Come On, Come On © DCM Film Distribution
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Drama - "Come on, Come on"

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Sie sind das Glamour-Paar der alternativen Kulturszene Kaliforniens: die Schriftstellerin und Filmemacherin Miranda July und der Grafik-Designer und Regisseur Mike Mills. Gemeinsam haben sie ein Kind, Hopper, das inzwischen neun Jahre alt ist. Und genau darum geht es in dem neuen Film "Come on, Come on" von Mike Mills: um Mutter-Sein, Vater-Sein und Kind-Sein, um die Beziehung von Erwachsenen zu Kindern und darum, was alle voneinander lernen können.

Mike Mills hat sich inspirieren lassen von einem frühen Roadmovie von Wim Wenders: "Alice in den Städten" aus dem Jahr 1973. Ein Journalist, gespielt von Rüdiger Vogler, bekommt am Flughafen von Los Angeles das Mädchen Alice anvertraut, weil ihre Mutter noch etwas mit ihrem Ex-Mann zu regeln hat.

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Mike Mills inszeniert Alltagsmomente

In "Come on, Come on" spielt Joaquin Phoenix Johnny, einen Radiojournalisten, der gerade Interviews zur Zukunft der nächsten Generation führt. Weil seine Schwester sich um ihren bipolaren Ex-Mann kümmern muss, nimmt Johnny seinen Neffen Jesse mit auf seine Reportage-Reise durch Amerika.

Die lose Handlung lässt Platz für ein breites Spektrum von Gefühlen. Da ist auf der einen Seite der kinderlose Johnny, der auf einmal begreift, was es heißt, Verantwortung zu tragen und eine Verbindung zu einem Kind aufzubauen. Da ist der junge Jesse, etwas schrullig, der langsam aus seiner Phantasiewelt herauskommt und seine Fühler ausstreckt nach der Realität. Und da ist das Geschwisterpaar, das sich bei der Pflege der totkranken Mutter erbarmungslos gestritten und jetzt wieder versöhnt hat.

Mike Mills stellt sich in seinem Film dem schwierigsten Stoff für das Kino. Er inszeniert die Alltagsmomente, Liebe, Wut, Angst und Sorge.

Joaquin Phoenix lernt von seinem jungen Filmpartner

Der Film ist chronologisch gedreht, so dass man zuschauen kann, wie die beiden Schauspieler miteinander wachsen. Joaquin Phoenix legt seine Rollen meist sehr bewusst an, wenn man an "Joker" denkt oder an den fiesen Tyrannen Commodus in "Gladiator" von Ridley Scott. Hier ist seine Figur offener und ungeschützter. Anfangs versucht Phoenix die Alltäglichkeit noch gut sichtbar zu spielen und übertreibt. Da zerbrechen die feinen Strukturen des Films. Mit der Zeit aber lässt sich der Schauspieler auf die Situationen ein. Er lernt das von dem jungen Woody Norman, der ganz auf den Moment und auf den Austausch mit seinem Gegenüber vertraut.

Das Zentrum der Geschichte bildet die abwesende Mutter

Die abwesende Mutter hält alle Fäden der Geschichte in der Hand. Viv kümmert sich um den kranken Ex-Mann, um seinen Hund, tröstet am Telefon ihr Kind und gibt ihrem Bruder Ratschläge. Mike Mills scheint selbst staunend vor der fast unlösbaren Aufgabe zu stehen, die Frauen Tag für Tag meistern.

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Die fantastische Gaby Hoffmann gibt dieser nachdenklichen, empfindsamen und patenten Mutter, die sich aus der Ferne kümmert, eine erstaunliche Präsenz. Hoffmann erinnert mit ihrer feinen Schönheit an Miranda July. Sie ist die Tochter von Viva!, die Star in Andy Warhols "Factory" war und in mehreren Filmen von Wim Wenders mitgespielt hat. Fast schade, dass Gaby Hoffmanns Figur nur aus der Distanz agiert.

Schwarz-Weiss ist die Sensation

Der Film hat die Farbe von Glas. Die betörenden schwarz-weiß Bilder des irischen Kameramanns Robbie Ryan umhüllen das Publikum mit einer vertrauten Bildsprache, aber Robbie Ryan geht noch weiter. Er versucht in allen Nuancen des Grau ein Äquivalent zu schaffen für die komplexen Beziehungsstrukturen zwischen den Menschen. Dabei wechselt er radikal zwischen Nahaufnahme und Totale, schleicht sich mit seiner beweglichen Kamera in das Gespräch zwischen Onkel und Neffen und geht dann wieder auf Distanz.

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Er imitiert mit seinen Bewegungen die zwischenmenschliche Kontaktaufnahme und verankert die Geschichte fast im Vorübergehen in den Städten New York, Los Angeles oder New Orleans. So bindet er die Geschichte an die Gegenwart an, gibt dem Film eine Leichtigkeit und zieht das Publikum sacht hinein in das Gewebe der Gefühle.

Schon allein diese sensationelle Kamera ist den Kinobesuch wert.

Simone Reber, rbbKultur

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