So-seol-ga-ui yeong-hwa / The Novelist’s Film © Jeonwonsa Film Co. Production
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Drama | Berlinale Wettbewerb - "The Novelist’s Film" ("So-seol-ga-ui yeong-hwa")

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Eine Schriftstellerin mit Schreibblockade und eine Schauspielerin, die sich vom Filmgeschäft zurückgezogen hat. In "So-seol-ga-ui yeong-hwa" beschäftigt sich der südkoreanische Regisseur Hong Sansoo mit Fragen der künstlerischen Identität und dreht sich dabei kräftig um sich selbst.

Junhee (Lee Hyeyoung) ist eine Schriftstellerin Mitte 60, die in der Vergangenheit mit ihren Romanen große Erfolge gefeiert hat. Jetzt aber befindet sie sich in einer Schaffenskrise und sucht deshalb ihre alte Freundin Sewon (Seo Younghwa) auf, die das Schreiben ganz aufgegeben hat und etwas außerhalb von Seoul einen Buchladen betreibt. Die beiden unterhalten sich über das Schreiben, die Kunst und das Leben im Allgemeinen - solange bis sich Junhee zu einem Spaziergang durch die Nachbarschaft aufmacht.

So-seol-ga-ui yeong-hwa / The Novelist’s Film © Jeonwonsa Film Co. Production
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Zufällige Begegnungen

In "So-seol-ga-ui yeong-hwa" führt Hong Sangsoo seine Hauptfigur durch eine Reihe von zufälligen Begegnungen - mit dem Regisseur Hyojin (Kwon Haehyo), der einst ein Drehbuch von ihr abgelehnt hat, mit der jungen Schauspielerin Kilsoo (Kim Minhee), mit der sie einen Kurzfilm drehen will, und mit dem in die Jahre gekommenen Dichter Mansoo (Ki Joobong), mit dem sie mal ein Verhältnis hatte. Eine Odyssee durch verschiedene Phasen ihres Lebens, die irgendwann wieder am Ausgangspunkt ankommt - in dem kleinen Buchladen von Sewon, wo dann ein kleines Gelage stattfindet.

Gespräche über das Künstlerdasein

In den Filmen von Hong Sangsoo wird viel geredet: Es geht um das Essen oder um das Wetter, die asiatischen Höflichkeitsformen spielen eine wichtige Rolle ... Das Gespräch plätschert so dahin, bis es schließlich doch noch ans Eingemachte geht, an grundlegende Fragen des Künstlerdaseins: Was ist eine gute Geschichte? Wie gehe ich mit meinem Talent um? Und: Ist es nicht auch völlig legitim, sich trotz Begabung bewusst gegen eine künstlerische Karriere zu entscheiden?

Der eigenen Filmsprache treu

Hong Sangsoo ist Dauergast der Berlinale. Mit "So-seol-ga-ui yeong-hwa" ist er bereits zum siebten Mal im Wettbewerb vertreten und er ist seiner Filmsprache über all die Jahre treu geblieben: Kleine Besetzung, schwarzweiße Bilder, wenige Drehorte und mäandernde Dialoge. Wenn man einen Hong Sangsoo-Film sieht, weiß man sofort, woran man ist. Der südkoreanische Regisseur ist ein "Meister der Variation im Seriellen", so hat es Ekkehard Knörer in der taz treffend ausgedrückt.

So-seol-ga-ui yeong-hwa / The Novelist’s Film © Jeonwonsa Film Co. Production
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Kontinuität in der Darsteller-Riege

Auch bei den Darsteller:innen setzt Hong Sangsoo auf Kontinuität: Mit Lee Hyeyoung und Kwon Haehyo hat er bereits bei vergangenen Filmen zusammengearbeitet. Kim Minhee, seine Muse und Lebensgefährtin, ist ohnehin seit 2015 immer mit dabei. In "So-seol-ga-ui yeong-hwa" spielt Minhee eine Schauspielerin, die sich vom Filmbusiness abgewandt hat, weil es ihr zu kommerziell geworden ist. Dennoch lässt sie sich von Junhee zu einem gemeinsamen Kurzfilm überreden, der als Film-im-Film den Epilog bildet: Natürlich einen Arthouse-Film in Schwarzweiß, ganz den ästhetischen Kriterien von Hong Sangsoo entsprechend - mehr Selbstbezug in 90 Minuten geht eigentlich nicht.

Carsten Beyer, rbbKultur

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