe ist die Kamera, wenn der faustische Akt vollzogen, Sams Rücken zum lebenden Kunstwerk wird. Fortan wird er stundenlang still in Museen sitzen, um das Werk auf seinem Rücken bestaunen zu lassen. Auf Auktionen vorgeführt werden wie ein Gegenstand.

Fassungslos folgt man dieser Geschichte, bei der die Realität Pate stand: 2008 tätowierte der belgische Konzeptkünstler Wim Delvoye den Rücken des Schweizers Tim Steiner. Steiner erklärte sich freiwillig bereit, seinen Rücken in Galerien auszustellen und nach seinem Tod das Bild auf seiner Haut operativ entfernen zu lassen. Alles für die Kunst.

Eine unverkennbar arabische Stimme im Kino, die es verdient, gehört zu werden

Beeindruckend gelingt es der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hania, zwei einander vollkommen fremde Welten aufeinanderprallen zu lassen. Stilsicher übersetzt sie den Wahnsinn des zeitgenössischen Kunstmarktes in ausgeklügelt komponierte Bilder.

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Schade allein, dass die Rolle der angebeteten Frau so flach bleibt, da hätte man sich mehr Mut gewünscht. Anders die Figur der Assistentin Soraya, die Monika Bellucci mit elitärer Arroganz verkörpert. Sie ist der Widerpart von Sam Ali - kraftvoll und unbeugsam gespielt von dem syrischen Schauspieler Yahya Mahayni, den seine Regisseurin als "Rohdiamant" bezeichnet.

Der Film erinnert natürlich an die 2017 mit einem Oscar ausgezeichnete schwedische Satire über moderne Kunst "The Square". Auch "Der Mann, der seine Haut verkaufte" ist jetzt für einen Oscar nominiert. Eine unverkennbar arabische Stimme im Kino, die es verdient, gehört zu werden.

Christine Deggau, rbbKultur

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