Nana © Batara Goempar
Batara Goempar
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Drama | Berlinale Wettbewerb - "Nana"

Bewertung:

Eine schreckliche Vergangenheit liegt hinter ihr, doch auch in der Gegenwart wird Nana nicht glücklich: Mit einer starken Hauptdarstellerin und opulenten Bildern erzählt Kamila Andini eine Geschichte aus dem Indonesien der 60er Jahre. Doch beim Versuch, die verschiedenen Zeitebenen und Erzählstränge gleichzeitig in der Luft zu halten, verheddert sich der Film.

Nana (Happy Salma) ist eine Frau, die mit Mitte 30 schon viel Schlimmes erlebt hat: Im Unabhängigkeitskrieg Anfang der 50er Jahre hat sie ihren ersten Ehemann verloren. Ihr Vater wurde ermordet, weil er sie nicht einem Rebellenführer zur Frau geben wollte, und sie selbst ist nur mit knapper Not dem Tode entronnen.

Nana © Batara Goempar
Bild: Batara Goempar

Schatten der Vergangenheit

Nun, 15 Jahre später, lebt Nana ein komfortables Leben auf dem Land - als zweite Frau des deutlich älteren Mr. Darga (Arswendy Bening Swara). Sie hat ein schönes Haus, ihr Mann macht ihr kostbare Geschenke und die Dienstboten kümmern sich um ihre Kinder. Und doch ist Nana nicht glücklich. Zum Einen wird sie nachts noch immer von Alpträumen aus ihrer Vergangenheit heimgesucht, zum Anderen hat ihr Mann ein Verhältnis mit der Fleischerin Ino (Laura Basuki) und betrügt sie schamlos vor ihren Augen.

Nana © Batara Goempar
Bild: Batara Goempar

Geschmeidig wie Wasser

Wer nun allerdings ein großes Eifersuchts- oder Liebesdrama erwartet, hat sich getäuscht. "Ich bin geschmeidig wie Wasser. Ich passe mich an", ist Nanas Credo. Anstatt mit der neuen Geliebten ihres Ehemannes zu konkurrieren, freundet sie sich mit ihr an. Bei ihren Gesprächen träumen die beiden Frauen von einem Leben, in dem sie wirklich frei sind und nicht mehr abhängig vom Geld und den Launen der Männer.

Nana © Batara Goempar
Bild: Batara Goempar

Geschichte und Gegenwart

"Nana" ist eine Romanverfilmung, eine Geschichte, die weit in die indonesische Vergangenheit hineinführt: Der Unabhängigkeitskrieg gegen Niederländer und Japaner spielt genauso eine Rolle wie der Kampf gegen den Kommunismus und die Machtübernahme von General Suharto im Jahr 1966 - ein Diktator, der den Inselstaat anschließend über 30 lang mit eiserner Faust regierte.

Elegante Bilder

Kamila Andini arbeitet mit sehr opulenten, eleganten Bildern (Kamera: Batara Goempar), was ihren Film anfangs durchaus sehenswert macht. Man sieht üppige Regenwälder, man lernt, wie es in einem wohlhabenden indonesischen Haushalt zugeht und man kann ein Stück weit teilhaben am Flair der 60er Jahre in Südostasien.

Vielversprechender Beginn, enttäuschender Schluss

Je länger der Film jedoch dauert, desto anstrengender wird er und desto konfuser. Es tauchen immer wieder neue Figuren auf, andere Handlungsstränge werden einfach liegen gelassen – und man weiß eigentlich gar nicht mehr so genau, was Kamila Andini eigentlich erzählen will: Geht es hier wirklich um ihre Hauptfigur? Geht es um die Geschichte ihres Landes? Oder geht es vielleicht um die Rolle der Frau in der indonesischen Gesellschaft?

In permanenten Rückblenden und Zeitsprüngen zerfleddert die Geschichte und selbst die Eleganz der Bilder beginnt irgendwann zu langweilen. Ein vielversprechender Beginn und ein enttäuschender Schluss ergeben zusammen leider keinen guten Film.

Carsten Beyer, rbbKultur

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