Was geschah mit Bus 670? © MFA+ FilmDistribution
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Drama - "Was geschah mit Bus 670?"

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Für ihren Debütfilm "Was geschah mit Bus 670?" wurde die mexikanische Regisseurin Fernanda Valadez bei den großen Festivals von Publikum und Kritik gleichermaßen gefeiert. Ihr Film spielt in Mexiko, einem Land, indem jedes Jahr mehrere tausende Menschen verschwinden. Seit 2010 mehr als 90.000. Über 4.000 Massengräber wurden bisher geborgen. Die Täter sind oft Drogenkartelle, die Opfer Migranten, Frauen. Die Polizei ist überfordert. Angehörigen bleibt oft nichts anderes übrig, als sich selbst auf die Suche nach den Vermissten zu machen. Davon erzählt dieser Film.

Durch den Nebel kommt er auf das Steinhaus zu, ein Kind noch, zart, vielleicht 13 Jahre alt. Er werde gehen, sagt er durch das Fenster: gemeinsam mit seinem Freund Rigo werde er jetzt aufbrechen. Den Bus nehmen zur Grenze, Richtung Arizona. Da solle es Arbeit geben. Und dann geht er, winkt seiner Mutter noch einmal zu, und verschwindet im Staub der mexikanischen Hügel.

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Aufbruch in eine vermeintlich bessere Welt: die USA

Es bleiben diese schemenhaften Erinnerungen. Denn seine Mutter wird nichts mehr von Jesús hören. Nach zwei Monaten beschließt sie, nicht mehr zu warten, sondern zu handeln und geht zur Polizei. Man könne ihr nicht helfen, sagen die Polizisten. Aber sie zeigen ihr eine dicke Mappe. Mit Fotos der Toten aus den letzten zwei Monaten. Man findet sie in Massengräbern, oberflächlich verscharrt. Studenten, Migranten. Oft Menschen, die mit Hab und Gut in eine vermeintlich bessere Welt aufbrechen, in der es Arbeit und keine Gewalt geben soll: die USA. Die dann einfach verschwinden.

So wie dieser Junge, der Sohn von Magdalena. Eine einfache Frau, die nicht richtig lesen und nicht schreiben kann, aber beschließt, sich nicht einschüchtern zu lassen und die Suche nach ihrem Sohn selbst in die Hand zu nehmen.

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Auf der Suche nach den Passagieren des Bus 670

Zu Fuß durchquert sie die karge Landschaft, sucht nach anderen Passagieren des Bus 670. Denn eines hat sie mittlerweile erfahren: der Bus, in den Jesús und Rigo gestiegen sind, hat sein Ziel nie erreicht.

Auf ihrer Reise lernt sie den Jungen Miguel kennen. Er war in Amerika, wurde ausgewiesen und kehrt nun zurück nach Hause, wo niemand mehr ist. Miguel und Magdalena – eine Schicksalsgemeinschaft.

Eine fiktive Geschichte - doch ganz nah an der Realität

"Was geschah mit Bus 670?" ist eine fiktive Geschichte. Und doch ganz nah an der Realität, die wir nur aus den Nachrichten kennen. Wenn überhaupt. Oder aus Romanen wie "2066" in dem der chilenische Schriftsteller Roberto Bolaño von unaufgeklärten Frauenmorden im Norden Mexikos erzählt. Fast nicht zu ertragen ist hier wie da die Spirale der Gewalt, die das Leben prägt, die unaufhaltsam scheint. Die Täter sind nicht auszumachen. Ihr Schatten aber ist überall.

Nordmexiko gilt als eine der gefährlichsten Regionen der Welt. Das begreift man, wenn man sich diesen Film ansieht, der ganz unaufgeregt von der Suche einer Mutter nach ihrem Kind erzählt. Ohne Geld, ohne Kontakte. In einem Land, in dem ein Menschenleben nichts zählt. Ob tot oder lebendig.

Kein Raum für Sentimentalitäten

Es ist auffällig, wie wenig suggestiv die Regisseurin vorgeht. Hier ist kein Raum für Sentimentalitäten, es gibt nicht die Bösen und die Guten, es gibt nur sie: diese Mutter, die ihrem Instinkt folgt, ihr Kind zu finden.

Die mexikanische Schauspielerin Mercedes Hernández trägt diesen Film mit Leichtigkeit ohne ein einziges Lächeln. Ihr fast nüchterner Blick führt uns über kilometerlange staubige Pisten, zu Identifizierungsstellen neben Leichenbergen, zu Fremden, die ihr ihre Geschichte erzählen.

Mit Magdalena hoffen wir auf eine Antwort nach dem Verbleib von Jesús. Als die am Ende kommt, wünschte man, sie wäre ausgeblieben.

Ein Film, der der Fantasie viel Raum lässt

Schon während der Dreharbeiten wurde der Regisseurin ihr Budget beschnitten, Fördermittel wurden um die Hälfte gekürzt. Auch das erklärt die sehr reduzierte Erzählweise.

"Was geschah mit Bus 670?" ist ein Roadmovie, an dem fast nur Frauen beteiligt waren. Für Regisseurin Fernanda Valadez hat die Sensibilität dieses Filmes auch damit zu tun: mit dem weiblichen Blick. Ein Film, in dem kaum gesprochen wird. In dem viele Fragen offen bleiben, der uns zu wenig über seine Figuren erzählt, um ihnen wirklich nahezukommen: Der manchmal zu langatmig ist. Der aber eindringliche und dabei sehr ästhetische Bilder für die Gewalt findet, die die Stimmung des Films prägen. Ohne zu beschönigen. Ein Film, der der Fantasie viel Raum lässt. Und genau darum ein wichtiger Film ist.

Christine Deggau, rbbKultur

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