Robe of Gems © Visit Films
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Drama | Berlinale Wettbewerb - "Robe of Gems"

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Mexiko hat eine der weltweit höchsten Kriminalitätsraten, Tausende von Menschen verschwinden jedes Jahr. Es gibt einige großartige Filme, die davon erzählen, was es heißt, hier zu leben: "Sicario" von Denis Villeneuve zum Beispiel oder ganz aktuell "Was geschah mit Bus 670?", der gerade diese Woche regulär ins Kino kam. "Robe of Gems" ist das Langfilm-Debüt der bolivianisch-mexikanischen Regisseurin Natalia López Gallardo und läuft im Berlinale-Wettbewerb um den Goldenen Bären.

Drei Frauen stehen im Mittelpunkt dieses Dramas: Drei Frauen, die ganz unterschiedliche Lebensbereiche abdecken. Da ist Isabel, eine weiße Mexikanerin, die gerade dabei ist, sich von ihrem Mann zu trennen: Eine Frau, die keinen Unterschied macht zwischen arm und reich, die ihren Angestellten mehr vertraut als ihrem Mann oder ihrer Mutter. Und so trifft sie das Verschwinden der Tochter einer Hausangestellten schwer. Sie beschließt, bei der Suche zu helfen.

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Drei Frauen

Dann ist da Maria, die Schwester der Verschwundenen, auch sie arbeitet bei Isabel, doch neben der Hausarbeit hilft sie auch Kriminellen, die Menschen kidnappen, ausrauben und töten. Eine Arbeit, die sie quält, von der niemand wissen darf.

Und es gibt die Polizistin: Eine wilde große Frau, von allen "Boss" genannt, die es zuhause doch noch nicht einmal schafft, ihren halbwüchsigen Sohn zu erziehen, der sich einer kriminellen Bande angeschlossen hat.

Starke Mütter, hilflos gegenüber der Gewalt auf den Straßen

Jede dieser Frauen kämpft auf ihre Art und jede rennt gegen verschlossene Türen. Wie die Regisseurin sagt, sind diese drei Frauen eigentlich ein- und dieselbe Person: Sie sind stark als Menschen und Mütter und hilflos gegenüber der Gewalt auf den Straßen. Eine Gewalt, die von den Drogenkartellen ausgeht, die in den ländlichen Regionen die Bewohner fest im Griff haben. Jede Familie ist irgendwie involviert – als Opfer oder auch als Täter. Und viele Frauen machen mit, indem sie die Männer unterstützen, weil sie Geld brauchen, selbst korrumpierbar sind oder einfach nur schweigen.

Die neugierig machende Genauigkeit verliert sich schnell

Der Film beginnt mit einer langen Einstellung, man hört das Rauschen der Bäume, man hört Waldarbeiten, sieht aber nur Natur. Dann ein Paar, das aus dem Fenster auf die Baumarbeiten blickt, er fasst sie an, sie will nicht, weist ihn zurück, und während sie dann ihre Bluse falsch zuknöpft, schlägt er im Hintergrund einen Tisch kurz und klein. Das ist ein vielversprechender, genau beobachteter Anfang mit Liebe zum Detail.

Doch verliert sich diese neugierig machende Genauigkeit sehr schnell: Es dauert lange, bis wir ein Gefühl dafür bekommen, wo wir eigentlich sind und mit wem genau wir es hier zu tun haben - viele Fäden werden ausgelegt und wieder losgelassen.

Das spiegelt sich auch bildlich: Die Kamera geht immer wieder in die Unschärfe oder zeigt die Figuren von hinten, man hört sie sprechen und sieht sie nicht. Abgesehen davon, dass es viel zu viele Figuren sind, führt das zu Irritationen und auch zu einer gewissen Unbeteiligtheit. Was schade ist. Denn es gibt viel zu erzählen aus diesem Land, das in so unvorstellbarem Maße von Gewalt geprägt ist, in dem die Suche nach den Vermissten für viele Familien zur Lebensaufgabe geworden ist.

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Die Welt, die wir sehen, bleibt fremd

Natalia Gallardo, die selbst Mutter von zwei kleinen Kindern ist, will sich mit ihrem Film dem Leid der Eltern annehmen, sie hat viele Gespräche mit betroffenen Müttern geführt, hat lange gecasted und sich dann dafür entschieden, auch mit Laiendarstellern aus der Region zu arbeiten. So ist die Polizistin auch in Wirklichkeit bei der Polizei, was dem Film gut bekommt.

Insgesamt aber bleibt ein diffuses Gefühl. Natalia Gallardo sagt, dass sie sich bei den Dreharbeiten wie eine Kollaborateurin gefühlt habe, weil sie nichts unternommen habe, nur zeige, wie die Welt brennt – und selbst Zuschauerin geblieben ist. Genau das trifft es. Uns geht es nicht anders: wir bleiben außen vor. Die Welt, die wir sehen, bleibt fremd, wie die Menschen auch: Wir verstehen sie nicht.

Christine Deggau, rbbKultur

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